Trennlinie 01

Trennlinie 02
Revolution in Bayern > Nürnberg
Nürnberg Ansicht (Fotografie)
Nürnberg
Mittelfranken > Nürnberg

 
Notgeld 1918 (Fotografie)
Nürnberg Ansicht (Fotografie)
Proklamation 10.11.1918 (Plakat)
Otto Gessler (Fotografie)
BMP (Plakat)


Meuternde Soldaten, die sich die Abzeichen des Kaiserreichs von den Uniformen rissen, läuteten am 8. November 1918 die Revolution in Nürnberg ein. Im weiteren Verlauf des Tages besetzten die Revolutionäre öffentliche Gebäude, ohne auf Widerstand zu stoßen, und bildeten im Redaktionsgebäude der sozialdemokratischen „Fränkischen Tagespost“ einen Arbeiter- und Soldatenrat. Dieser wurde anfänglich gemeinsam von MSPD und USPD geleitet.

Der Nürnberger Magistrat unter dem späteren Reichswehrminister Otto Geßler bot angesichts der revolutionären Ereignisse seinen Rücktritt an, wurde aber von den Räten in seinem Amt belassen.

Obwohl Nürnberg eine traditionelle Hochburg der Sozialdemokratie war, wurde hier kurz nach der Revolution, am 14. November 1918, die rechts-konservative Bayerische Mittelpartei gegründet.

Als zweitgrößte Stadt in Bayern nahm Nürnberg eine gewisse Oppositionshaltung gegenüber der Landeshauptstadt München ein und lehnte den alleinigen Führungsanspruch der Münchener Räte ab.

Teile der Nürnberger Arbeiterschaft radikalisierten sich im Lauf der Zeit zusehends: Ab Dezember entstanden Spartakisten-Gruppen, die am 16. Februar durch einen Umsturz versuchten die Macht an sich zu reißen. Die Spartakisten konnten zwar ohne Gegenwehr Zeitungsverlage und öffentliche Gebäude besetzen, die erhoffte Unterstützung von Seiten der Bevölkerung blieb aber aus, sodass sich die Putschisten schnell wieder zurückzogen.

Unter der Regierung Hoffmann tagten zwei entscheidende Versammlungen in Nürnberg: Am 1. März 1919 verhandelten Vertreter der meisten politischen Parteien über die Zusammensetzung des neuen Regierungskabinetts, am 6. April 1919 stellte sich die Mehrheit der Delegierten der Landeskonferenz der bayerischen Mehrheitssozialdemokraten hinter Ministerpräsident Johannes Hoffmann.

Während im benachbarten Fürth am 7. April die Räterepublik ausgerufen wurde, unterstützten die Nürnberger weiterhin Johannes Hoffmann, der dies im Nachhinein als existenziell für das Überleben seiner Regierung bewertete: „Die Nürnberger Garnison und Arbeiterschaft war es vor allem, die Bayern vor einem großen Unglück bewahrten. Versagte auch Nürnberg, so war alles verloren, jeder Widerstand gegen die Räterepublik unmöglich und für mich und die Regierung kein Platz mehr in Bayern.“

_______

Text: Daniel Rittenauer
Literatur: Klaus Dieter Schwarz, Weltkrieg und Revolution in Nürnberg, Stuttgart 1971