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Neugestaltung der Ausstellung in der KZ -Gedenkstätte Dachau

Erscheinungsdatum: 03.05.2002

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Am 3. Mai 2002, wenige Tage nach dem Jahrestag der Befreiung des KZ Dachau am
29. April 1945 wird der erste Abschnitt der neuen Dauerausstellung zur Geschichte des KZ Dachau und seiner Außenlager durch Frau Staatsministerin Monika Hohlmeier eröffnet.
Nach der Einrichtung der Spezialausstellung im „Bunker", dem Gefängnis des ehemaligen Konzentrationslagers, ist nun mit der Dokumentation der Geschichte des Lagers bis 1941/42 ein weiterer Schritt bei der Neugestaltung der KZ-Gedenkstätte getan.
Mit der Fertigstellung des zweiten Abschnitts der Hauptausstellung im Januar 2003, einer neuen Teilausstellung im ehemaligen Krematorium, einer Kunstausstellung und der Erschließung des Geländes durch Informationstafeln wird die Neugestaltung der Gedenkstätte abgeschlossen werden.
1995, 30 Jahre nach der Errichtung der Gedenkstätte und der ersten Ausstellung, hatte das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus, Wissenschaft und Kunst einen wissenschaftlichen Fachbeirat unter der Leitung von Prof. Dr. Wolfgang Benz (Berlin) mit der Erarbeitung von Empfehlungen für die Neugestaltung beauftragt. Die Umsetzung dieser Empfehlungen und die Planung und Einrichtung der neuen Ausstellung wurde vom Haus der Bayerischen Geschichte in Abstimmung mit dem Comité International de Dachau und unter Einbeziehung der KZ-Gedenkstätte durchgeführt. Für die Baumaßnahmen war das Staatliche Hochbauamt Freising verantwortlich. Das Gesamtprojekt wurde von der Landeszentrale für Politische Bildungsarbeit verantwortet.
Den Empfehlungen des Fachbeirats folgend wurden für die neue Dauerausstellung die bisher nicht genutzten Räume im „Bunker" und im Westflügel des Wirtschaftsgebäudes einbezogen, wozu umfangreiche Sanierungsmaßnahmen nötig waren.
Außerdem wurde mit der Aufstellung von Informationstafeln auf dem Gelände begonnen und die Verlegung des Eingangs zur Gedenkstätte auf die Westseite (durch das Jourhaus) in Angriff genommen.
Aus Landes- und Bundesmitteln wurden für das Ausstellungsprojekt 2,2 Mio Euro, für die Baumaßnahmen insgesamt 4,86 Mio Euro bereitgestellt.
Der Entwurf der Gestaltung stammt von dem Architektenbüro Kleineberg & Partner sowie dem Grafikbüro Hinz & Kunst, beide aus Braunschweig.
Der jetzt eröffnete Abschnitt der neuen Hauptausstellung enthält über 800 Exponate, die in sieben Abteilungen mit ca. 80 Themen präsentiert werden. Er umfasst 1800 m2 der insgesamt fast 3000 m2 großen Ausstellungsfläche im Westflügel und Mitteltrakt des ehemaligen Wirtschaftsgebäudes und endet vor dem Filmsaal.
Die Ausstellung ist durchgehend zweisprachig - deutsch und englisch - gehalten. Den Besuchern wird zudem eine Audioführung angeboten, die Ausstellungstexte und Zusatzinformationen sowie eine Führung über das Gelände in weiteren Sprachen zu vermittelt.
In allen Abteilungen bieten „Lesemappen" Gelegenheit zur Vertiefung bestimmter Themenbereiche, außerdem kann der Besucher an Hörstationen Häftlingsberichte anhören.
Inhaltliches Konzept der neuen Hauptausstellung
Im Zentrum der Ausstellung steht das „Schicksal" der Häftlinge. Das Leitmotiv „Weg der Häftlinge" verdeutlicht ihren Weg in das Lager, ihr Leben im Lager, ihren Weg in den Tod oder in die Befreiung. Die Vorstellung der historischen Gebäude, der Räume und der Plätze, die mit dem Schicksal der Häftlinge eng verbunden sind, ist deshalb ein zentrales Element der Darstellung. Die historische Ausstellung über die Geschichte des KZ Dachau soll den Gesamtzusammenhang zeigen, in dem diese historischen Überreste stehen.
Zeichnungen und Berichte der Häftlinge erhalten in der Ausstellung einen besonderen Platz. Aus in- und ausländischen Archiven sowie aus dem Dokumentationsmaterial der KZ-Gedenkstätte Dachau wurden zahlreiche Objekte, Fotos, Filme, Zeichnungen, Dokumente etc. zusammengetragen. Das Haus der Bayerischen Geschichte hat im Rahmen seines Zeitzeugenprojektes Video-Interviews mit über 50 ehemaligen Häftlingen im In- und Ausland aufgezeichnet. Aus diesen Aufnahmen hat die Landesbildstelle in Zusammenarbeit mit der Akademie für Lehrerfortbildung in Dillingen unter dem Titel „Das KZ Dachau - Zeitzeugen berichten" eine Video-Reihe mit Beiträgen zu bestimmten Themenbereichen erstellt, die im Medienraum der neuen Ausstellung betrachtet werden können.
Der erste Abschnitt der Ausstellung ist in sieben Abteilungen gegliedert:
Abteilung 1: Allgemeine Einführung
Hier findet der Besucher eine große Karte mit den Namen der nationalsozialistischen Konzentrationslager und ihrer Außenlager im von Deutschland beherrschten Europa, außerdem eine Chronik und eine kleinere Karte der Außenlager des KZ Dachau. In einem Gruppenraum können, basierend auf Zeitzeugeninterviews, Einführungsfilme zu verschiedenen Themen vorgeführt werden.
Abteilung 2: „Wie konnte es zur nationalsozialistischen Diktatur kommen?"
Die Abteilung setzt sich knapp mit den wichtigsten Aspekten auseinander, den Chancen und Belastungen der Weimarer Demokratie, dem Aufstieg des Nationalsozialismus und der Zerstörung der Weimarer Republik. In einem Studienraum können Zusatzinformationen zum Themenbereich an PC-Stationen abgerufen werden.
Abteilung 3 - 6: Das Konzentrationslager in der Zeit von 1933-1939
Im ehemaligen „Schubraum" wird die Einlieferungsprozedur ins Lager verdeutlicht: Bilder von ziviler Existenz und Gefangenschaft werden einander gegenübergestellt, eine Vitrine enthält Reproduktionen von Fotos, Ausweisen, Notizen etc., die den Gefangenen hier abgenommen wurden, und Dokumente der Lagerbürokratie, die dies als Gefangeneneigentum verwaltete. Im Nebenraum wird ein Kurzfilm mit Zeitzeugenberichten zur Einlieferungsprozedur gezeigt.
Abteilung 3: Die Anfänge des KZ Dachau
Hier werden die Phasen der Errichtung des Lagers sowie sein weiterer Ausbau dokumentiert.
Abteilung 4: Häftlingsgruppen aus der Zeit 1933-1939
In der ehemaligen Dampfverteilungsstation werden dem Besucher die verschiedenen Häftlingsgruppen im KZ Dachau vorgestellt. Die wichtigsten Gruppen dieses Zeitraums sind politischer Gegner (vor allem Kommunisten und Sozialdemokraten), so genannte „Arbeitsscheue", Zeugen Jehovas, rückkehrende Emigranten, Homosexuelle sowie von der Polizei als „Berufsverbrecher" bezeichnete Personen. In den Jahren 1936 - 1938 wurden nach großen Verhaftungsaktionen „Bettler" und Vorbestrafte nach Dachau gebracht. Dazu kamen die rassisch verfolgten Sinti und Roma sowie politische Gegner aus dem „angeschlossenen"
Österreich und dem Sudetengebiet. Die ersten jüdischen Häftlinge waren politische Gegner, die wegen ihrer jüdischen Herkunft in besonderer Weise gedemütigt und terrorisiert wurden. 1938 wurden 1600 Juden, überwiegend aus Wien, beim Pogrom im November 1938 („Reichskristallnacht") über 11.000 Juden aus dem Westen und Süden des nunmehrigen „Großdeutschen Reichs" in das KZ Dachau verschleppt.
Abteilung 5: Das KZ Dachau unter der Befehlsgewalt der SS
Im ehemaligen Desinfektionsraum wird die Entwicklung des KZ Dachau zum Modell für das ab 1936 errichtete KZ-System dokumentiert.
Abteilung 6: Lebensbedingungen im Lager 1933 - 1939
Die Ausstellung im ehemaligen Häftlingsbad informiert zum einen ausführlich über die historische Bedeutung dieses für die Häftlinge zentralen Raums, zum andern über Themen wie die täglichen Abläufe im Lager, Appelle und Arbeit, Ernährung und Kleidung. Ausführlich wird auf die Bestrafungen eingegangen, die zum Teil in diesem Raum stattfanden. So sind hier der originale Prügelbock und eine Dokumentation zum Pfahlhängen zu sehen.
Abteilung 7: Das Konzentrationslager im Zeitraum vom Kriegsbeginn 1939 bis 1942
Im Zuge der militärischen Eroberungen kamen nun neue Gefangenengruppen ins Lager. Über 13.000 Polen wurden allein 1940 ins KZ Dachau gebracht, hinzu kamen tschechische Häftlinge, „Spanienkämpfer" aus den Internierungslagern in Frankreich und ab 1941 Geistliche, vor allem aus Polen. Die mörderischen Eigenschaften des KZ-Systems wurden nun immer deutlicher. Gefangene wurden in immer größerer Zahl mutwillig ermordet, durch schwere Arbeit entkräftet und durch Krankheiten hinweggerafft. Der Hunger gehörte zu den prägenden Erfahrungen. 1942 zählte das Lager bei einer durchschnittlichen Belegung von ca. 9.000 Gefangenen über 5.600 Tote. Fast die Hälfte von ihnen wurde Opfer der „Invalidentransporte", bei denen arbeitsunfähige oder kranke Gefangene sowie jüdische Häftlinge in der Gaskammer der „Euthanasie"-Anstalt Hartheim bei Linz ermordet wurden. Die zweite große Mordaktion war die Tötung von über 4.000 sowjetischen Kriegsgefangenen auf dem SS-Schießplatz bei Hebertshausen.

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