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Glossar


Anifer Erklärung

König Ludwig III. floh zusammen mit Königin Therese und einigen Mitgliedern des Hofstaats noch in der Nacht der Revolution am 7. November 1918 nach Schloss Anif bei Salzburg. Am 12. November 1918 entband er in einer schriftlichen Erklärung die Beamten, Soldaten und Offiziere von ihrem Treueid. Eine explizite Abdankung formulierte er hingegen nicht. Kurt Eisner fasste diese so genannte Anifer Erklärung als Abdankung auf.
 
Arbeiter- und Soldatenrat

Nach der bayerischen Revolution am 7.11.1918 wurden in ganz Bayern Arbeiter-, Soldaten- und Bauernräte gebildet. Die Räte sollten die Regierungsgewalt der staatlichen und kommunalen Einrichtungen übernehmen und für eine reibungslose Durchsetzung der Revolution sorgen. Allerdings konnten sich die meisten Räte nur für kurze Zeit gegenüber den alten Obrigkeiten behaupten und sanken bald wieder in die Bedeutungslosigkeit herab.
 
Bamberger Regierung

Nachdem am 7. April 1919 in München die „Räterepublik Baiern“ ausgerufen worden war, verlagerten die parlamentarisch gewählte Regierung von Ministerpräsident Johannes Hoffmann und der Bayerische Landtag den Regierungssitz nach Bamberg. Von Bamberg aus wurde die Niederschlagung der Räterepubliken in Bayern organisiert. Hier wurde auch die Verfassung des Freistaats Bayern ausgearbeitet und beschlossen. Sie wird nach dem Ort ihrer Entstehung als „Bamberger Verfassung“ bezeichnet.
 
Bamberger Verfassung

Nachdem am 7. April 1919 in München die „Räterepublik Baiern“ ausgerufen worden war, verlagerten die parlamentarisch gewählte Regierung von Ministerpräsident Johannes Hoffmann und der Bayerische Landtag den Regierungssitz nach Bamberg. Hier wurde auch die Verfassung des Freistaats Bayern ausgearbeitet und beschlossen. Sie wird nach dem Ort ihrer Entstehung als „Bamberger Verfassung“ bezeichnet.
 
Bayerischer Rätekongress

Am 13. Februar 1919 fanden sich erstmals Delegierte der Rätegremien aus ganz Bayern auf dem Bayerischen Rätekongress in München ein. Hauptforderung des Kongress war die Erhaltung der durch die Revolution entstandenen Rätegremien auch nach den geplanten Landtagswahlen; die Rätegremien sollten fest in das zukünftige politische System des Freistaats Bayerns eingebunden werden. Nach dem Attentat auf Ministerpräsident Kurt Eisner berief der Zentralrat am 25. Februar 1919 erneut den Rätekongress, um über die weitere politische Entwicklung Bayerns beraten zu lassen. In einer Übereinkunft mit Vertretern des auseinander gebrochenen Landtags sprach sich eine große Mehrheit der Delegierten am 28. Februar 1919 gegen die Errichtung eines Rätersystems und für die parlamentarische Demokratie aus.
 
Belagerungszustand

Im Falle des Ausnahmezustands konnte die Regierung durch Verhängung des Belagerungszustands zusätzliche Kompetenzen für sich beanspruchen und allgemeine Grundrechte aufheben.
In Bayern war der Belagerungszustand während des Ersten Weltkriegs gegeben; er wurde unter anderem dazu genutzt, die Wirtschaft zentral zu steuern. Infolge des am 21. Februar 1919 auf Ministerpräsidenten Eisner verübten Attentats verhängte der Zentralrat den Belagerungszustand über mehrere bayerische Städte und erwirkte dadurch unter anderem die Zensur der Presse und Versammlungsverbote.
 
Freikorps

Im April 1919 hob die Regierung Hoffmann in ganz Bayern paramilitärische Freiwilligenverbände aus, die zusammen mit Einheiten der Reichswehr die Räterepublik in München niederwerfen sollten. Teile dieser so genannten Weißen Truppen gingen hierbei mit großer Brutalität gegen die Rote Armee vor.
 
Kriegsschuld

Da sich Ministerpräsident Kurt Eisner durch ein Entgegenkommen gegenüber den Siegermächten günstigere Verhandlungspositionen bei den Friedensverhandlungen für Bayern und das Deutsche Reich erwartete, veröffentlichte er am 24. November 1918 Dokumente der bayerischen Gesandtschaft, die die Schuld des Deutschen Reichs am Ausbruch des Krieges belegen sollten.
 
Ministerium für Soziale Fürsorge

Aufgrund der wirtschaftlich äußerst angespannten Lage nach dem Ersten Weltkrieg gründete die Regierung Eisner im Anschluss an die Revolution am 14. November 1918 das Ministerium für Soziale Fürsorge. Dessen Hauptaufgaben lagen im Bereich der Arbeitsbeschaffung, der Sozialversicherung, dem Wohnungswesen sowie der Kriegsfürsorge. Im Zuge einer Verwaltungsvereinfachung wurde das Ministerium für Soziale Fürsorge 1928 aufgelöst; seine Aufgabenbereiche wurden auf andere Ministerien übertragen.
 
Palmsonntagsputsch

Am 13. April 1919, dem Palmsonntag, verhaftete die Republikanische Schutztruppe, die hinter Ministerpräsident Hoffmann stand, mehrere Anführer des Bayerischen Zentralrats in München und beendete damit die erste Räterepublik. Da es sich bei der Regierung Hoffmann um die legitime Regierung handelt, kann man nicht eigentlich von einem Putsch sprechen. Es handelt sich also um eine historisch nicht ganz exakte Bezeichnung.
 
Räterepublik

Die Idee der Räterepublik besagt, dass alle politischen Entscheidungen durch die in Räten organisierten Basisgruppen der Gesellschaft getroffen werden. Die Willensbildung im Staat soll sich also von unten nach oben vollziehen.
In Bayern kam es am 7. April 1919 zur Proklamation der ersten Räterepublik. Mit ihrem Anspruch, die Räte-Idee als Ideal umzusetzen, glich sie einer Utopie.
Nach dem Sturz der ersten Räterepublik am13. April 1919 nutzte die KPD das entstandene Machtvakuum und proklamierte in München die zweite Räterepublik, die dem Beispiel Sowjetrusslands folgen sollte. Den Kommunisten war die erste Räterepublik nicht radikal genug gewesen, sie verspotteten sie als „Scheinräterepublik“. Die kommunistische Räterepublik wurde Anfang Mai durch Truppen der parlamentarischen Regierung Hoffmann beseitigt.
 
Revolution

In der Geschichte Bayerns ist der Begriff Revolution hauptsächlich mit zwei Ereignissen verbunden:

1. Im Zuge der revolutionären Erhebungen in Frankreich und mehreren deutschen Ländern 1848 kam es auch in München sowie in Teilen Schwabens und Frankens zu Unruhen, die schließlich zu Verfassungsreformen sowie zur Abdankung des durch die Lola-Montez-Affäre angeschlagenen, Königs Ludwig I. zugunsten seines Sohnes Maximilan (II.) führten.

2. Im Anschluss an eine Friedensdemonstration auf der Theresienwiese am 7. November 1918 besetzte eine kleine Gruppe unabhängiger Sozialisten (USPD) unter Führung Kurt Eisners Kasernen und Regierungsgebäude. Die Monarchie der Wittelsbacher wurde für abgesetzt erklärt. In der darauffolgenden Nacht wurde der Freistaat Bayern proklamiert mit Kurt Eisner an der spitze als Vorsitztender des Ministerrats.
 
Rote Armee

Die nach der Ausrufung Bayerns zur Räterepublik am 7. April 1919 nach sowjetrussischem Vorbild aufgestellte Rote Armee sollte die Räterepublik vor den Weißen Truppen der parlamentarischen Bamberger Regierung verteidigen. Allerdings war die Rote Armee schlecht ausgerüstet und organisiert, so dass sie beim Vorrücken der hoffmanntreuen Truppen auf München schnell auseinanderfiel.
 
Spartakisten

Im nach dem Anführer des römischen Sklavenaufstands im 1. Jahrhundert v. Chr. benannten Spartakusbund sammelten sich seit 1915 radikale Sozialisten und Pazifisten aus den Reihen der SPD. 1917 schlossen sich die Spartakisten der neugebildeten USPD (Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands) an. Im Jahr 1919 wurde aus dem Spartakusbund heraus die KPD gegründet.
In Bayern entstanden ab 1919 nur in wenigen Industriegebieten Spartakusgruppen, allerdings wurde der Begriff „Spartakisten“ im Vorfeld und zu Zeiten der Räterepubliken als Sammelbegriff auf Sozialisten und Linksradikale jeder Couleur angewendet.
 
Volksbeauftragter

In der am 7. April 1919 in München ausgerufenen ersten Räterepublik wurden vom Revolutionären Zentralrat Volksbeauftragte gewählt, die in etwa die Stellung von Ministern einnahmen.
 
Vollzugsrat

Nach dem so genannten Palmsonntagsputsch am 13. April 1919 wählte der im Münchner Hofbräuhaus versammelte Betriebs- und Soldatenrat von München einen Aktionsausschuss. Dieser wählte wiederum den Vollzugsrat, dem Eugen Leviné vorsaß. Der Vollzugsrat stellte in der zweiten Räterepublik eine Art von Regierung dar. Er koordinierte die verschiedenen Gremien und tätigte die laufenden Regierungsgeschäfte.
 
Zentralrat

Nach der Ermordung von Ministerpräsident Kurt Eisner am 21. Februar 1919 durch Graf Arco auf Valley und dem Attentat auf Innenminister Erhard Auer verließen die Abgeordneten fluchtartig das Gebäude, die Regierung war handlungsunfähig. Daraufhin wählte ein von sozialistischen Vertretern gebildeter Aktionsausschuss den so genannten Zentralrat, der bis auf Weiteres die Ausübung der Regierungstätigkeiten übernehmen sollte. Nach der Ausrufung der ersten Räterepublik in Bayern am 7. April 1919 wurde der Zentralrat in den „Revolutionären Zentralrat“ umgewandelt, der als höchstes Gremium der Räterepublik fungieren sollte.