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Bayerische Landesausstellung 2019/2020

Untertitel: Eröffnung der Bayerischen Landesausstellung „100 Schätze aus 1000 Jahren“ am 26.09.2019 im Haus der Bayerischen Geschichte in Regensburg
Erscheinungsdatum: 26.09.2019

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Direktor Dr. Richard Loibl führt in die Ausstellung ein © Haus der Bayerischen Geschichte, Foto: www.altrofoto.de [Speichern]

Einführung und Dank von Dr. Richard Loibl, DHdBG

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,

lieber Herr Minister,

liebe Frau Bürgermeisterin,

hohe Geistlichkeit,

verehrte Festgäste,

„Wenn einer eine Reise tut, so kann er was erzählen“, diesen Satz dichtete Matthias Claudius in „Urians Reise um die Welt“ 1786 und damit ziemlich am Ende der Zeit, bis zu der unsere Landesausstellung reicht. Sie ist unsere erste Sonderausstellung im neuen Museum, das wir vor knapp vier Monaten eröffnet haben.

Mir kommt es vor wie gestern und trotzdem möchte ich heute sagen: Wenn einer ein Museum baut, kann er auch viel erzählen:

- Sage und schreibe 270.000 Besucherinnen und Besucher waren bisher im Haus,

- 170.000 davon in der Dauerausstellung.

- 1000 Führungen haben wir in nur 10 Wochen gehalten.

- 900 Bewertungen auf Google haben wir geholt, dabei den miserablen Schnitt von vor der Eröffnung wettgemacht und vier Sterne von fünf erreicht.

- Bei unserer hauseigenen Besucherbefragung haben 17.000 Menschen mitgemacht und uns die Gesamtnote 4,3 von 5 möglichen Punkten eingetragen. 92 Prozent fanden die Ausstellung gut bis super.

Das finde jetzt ich super. Dieses sensationelle Ergebnis konnte mit Ernst niemand erwarten. Zumal die Medien nicht ganz so einhellig positiv eingestellt waren wie die Besucherinnen und Besucher. Was allerdings bei über 2.500 Berichten gefühlt in allen deutschsprachigen Medien und darüber hinaus auch nicht verwundert. Der eine oder andere Feuilletonist erklärten etwa den Museumslöwen für längst zu Tode fotografiert. Meine Damen und Herren, dreimal dürfen Sie raten, welches Exponat mit größtem Abstand am meisten fotografiert wurde.

Was gab es nicht alles zu lesen. Die taz beschwerte sich, dass nicht jede Inszenierung selbsterklärend sei und deshalb der eine oder andere Text gelesen werden müsse. Wenn wir eine ähnliche Aussage im Gästebuch gefunden hätten, hätten wir auf museumsferne Besucher geschlossen und jubiliert, weil wir ein besonders breites Publikum erreichen. Was wir ganz ohne Zweifel tun. Und darauf sind wir besonders stolz!

Den Vogel schoss der Münchner Merkur ab, weil er in seiner online-Ausgabe berichtete, im Museum sei die Lederhose Hitlers ausgestellt, und zwar mit solcher Überzeugung, dass wir am nächsten Tag das ganze Museum abgesucht haben, ob sich nicht eine fremde Lederhose eingeschlichen hat. Eigentlich haben wir aber nur die Lederhose von Oskar Maria Graf ausgestellt und diese ist schon rein größenmäßig mit Hitler schwer in Verbindung zu bringen. Ojeh, der arme Graf wird sich immer noch im Grab umdrehen. Lesen hätte auch hier weitergeholfen.

Von einem modernen Museum erwarten manche aber, dass sich der Heilige Geist von selbst herabsenkt. Dafür hätte jetzt ich wieder gedacht, wären eigentlich die Kirchen zuständig. Ehrlichkeitshalber muss man zugeben, dass das Meinungsbild in einer modernen Gesellschaft halt gemischt ist und sein darf; gottseidank!

Viel Lob gab es natürlich auch von den Medien und Kritik auch von den Besuchern. Die schönste, wie ich finde, lautet wie folgt:

„Das Museum ist schon CSU-lastig. Was hat das Faschingskostüm von Seehofer mit der bayerischen Geschichte zu tun? Und die Franken wurden vernachlässigt.“

Was soll man jetzt dazu sagen? Lieber Herr Ministerpräsident, sie sind ja von den drei Aussagen gleich viermal betroffen: das Faschingskostüm von Seehofer… Da legst dich nieder! In die Umgebung dieser Kritik hat dann ein weiterer Besucher geschrieben:

„Hat das 1806 mit den Franken wirklich sein müssen?“

Beide Zitate sind Beispiele für eine nicht ganz ernst gemeinte Kritik,

die die gelungene Integration bestens vor Augen führen.

Wie Sie sicher merken, liebe Festgäste, haben die ersten Wochen im Museum schon auch Spaß gemacht. Was keiner sein Lebtag vergessen wird: am Pfingstwochenende allein kamen 36.000 Menschen. Und was war dann? Zuerst fiel die Rolltreppe aus. Wir stellten um auf den Aufzug, um die Besucherinnen und Besucher in die Dauerausstellung zu bringen. Dann fiel der Aufzug aus.

Wir ließen die Leute über die Rolltreppe gehen. Die Schlange wickelten wir einmal um das Haus herum. Wir informierten die Wartenden über das Malheur. Umgangssprache bayerisch, es waren überwiegend Oberpfälzer, Niederbayern und Franken, die da standen.

Kaum ein böses Wort. Freundlich, geduldig und mit Sinn für Humor wurde gewartet. Ich habe dabei gelernt, dass es zwei Welten gibt – die reale und die virtuelle. Letztere ist deutlich grantiger. Mein Rat für alle, die wählen können: Nehmt lieber die reale.

In unserem Fall wäre freilich die virtuelle in die reale Welt herübergeschwappt, wenn wir uns 100 Prozent vorschriftsmäßig verhalten und die Hütte dicht gemacht hätten. Apropos Vorschriften, meine Damen und Herren, damit bin ich bei meinem Lieblingsthema angelangt: Große Projekte im öffentlichen Dienst realisieren. Derzeit kommen dabei gefühlt auf einen Arbeiter drei Kontrolleure und zwei Bremser: die finanzwissenschaftliche Theorie von der sich selbsterzeugenden und fortpflanzenden Bürokratie.

Das Vergaberecht als Göttin: sie allein bestimmt, was erfolgreich ist. Ich realisiere seit 25 Jahren große Projekte. Was ich heuer das erste Mal gehört habe: die Aussage von wirklich guten Handwerkern, dass sie mit dem Freistaat Bayern nichts mehr zu tun haben wollen. In der Staatsverwaltung müssten längst alle Alarmglocken schrillen. Doch an praktischen Erfahrungen ist nicht wirklich jemand interessiert. Gesetze macht nicht die operative, sondern die strategische Seite.

Ich habe es schon bei der Eröffnung unseres Museums im Juni gesagt, dass dieses Projekt heute wohl nicht mehr realisierbar wäre. Das muss ich allerdings zurücknehmen: Lieber Minister Bernd Sibler, lieber Amtschef Dr. Jungk, dank Ihres beherzten Eingreifens werden wir auch in Zukunft unsere besonderen Ausstellungsprojekte realisieren können. Sie haben bewiesen, dass Politik sehr wohl mehr kann als reden. Vielen herzlichen Dank für Ihren Mut und Ihr Engagement!

Und weil ich gerade beim Dank bin, ein bisserl auch bei der Medienanalyse und überhaupt. Was war nicht alles Gegenstand der Berichterstattung:

- unser Dialektcomputer, der sich gern einmal verhaut, weil gottseidank noch nicht alles Menschliche von Blechdeppen vermessen werden kann,

- die Gebäudefassade, zu der gefühlt jeder Passant dreimal befragt wurde.

Kein Thema war dagegen der Niedrigenergie-Standard des Museums und die Heiz- und Kühlversorgung über einen vorbeilaufenden Abwasserkanal per Wärmetauscher. Sprich die Kombination von Energiesparen und Energiegewinnung aus quasi regenerativen Quellen; was halt so vorbeischwimmt in einem Kanal.

Das, liebe Festgäste, wurde geplant und umgesetzt, lange bevor Bayern zum Staat der Klimaschützer mutierte. Trotzdem interessiert es kaum. Selbst die Bauwelt, die angesehenste Architektenzeitschrift überhaupt, berichtet darüber nur am Rande, bringt allerdings ansonsten eine Hymne auf das Projekt, was mich für unseren Architekten Stefan Traxler besonders gefreut hat. (Begrüßung, gewaltiger Auftrag in der Schweiz)

Für uns ist das Klima von ganz herausragender Bedeutung. Denn nur, weil diese hochmoderne Anlage funktioniert, können wir Ihnen heute unsere Landesausstellung zeigen. Die Spitzenexponate aus den Weltmuseen verlangen exakte und konstante Temperatur und Luftfeuchte bis hinter die Dezimalstelle. Die Restauratoren und Kuriere konnten es teilweise gar nicht glauben, was unser Haus kann.

Das danken wir den Ingenieuren und Klimaplanern des Freistaates Bayern und der Stadt Regensburg. Denn zu aller Komplexität der Technik kommt noch dazu, dass an einer Schnittstelle – nichts fürchtet der Ingenieur mehr – die Energie von der Stadt an den Freistaat übergeben wird. Das ist ein bisserl wie in Reichsstadtzeiten.

Beide Seiten haben sich hier höchst engagiert und in Rekordzeit die Anlage zum Laufen gebracht. Mein Dank gilt Christine Schimpfermann, Michael Hermann, Udo Ziegenthaler und # Russo von der Stadt Regensburg sowie Karl Stock, Anna-Maria Lanzinger, Thomas Spies und Christian Weikl von Seiten des Staatlichen Bauamtes. Ihre Arbeit ist einen großen Applaus wert.

Meine Damen und Herren, damit bin ich jetzt bei unserer Landesausstellung angekommen. Ich brauche sie Ihnen nicht im Detail erläutern, sie ist selbsterklärend, weil didaktisch bestens konzipiert von meinem Stellvertreter Dr. Rainhard Riepertinger. Wir haben bei dem Jahrhundertprojekt Museum der Bayerischen Geschichte unsere Kräfte in Regensburg konzentriert.

Dr. Riepertinger konnte so sein reiches Fachwissen in Museumsdingen auch für das Gesamtprojekt einbringen. Er hat es nicht leicht gehabt. Die mittlerweile wieder gesenkten bürokratischen Hürden in unserem Ministerium haben ihn mit voller Wucht getroffen und er musste hier viel aushalten. Deshalb gebührt ihm ein ganz besonderer Applaus.

Ebenso danke ich unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Haus, den Doktores Veronika Schmeer, Fabian Fiederer und Christof Paulus stellvertretend für alle Kolleginnen und Kollegen in Verwaltung, Öffentlichkeitsarbeit, Lektorat, Restaurierung und Gebäudeservice,

 für die Gestaltung und die Medientechnik dem Büro formation München und Pmedien

und für den Ausstellungsaufbau der Firma Hierbeck aus Schöllnach – das kennt im Bayerischen Wald keiner, es heißt Schejna – mit dem wunderbaren Firmenmotto „Born to be a Schreiner“ –

 und unserem bewährten Restauratorenteam um Ernst Bielefeld und Alfred Stemp.

Einen möchte ich am Ende nach herausheben: Werni Brugger, der als Einleuchter nicht nur in der Landesausstellung tätig war, sondern Probleme lösen half, die durch das Vergaberecht im ganzen Haus entstanden waren. Am Ende erweist sich der Billigste nicht immer als der Beste, vielmehr kommt der Billigste dem Auftraggeber oft am teuersten, sodass am Ende dann doch die Besten gefragt sind – und das sind unsere eben genannten Kolleginnen und Kollegen, die sich über einen Applaus sicher freuen.

Wir erfüllen heute, liebe Festgäste, einen alten Traum: die bayerische Geschichte in ihrer ganzen zeitlichen Dimension vom frühen Mittelalter bis heute in einem Museum zu zeigen. An die Dauerausstellung, die 1800 beginnt, schließt jetzt die Landesausstellung an, die zurückgeht bis zu den Anfängen.

Dabei stützen wir uns auf Leihgaben aus den Weltmuseen. Ich danke stellvertretend für alle beinahe 100 Leihgeber der Königlichen Schatzkammer Stockholm, dem Louvre Paris, dem Kunsthistorischen Museum Wien, der Nationalgalerie Prag, der Bayerischen Staatsbibliothek und dem Bayerischen Nationalmuseum, dem Germanischen Nationalmuseum, den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, dem Diözesanmuseum Freising und dem Heimatmuseum Miesbach.

Wenn das keine Bandbreite ist, meine Damen und Herren.

Wie in der Dauerausstellung ist unser Ansatz auch heute, ausgewählte Stücke zu zeigen und anhand dieser besondere Geschichten für die große Geschichte zu erzählen. Wie im Haus der Bayerischen Geschichte üblich bleiben wir dabei nicht bei den Herrschenden, sondern schauen auch auf die Beherrschten.

So steht der berühmte Globuspokal von Christoph Jamnitzer und anderen, den die Stadt Nürnberg bei seinem Einzug 1632 dem als Messias der Protestanten gepriesenen Gustav Adolf überreichte, neben dem Pestkarren aus Schwabmühlhausen für das massenhafte Sterben im Gefolge von Krieg, Hunger und Klimawandel. Die Leihgabe des einen Stückes genehmigte König Carl XVI. Gustaf von Schweden,  des anderen der Pfarrer von St. Martin # .

Nebeneinander stehen auch das grandiose Selbstporträt von Cosmas Damian Asam, auf dem er sich, ich meine mit typischer bayerischer Selbstironie, als genialer Künstler im Moment der Inspiration präsentiert, während sein Bruder Pater Philipp im Hintergrund leicht kritisch und der jünger Bruder Egid Quirin als Lehrbub neugierig zuschauen,

neben der Gotzinger Trommel vom Aufstand der Bayern gegen die österreichische Besatzung, der in Niederbayern zur Einnahme aller wichtigen Festungen führte, während die Oberbayern nicht einmal in der Lage waren, die Stadttore von München zu öffnen.

Und am Ende geleitet eines der ganz großen Meisterwerke Bayerns, die Schutzengelgruppe Ignaz Günthers, den Besucher aus der Ausstellung.

Wir sind dankbar, liebe Festgäste, dass bei unserer Museumsgründung hier in Regensburg samt unserer Landesausstellung heute eine ganze Armada von Schutzengeln bei uns war. Es ist gottseidank alles glücklich verlaufen.

Anteil daran haben auch unsere Dienstherren, ich danke meinen Kunstministern und ihren Amtschefs, die mindestens ein Auge, natürlich immer ein lachendes, auf uns geworfen haben und ganz besonders Ihnen, lieber Herr Ministerpräsident.

Sie geben uns heute schon zum vierten Mal die Ehre. Wir sind dankbar für Ihre Unterstützung! Ihnen, liebe Festgäste, danke ich ganz herzlich für Ihr Kommen und bitte Sie jetzt und auf der Stelle um einen besonderen Dienst. Wer ihn nicht erfüllt, wird vom Buffet ausgeschlossen.

Nachdem alle Ausstellungsflächen voll belegt sind, mussten, konnten und durften wir heute im Foyer eröffnen. Hier wird allerdings auch gleich das Buffet aufgetragen. Deshalb bitten wir Sie, liebe Festgäste, nach der Bayernhymne, die gleich erklingen wird, ihren Stuhl aufzunehmen und zu den Stuhltransportern links von mir und vor mir zu tragen. Derweil wird Herr Ministerpräsident mit seinen Ehrengästen die Ausstellung eröffnen und Sie haben nach erfolgtem Stuhltransport ausreichend Zeit, ihm zu folgen oder auf das Auftragen der Speisen, das umgehend erfolgen wird, zu warten.

Wie Sie sich auch entscheiden, ich wünsche Ihnen viel Freude im Haus der Bayerischen Geschichte an unserer neuen Landesausstellung, bleiben Sie uns treu, ois Guade, Servus und Pfjad Gott.

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