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Biografien

     
Haus der Bayerischen Geschichte – Bildarchiv, Augsburg   Arco-Valley, Anton von
5. Februar 1897 St. Martin (Oberösterreich) - 29. Juni 1945 Bei Salzburg - Militär

Am 21. Februar 1919 verübte der Offizier Anton Graf Arco auf Valley ein Attentat auf Kurt Eisner, der sich nach seiner Niederlage bei den Landtagswahlen auf dem Weg in den Landtag befand, um seinen Rücktritt als Ministerpräsident bekanntzugeben. Nachdem er Eisner mit zwei Schüssen tödlich getroffen hatte wurde Arco von dessen Leibwächtern überwältigt und selbst schwer verletzt. Im anschließenden Gerichtsprozess erhielt Arco, der aus nationalistischen und antisemitischen Motiven heraus gehandelt hatte, zunächst die Todesstrafe. Diese wurde in eine lebenslange Festungshaft abgemildert, aus der er aber bereits 1924 wieder entlassen wurde.

     
Haus der Bayerischen Geschichte – Bildarchiv, Augsburg   Auer, Erhard
22. Dezember 1874 Dommelstadl bei Passau - 20. März 1945 Giengen an der Brenz - Politiker

MSPD; 1907–1918 und 1919-1933 Mitglied des Bayerischen Landtags, 1918/19 Innenminister in Bayern, 1918/19 Mitglied des Provisorischen Nationalrats Bayerns, 1919/20 Mitglied des Deutschen Reichstags, 1920 – 1933 Vizepräsident des Bayerischen Landtags

Der aus Niederbayern stammende Erhard Auer war frühzeitig Anhänger der SPD. Er wurde 1907 Mitglied des Bayerischen Landtags. Nach dem Rückzug seines Mentors, Georg von Vollmar, übernahm Auer die Führung der bayerischen SPD. Erhard Auer, der sich zu Kriegsende für die Umwandlung Bayerns in eine parlamentarische Monarchie einsetzte, stand der von Kurt Eisner durchgeführten Revolution ablehnend gegenüber. Trotzdem beteiligte er sich für die bayerische MSPD an der Regierung Eisner und bemühte sich als Innenminister den Einfluss der Rätegremien klein zu halten und eine gemäßigte Reformpolitik zu betreiben, was ihm ein starkes Misstrauen sozialistischer Gruppierungen einbrachte. Als Ministerpräsident Eisner Februar 1919 ermordet wurde, schoss der revolutionäre Arbeiterrat Alois Lindner, der den Innenminister als Drahtzieher dieses Attentats sah, Auer im Landtag nieder. Auer überlebte den Anschlag schwer verletzt. Nachdem sich Auer nach seiner Genesung wieder in der Landespolitik engagiert hatte, zog er sich nach der Übernahme der Herrschaft durch die Nationalsozialisten in die innere Immigration zurück

     
Aus: Wollenberg, Erich: Als Rotarmist vor München. Reportage aus der Münchener Räterepublik (Arbeiterdichtungen III), Berlin 1929

  Egelhofer, Rudolf
13. April 1896 München - 3. Mai 1919 München - Matrose

KPD; April 1919 Stadtkommandant Münchens, April/Mai 1919 Oberkommandierender der Roten Armee in Bayern

Rudolf Egelhofer, der sich seit 1919 in der Münchener KPD engagierte, konnte während des so genannten Palmsonntagsputsches als Führer einiger unorganisierter Soldatenverbände und Arbeiterwehren die Republikanischen Schutztruppen schlagen und wurde daraufhin zum Stadtkommandanten von München ernannt, bald danach zum Oberkommandierenden der bayerischen Roten Armee. Obwohl die Rote Armee den Regierungstruppen und den Freikorps bei weitem unterlegen war, rief Egelhofer dazu auf erbitterten Widerstand zu leisten. Auf seinen Befehl hin wurden am 30. April 1919 acht Mitglieder der rechtsgerichteten Thule-Gesellschaft als Geiseln genommen und in das Luitpold-Gymnasium gebracht. Zusammen mit zwei Weißgardisten wurden sie von Soldaten der roten Armee erschossen. Egelhofer wurde im Verlauf der Kämpfe um München gefangen genommen und am 3. Mai 1919 ohne Gerichtsverfahren erschossen.
     
Haus der Bayerischen Geschichte – Bildarchiv, Augsburg   Eisner, Kurt
14. Mai 1867 Berlin - 21. Februar 1919 München - Politiker, Journalist, Schriftsteller

USPD; 1891–1910 politischer Journalist, 1917 Mitbegründer der USPD, 1918 Anführer der Revolution in München, 1918/19 Ministerpräsident in Bayern

Kurt Eisner, der seit 1910 in Bayern politisch tätig war, begründete 1917 die USPD in Bayern mit. Am 7. November 1918 gelang es Eisner in einer Überraschungsaktion die Revolution in Bayern herbeizuführen. Er rief in Bayern die Republik aus und wurde als Vorsitzender des Zentralrats der erste Ministerpräsident Bayerns. Zum einen zog sich Eisner durch die Veröffentlichung von Akten, die die Kriegsschuld Deutschlands belegen sollten, den Hass von national-konservativen Kreisen zu. Zum anderen verlor er durch die Ablehnung eines radikalen Rätesystems zunehmen Sympathien in linken Kreisen. Die Politik der Regierung Eisner konnte der kriegsbedingten Notsituation in Bayern nur ungenügend Herr werden. Bei den Landtagswahlen 1919 erlitt Eisners USPD eine schwere Niederlage. Eisner wollte daraufhin von seinem Posten als Ministerpräsidenten zurücktreten, auf dem Weg zum Landtag wurde er am 21. Februar 1919 von Anton Graf von Arco auf Valley erschossen.
     
Haus der Bayerischen Geschichte – Bildarchiv, Augsburg   Epp, Franz Xaver
16. Oktober 1868 München - 31. Dezember 1946 München - Militär, Politiker

1919 Führer des Freikorps Epp, seit 1928 Mitglied der NSDAP, 1928–1945 Mitglied des Deutschen Reichtags, 1933–1945 Reichsstatthalter in Bayern

Im Auftrag von Reichswehrminister Gustav Noske sammelte der bayerische Weltkriegsoffizier Franz Xaver Ritter von Epp im April 1919 Freiwillige zum Kampf gegen die Münchener Räterepublik. Das Vorgehen des Freikorps Epp beim Einmarsch in München wurde von einem großen Maß an Brutalität begleitet. Epp, der nach den Kämpfen in München als Kriegsheld gefeiert wurde und sich seit 1923 für die NSDAP engagierte, wurde 1933 zum Reichstatthalter in Bayern ernannt.
     
Haus der Bayerischen Geschichte – Bildarchiv, Augsburg   Hoffmann, Johannes
3. Juli 1867 Ibesheim bei Landau - 15. Dezember 1930 Berlin - Lehrer, Politiker

MSPD 1909–1918 und 1919/20 Mitglied des bayerischen Landtags, 1912–1918 und 1919–1930 Mitglied des Deutschen Reichstag, 1918/19 Mitglied der Provisorischen Nationalrat Bayerns, 1918/19 Kultusminister in Bayern, 1919 Ministerpräsident in Bayern

Johannes Hoffmann setzte sich als Kultusminister im Kabinett Eisner für die Durchsetzung der strikten Trennung von Kirche und Staat im Schulwesen ein, was zur Aufhebung der geistlichen Schulaufsicht und der Erteilung religionslosen Moralunterrichts führte. Nach der Ermordung Kurt Eisners wurde Hoffmann als von den bürgerlichen Parteien akzeptierter Kompromisskandidat am 17. März 1919 zum Ministerpräsidenten gewählt. Allerdings gelang es ihm nicht die politische Situation in München zu stabilisieren, sodass er April 1919 mit seinem Kabinett nach Bamberg ausweichen musste. Von dort organisierte er das militärische und propagandistische Vorgehen gegen die Räterepublik. Im Zuge des Kapp-Putsches im März 1920 trat Hoffmann unter massivem Druck der BVP als bayerischer Ministerpräsident zurück.

     
Haus der Bayerischen Geschichte – Bildarchiv, Augsburg   Landauer, Gustav
7. April 1870 Karlsruhe - 2. Mai 1919 München - Schriftsteller, Philosoph

USPD; seit 1893 als Schriftsteller tätig, 1918/19 Mitglied der Provisorischen Nationalrat Bayerns, April 1919 Volksbeauftragter für Kultusangelegenheiten

Gustav Landauer kam nach der Revolution 1918 auf Einladung Kurt Eisners nach München. Bald stieg der Schriftsteller zum prominentesten Vertreter der Anhänger der Räterepublik auf. In der ersten Räterepublik wurde Landauer zum Volksbeauftragten für Volksaufklärung benannt, zog sich aber nach dem Ende der ersten Räterepubkik aus der Öffentlichkeit zurück. Während der Niederschlagung der zweiten Räterepublik wurde Landauer von Freikorpssoldaten verhaftet und im Gefängnis Stadelheim ermordet.
     
Haus der Bayerischen Geschichte – Bildarchiv, Augsburg   Levien, Max
21. Mai 1885 Moskau (Rußland) - 16. Juni 1937 Verm. Moskau (Rußland) - Politiker

KPD; 1918 Mitbegründer der Spartakusgruppe in München, 1919 Mitglied des Bayerischen Zentralrats, April 1919 Mitglied des Vollzugsrats

Im Dezember 1918 wurde Max Levien von der Führung des Sparatakusbundes nach München geschickt, um dort eine lokale Ortsgruppe zu gründen. Fortan propagierte er, Bayern so rasch wie möglich in eine Räterepublik umzuwandeln. Im März 1919 wurde Levien in der Führung der Münchner Kommunisten durch Eugen Leviné abgelöst, während der kommunistischen Räterepublik wurde er in den Vollzugsrat gewählt. Nach der Niederschlagung der zweiten Räterepublik konnte sich Levien der Gefangennahme durch die Regierungstruppen entziehen und wanderte 1921 nach Sowjetrussland aus.
     
Haus der Bayerischen Geschichte – Bildarchiv, Augsburg   Leviné, Eugen
23. Mai 1883 St. Petersburg (Rußland) - 5. Juni 1919 München -

USPD, KPD; 1905 Teilnahme an der Russischen Revolution, 1919 Vorsitzender des Vollzugsrat der Kommunistischen Räterepublik in München

Eugen Leviné agierte nach der Novemberrevolution 1918 im Auftrag des Spartakusbundes im Rheinland, Berlin, Braunschweig und im Ruhrgebiet, bevor er im März 1919 nach München kam und dort die Leitung der KPD von Max Levien übernahm. Nachdem Truppen der Regierung Hoffmann am 13. April 1919 die erste Räterepublik beseitigt hatten, nutzte Leviné das entstandene Machtvakuum und proklamierte die zweite Räterepublik nach sowjetrussischem Vorbild. Nach der Niederschlagung der kommunistischen Räterepublik wurde Leviné am 13. Mai 1919 verhaftet und zum Tod verurteilt. Das Urteil wurde am 5. Juni 1919 vollstreckt.
     
Haus der Bayerischen Geschichte – Bildarchiv, Augsburg   Lindner, Alois
14. August 1887 Kelheim - Koch, Metzger

USPD, KPD; 1918 Mitbegründer des Revolutionären Arbeiterrat

Der 1887 in Kelheim geborene Alois Linder war Mitglied des Münchner Revolutionären Arbeiterrates. Er sah in Innenminister Erhard Auer den Drahtzieher des Attentats auf Ministerpräsident Eisner am 21. Februar 1919. Noch am selben Tag gelang es Lindner bewaffnet in das Landtagsgebäude einzudringen und mehrere Schüsse auf Auer und weitere Anwesende abzufeuern. Auer überlebte das Attentat, während der BVP-Abgeordnete Heinrich Osel und der Major Paul v. Jahreis tödlich getroffen wurden. Lindner konnte im allgemeinen Chaos aus dem Landtag entkommen und floh nach österreich, wo er Ende September 1919 festgenommen wurde. Er wurde zu 14 Jahren Festungshaft verurteilt.
     
Haus der Bayerischen Geschichte – Bildarchiv, Augsburg   Ludwig III.
07.01.1845 München - 18. Oktober 1921 Sarvar (Ungarn) - Monarch

1863–1912 Mitglied des Bayerischen Landtags in der Kammer der Reichsräte, 1912 Übernahme der Regentschaft in Bayern, 1913 Annahme der bayerischen Königswürde, 1918 Sturz im Zuge der Novemberrevolution

Die Herrschaft Ludwigs III. stand von Anfang an unter keinem guten Stern: Noch vor dem Tod des legitimen, aber geisteskranken Königs Otto nahm Ludwig die Krone an, was ihm von Kritikern als Thronraub ausgelegt wurde. Seine Hauptinteressen galten der Technik und vor allem der Landwirtschaft, was ihm in vielen zeitgenössischen Karikaturen den Spottnamen „Milli-Bauer“ einbrachte. Im Ersten Weltkrieg vertrat Ludwig III. die Ziele der preußischen Zentralregierung. Die Bevölkerung gewann den Eindruck, die Kriegsopfer vor allem für Preußen bringen zu müssen. Der unbeliebte König wurde am 7. November 1918 als erster deutscher Monarch durch die Revolution gestürzt, allerdings wurde ihm zu keinem Augenblick Gewalt angedroht. Ludwig floh in das Schloss Anif bei Salzburg, wo er am 13. November 1918 die bayerischen Beamten, Soldaten und Offizieren von ihrem Treueid entband. Bald nach dem Ende der revolutionären Unruhen kehrte Ludwig III. nach Bayern zurück. Er starb am 18. Oktober 1921 bei einem Aufenthalt in seinen Gütern im ungarischen Sarvar.
     
Haus der Bayerischen Geschichte – Bildarchiv, Augsburg   Mühsam, Erich
06. April 1878 Berlin - 10. Juli 1934 Oranienburg - Schriftsteller, Publizist, Politiker

Seit 1901 freier Schriftsteller

Der Anarchist und Pazifist Erich Mühsam setzte sich nach der Revolution von 1918 für die Etablierung eines absoluten Rätesystems ein. Er beteiligte sich als führendes Mitglied der Münchner Spartakusgruppe an einer Vielzahl von Demonstrationen gegen das parlamentarische System, seit Dezember 1918 gab er die Monatsschrift „Kain. Zeitschrift für Menschenrecht“ heraus. Mühsam beteiligte sich aktiv an der ersten Räterepublik und wurde im Zuge des so genannten Palmsonntagsputsches von der Republikanischen Schutztruppe gefangen genommen und nach Ebrach gebracht. 1924 wurde er aus der haft entlassen und ging nach Berlin. Als NS-Gegner wurde er im Zusammenhang mit dem Reichstagsbrand inhaftiert und kam später in das Konzentrationslager Oranienburg, wo er am 10. Juli 1934 ermordet wurde.
     
Haus der Bayerischen Geschichte – Bildarchiv, Augsburg   Niekisch, Ernst
23. Mai 1889 Trebnitz - 23. Mai 1967 Berlin - Lehrer

MSPD, USPD, SED; 1918–1919 und 1920–1923 Mitglied des Bayerischen Landtags, 1919 Vorsitzender des Zentralrats, März 1919 Minister für Kultus und Unterricht, nach 1945 Professor an der Humboldt-Universität Berlin, 1947–1954 Delegierter des Volkskongresses der DDR

Nach der Revolution wurde Ernst Niekisch überraschend zum Vorsitzenden des Arbeiter- und Soldatenrats in Augsburg gewählt. Niekisch der dem linken Flügel der MSPD angehörte, wurde nach der Ermordung Kurt Eisners am 21. Februar 1919 zum Vorsitzenden des Zentralrats gewählt. Zwar sprach er sich bei der Abstimmung des bayerischen Rätekongresses für eine parlamentarische Demokratie aus, stellte sich am 7. April 1919 allerdings nicht gegen die Proklamation der „Räterepublik Baiern“. Noch am ersten Tag der Räterepublik trat Niekisch aufgrund der chaotischen Zustände jedoch von seinem Amt als Vorsitzender des Revolutionären Zentralrats zurück.
     
Haus der Bayerischen Geschichte – Bildarchiv, Augsburg   Toller, Ernst
1. Dezember 1893 Samotschin (Preußen) - 22. Mai 1939 New York - Schriftsteller

USPD; 1918/19 Mitglied der Provisorischen Nationalrat Bayerns, April 1919 Vorsitzender des Revolutionären Zentralrats, 1921–1924 Mitglied des Bayerischen Landtags

Ernst Toller wurde 1893 in Samotschin im heutigen Polen als Sohn eines jüdischen Kaufmanns geboren. Er begann sein Studium im Februar 1914 in Frankreich. Bei Kriegsausbruch 1914 meldete er sich als Freiwilliger. Aufgrund des traumatischen Erlebnisses des Ersten Weltkriegs wandelte er sich zum Pazifisten und knüpfte nach seiner Rückkehr nach München Kontakte zum sozialistischen Milieu um Kurt Eisner. Toller trat dafür ein, die Revolution durch die Umwandlung Bayerns zur Räterepublik zum Abschluss zu bringen. Nach der Ermordung Kurt Eisners übernahm er den Vorsitz in der bayerischen USPD. Am 7. April 1919 war er wesentlich an der Proklamation der ersten Räterepublik beteiligt und wurde zum Vorsitzenden des Revolutionären Zentralrats gewählt. Die kommunistische Räterepublik lehnte Toller zwar ab, trotzdem wirkte er auch in dieser, unter anderem als Abschnittskommandant der Roten Armee. Der Versuch Tollers, durch Verhandlungen eine friedliche Einigung mit der Regierung Hoffmann in Bamberg zu erzielen, scheiterte.
Nach dem Sturz der kommunistischen Räterepublik wurde Toller zu fünf Jahren Festungshaft verurteilt. 1924 ging er nach Berlin. Sein Engagement für Pazifismus und sein Eintreten gegen den Faschismus führten dazu, dass er 1933 emigrieren musste. Er ging über die Schweiz und Großbritannien nach New York. Dort nahm er sich am 22. Mai 1939 das Leben.