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Edition Bayern Sonderheft: Industriekultur in Bayern


Edition Bayern Sonderheft: Industriekultur in Bayern


Edition Bayern Sonderheft: Industriekultur in Bayern

Herausgeben vom Haus der Bayerischen Geschichte. Mit Beiträgen von Dirk Götschmann, Hermann Glaser, Egon Johannes Greipl u.a., Augsburg 2012 (EDITION BAYERN Sonderheft 05), 148 Seiten, 435 großteils farbige Abbildungen


10,00 € (zzgl. Versand)
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Beschreibung

Bayern ist entweder ein Agrarstaat, oder es ist überhaupt nicht.“ Diese Auskunft erteilte das Bayerische Landwirtschaftsministerium 1921 den Münchner Neuesten Nachrichten - eine Aussage, die allerdings eher bayerischem Agrarpatriotismus als der Wirklichkeit entsprach. Denn 1921 war der Turnaround – mehr Beschäftigte in der Industrie als in Land- und Forstwirtschaft – schon in Sicht. Trotzdem hielt sich die Doktrin vom Agrarland Bayern noch Jahrzehnte. Die Landwirtschaft gehörte zum Bayernklischee, während sich die Industrie nur schwer in dieses Bild fügte.

Dieses Sonderheft der EDITION BAYERN geht der Industrialisierung in ihrer frühen Phase und der Industriekultur in Bayern nach. Die Startbedingungen waren schwierig: Die napoleonischen Kriege mit Plünderungen, Musterungen, Kontributionen, Hungersnöten warfen einen langen Schatten, der Rohstoff-, insbesondere der Kohlemangel Bayerns tat ein Übriges. Die Unternehmer setzten deshalb auf Veredlung bei hohem handwerklichem und technischem Knowhow und vor allem auf die Zukunftsindustrien Chemie und Elektrotechnik auf der Basis der nachhaltigen Wasserenergie – dem großen Standortvorteil Bayerns.

Mit dem Beitritt zum Deutschen Zollverein 1834, der mit der Schaffung einheitlicher ökonomischer Rahmenbedingungen in Deutschland erst die Voraussetzung für eine prosperierende Wirtschaft und Industrie schuf, zeigte sich Bayern fortschrittlich. Und genauso forcierten Ludwig I. und Max II. den Eisenbahnbau. Auch wenn manches in einem eigenen, langsamerem Tempo voranschritt, die bayerische Wirtschaft blieb wie das Land vielfältig und diversifiziert, hatte mehrere Standbeine in Landwirtschaft, Handel, Handwerk, Industrie und Tourismus. Anders als das Ruhrgebiet entwickelte sich in Bayern keine Monostruktur, Großkonzerne waren weniger wichtig als der Mittelstand - ein erheblicher Standortvorteil und Voraussetzung für die Entwicklung Bayerns zur europäischen Boomregion.

Das aspektreiche Heft spannt den Bogen von der frühen Phase der Industrialisierung zu den Hinterlassenschaften der industriellen Entwicklung, die heute in Gestalt von Baudenkmälern eine Herausforderung für Fragen des Denkmalschutzes, der Erhaltung und angemessenen Nutzung darstellen. Hermann Glaser, der Doyen der Industriekulturgeschichte, hat einen wichtigen Aufsatz beigesteuert, Dirk Götschmann, der beste Kenner der bayerischen Wirtschaftsgeschichte, hat seine umfänglichen Forschungen in diesem Heft erstmals knapp zusammengefasst.

Einzelne Beiträge beschäftigen sich mit dem „Industriestandort Augsburg“, mit innovativen Entwicklungen wie das mit dem Telefon neu entstehende Kommunikationswesen, das Rainer Riedel, Kenner der Telefongeschichte, am Beispiel der Stadt Kulmbach vorstellt. Wie sehr die Erfolgsgeschichte der Industrie in Bayern mit Forscher- und Unternehmerpersönlichkeiten verknüpft ist, zeigen die biografischen Abrisse der „Industriepioniere“ ebenso wie die von Florian Köhler  und Max Edelmann untersuchte Firmengeschichte des „Physikalisch-Mechanischen Instituts Max Th. Edelmann“, das mit seinem Gründer einen klassischen Pionier des Industriezeitalters an der Spitze hatte: in einer Person Wissenschaftler, Tüftler, Unternehmer, „Weltmarktführer“ auf seinem Spezialgebiet. Einem besonderen Aspekt der Unternehmerpersönlichkeiten des 19. Jahrhunderts, den Kommerzienräten, widmet sich der Beitrag von Marita Krauss, die das unter ihrer Ägide an der Universität Augsburg entstehende Forschungsprojekt über diese „wirtschaftsbürgerliche Elite zwischen Wirtschaft, Staat und Philantropie“ vorstellt.

So in die Thematik eingestimmt, führt das Heft in einem zweiten Teil in die Gegenwart. Aus dem Industriezeitalter haben sich nicht nur gegenständliche, mentale, landschaftliche Hinterlassenschaften erhalten – es ist auch ein nicht geringer Bestand an baulicher Substanz stehen geblieben, dessen Erhaltung und Nutzung eine Frage der Denkmalpflege geworden ist. Egon Johannes Greipl leuchtet dies in seinem Beitrag aus und Anita Kuisle lädt abschließend zu einer Reise durch ganz Bayern ein: „Industriekultur entdecken“  ist ein topografischer und thematischer Streifzug, der aus dem Bestand der rund 2200 Industriedenkmäler in Bayern Bekanntes und Unbekanntes bietet und die Augen öffnet  für die Vielfalt dieses Kulturguts.


Inhalt
Bayerns Weg vom Agrarland zum postindustriellen Wirtschaftsstandort (Dirk Götschmann)
Industriekultur in Bayern  (Hermann Glaser)
Die Industriestadt Augsburg um 1900 (Richard Loibl)
„Bitte abläuten“ – 120 Jahre Telefon in Kulmbach (Rainer Riedel)
Erfi nder, Unternehmer, Finanziers – Industriepioniere in Bayern (Barbara Kink)
Bayerische Kommerzienräte – ein Forschungsprojekt (Marita Krauss)
Arbeiterleben – „Wir sind ja doch immer das Geringste auf Erden“ (Barbara Kink)
Physikalisch-Mechanisches Institut Max Th. Edelmann, München – angewandte Wissenschaft (Florian Köhler/Max Edelmann)
Johannes Haag – Begründer der deutschen Zentralheizungsindustrie (Stephanie Heyl)
Villen und Ferienhäuser – zerlegbar und transportabel (Stephanie Heyl)
Robust, sperrig und unterschätzt – Bayern und seine Industriedenkmäler (Egon Johannes Greipl)
Industriekultur entdecken – eine Reise durch Bayern (Anita Kuisle)
Das Bayerische Wirtschaftsarchiv – Tradition mit Zukunft (Eva Moser)
Das Museum Industriekultur in Nürnberg(Regine Franzke/Matthias Murko)
Industrie- und Technikmuseen in Bayern
Firmenarchive in Bayern
Literaturauswahl

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