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Bayerische Landesausstellung 2003 in Amberg

Erscheinungsdatum: 08.05.2003

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Der Winterkönig
Friedrich V., der letzte Kurfürst aus der Oberen Pfalz
Amberg - Heidelberg - Prag - Den Haag
Das Thema der Ausstellung
Die Bayerische Landesausstellung "Der Winterkönig" im Jahr 2003 ist die erste große historische Ausstellung, die sich mit Friedrich V. (1596-1632), Kurfürst von der Pfalz und König von Böhmen, beschäftigt. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht nur er, seine Familie und seine Gegenspieler auf politischer Ebene, sondern gerade auch die Schicksale der Länder, die mit seinem Leben und seiner Herrschaft verknüpft sind. "Amberg - Heidelberg - Prag - Den Haag" im Untertitel sind zunächst Lebensstationen Friedrichs. Amberg und Heidelberg waren die Residenzen in seinen Erblanden. Nach dem Prager Fenstersturz und dem böhmischen Ständeaufstand gegen Habsburg wurde der Pfälzer zum König von Böhmen gewählt und gekrönt. Nach nur einem Jahr der Herrschaft in Prag musste er sich nach der verlorenen Schlacht am Weißen Berg (8. November 1620) seinen Gegnern, nämlich Kaiser Ferdinand II. und Herzog Maximilian von Bayern geschlagen geben. Friedrich von der Pfalz und seine Familie flüchteten zu ihren Verwandten aus dem Haus Oranien-Nassau in Den Haag. Damit verweisen diese Städte im Ausstellungstitel darauf, dass die Geschichte Bayerns und seiner Regionen nur als Ausschnitte eines europäischen Geschehens zu verstehen sind.
Die Bayerische Landesausstellung 2003 hebt die Geschichte der Oberpfalz und deren Verbundenheit mit den Entwicklungen in Böhmen hervor. So ist beispielsweise die Tatsache, dass die Oberpfalz heute zu Bayern gehört und auf eine vornehmlich katholisch geprägte Barockkultur verweisen kann, wesentlich den in dieser Ausstellung dargestellten Ereignissen zuzuschreiben. Auch das gesamte weitere Schicksal der böhmischen Länder ist nicht ohne die Kenntnis des Königtums Friedrichs und dessen Verlust bei der Schlacht am Weißen Berg 1620 zu verstehen. Die europäische Mächtekonstellation zu Beginn des 30-jährigen Krieges wird durch die Vorstellung der Verbündeten und Gegner des Pfälzer Kurfürsten deutlich.
Die Ausstellung findet in Amberg statt, in dessen Nähe Friedrich 1596 geboren wurde und wo er in der Martinskirche getauft wurde. Unter seiner kurzen Herrschaft erlebte Amberg die letzte Blütezeit als selbständige Residenz der Oberen Pfalz. Da Amberg im Zweiten Weltkrieg nicht zerstört wurde, geben viele Gebäude heute noch Zeugnis vom Aussehen der Stadt zu Zeiten Friedrichs. Im Sommer 1619 erfuhr Kurfürst Friedrich in seiner Amberger Residenz, dass die böhmischen Stände ihn zum böhmischen König erwählen wollten. Der stärkste Beförderer dieser Entscheidung, Fürst Christian von Anhalt, Statthalter der Oberpfalz, hatte vom Amberger Schloss aus seit Jahren diplomatische Fäden nach Böhmen gesponnen. Daher gehörte Amberg damals zu den wichtigsten diplomatischen Zentren Europas.
Die Umsetzung in der Ausstellung
Die Bayerische Landesausstellung 2003 wird im Stadtmuseum Amberg gezeigt. Es befindet sich im 1989 sanierten ehemaligen Baustadel der Stadt, einem Gebäude aus dem 15. und 16. Jahrhundert. Im Jahr 2002 wurde ein Erweiterungsbau errichtet, so dass mit der Landesausstellung zugleich das Museum in wesentlich veränderter Gestalt neu eröffnet werden kann. Die Ausstellungsfläche umfasst etwa 1600 m²; der Ausstellungsrundgang bezieht bewusst die abwechslungsreiche Folge historischer und moderner Architektur mit ein. Etwa 400 Ausstellungsobjekte, Inszenierungen und Multimediastationen bilden optische und akustische Erlebniseinheiten, in denen eine historische Epoche lebendig wird.
Die Ausstellung wendet sich insbesondere an deutsche und an tschechische Besucher. Damit Gäste aus Tschechien die Ausstellung mit Gewinn besuchen können, werden Texte und Führungen auch in tschechischer Sprache angeboten.
Abteilungen und zentrale Objekte

Mit der kolossalen Sandsteinstatue Kurfürst Friedrichs, die Sebastian Götz 1615 für den "Dicken Turm" des Heidelberger Schlosses geschaffen hatte, begrüßt das mit über zwei Tonnen sicher "gewichtigste" Ausstellungsobjekt die Besucher. Der Rückgriff auf die zeittypische Weltdeutung durch die Astrologie (erinnert wird hier auch an Wallenstein und Kepler) stimmt die Besucher auf einen wesentlichen Teil des Denkens der Zeit in kosmischen Zusammenhängen ein. Sofern sich keine zeitgenössischen Aufzeichnungen erhalten haben, werden eigens moderne Horoskope erstellt. Kostbare astronomische Instrumente der Zeit - darunter ein in Amsterdam 1594 gefertigter Himmelsglobus, das weltweit einzige Stück dieser Art - bilden die Schaustücke für diesen Auftakt der Ausstellung.
Friedrich von der Pfalz begegnet gleich darauf persönlich. Aus seiner Kinderzeit haben sich unter anderem ein calvinisches Gebetbuch und sogar sein Lateinübungsheft erhalten. Heute befinden sich diese Stücke in der Bibliotheca Vaticana - als Kriegsbeute wurden sie mit der berühmten Bibliotheca Palatina von Bayerns Kurfürsten Maximilian nach Rom geschenkt. Einen ersten Höhepunkt höfischen Glanzes vermittelt die Abteilung zur königlichen Hochzeit von 1613. Der 16-jährige Kurprinz Friedrich ehelichte in London die gleichaltrige Elizabeth Stuart, die Tochter des englischen Königs. Zu den prächtigen Hochzeitsfeierlichkeiten gehörte auch die Aufführung sogenannter "Masques", einer Mischform aus Schauspiel, Oper und Ballett. Aufnahmen von zeitgenössischer Musik und theatralische Inszenierungen entführen die Besucher in die Welt des englischen Hofs. Die überaus prunkvollen Überfahrten von Großbritannien auf das Festland wurden in großformatigen "Seestücken" festgehalten, wie eines auch in Amberg zu sehen sein wird.
Die Herrschaftsgebiete des jungen Kurfürstenpaares waren die territorial stark zersplitterte Unterpfalz mit dem geographischen Schwerpunkt der Residenz Heidelberg sowie das relativ homogene Gebiet der Oberen Pfalz mit der Residenz Amberg. In der Abteilung zu Heidelberg wird mit Modellen und zeitgenössischen Gemälden das Schloss und der von Friedrich V. in Auftrag gegebene "Hortus Palatinus" vorgestellt. Dieses Projekt eines neben dem Schloss im schwierigem Gelände angelegten Renaissancegartens wurde von Zeitgenossen als "achtes Weltwunder" gepriesen. In Amberg wird Jacques Fouquiéres hochrangiges Gemälde des "Hortus Palatinus" gezeigt, das eigens zur Ausstellung einer Restaurierung unterzogen wurde.
Die Obere Pfalz lieferte die finanziellen Grundlagen für den Reichtum der Kurpfalz an Rohstoffen, vor allem durch das Oberpfälzer Eisen. Die Residenz Amberg war zugleich das Zentrum einer Bergbau- und Hüttenlandschaft, deren wirtschaftliche Verbindungen insbesondere nach Böhmen sowie zu den Handels- und Gewerbestädten Regensburg und Nürnberg reichten. Die Besucher werden Eisenerz aus dem Amberger Erzberg ebenso wie das böhmische Zinn, mit dem der Amberger Reichtum eng verbunden war, "zum Anfassen" vorfinden. Ebenso wichtig wie diese materielle Basis waren die geistigen Grundlagen der Herrschaft Friedrichs: Als Calvinist führte er die protestantische Partei im Reich. Eine Abteilung stellt die Grundzüge des Calvinismus vor, unter anderem durch Abendmahlsgerät aus dem Umkreis des damaligen kurpfälzischen Hofpredigers Abraham Scultetus.
Wenn man das Territorium der Ober- und Unterpfalz mit dem Gebiet der böhmischen Länder (zu Beginn des 17. Jahrhunderts Böhmen, Mähren, Schlesien, die Ober- und die Niederlausitz) vergleicht, so erkennt man den Anspruch, der mit der Übernahme der Krone Böhmens durch Friedrich verbunden war. 1618 erschütterte eine Revolution nicht nur Böhmen, sondern auch Europa: Die böhmischen Stände entledigten sich der Statthalter des Hauses Habsburg im "Prager Fenstersturz" und gaben sich 1619 in der "Confoederatio Bohemica" eine neue Verfassung. Als ihren König wählten sie Friedrich von der Pfalz. Warum entschied sich Friedrich für das Wagnis Böhmen? In einer Black-Box-Inszenierung werden die vielfältigen Stimmen der Ratgeber laut und man kann erfahren, wie offen der Ausgang und wie schwierig die Entscheidung für den jungen Kurfürsten war.
Friedrichs und Elizabeths Einzug in Prag und die prunkvolle Krönung im Veitsdom geben die Gelegenheit, das Königspaar mit den Herrscherporträts des späteren Hofmalers Gerrit van Honthorst vorzustellen. Aus der Schatzkammer der Residenz in München wird der "böhmische Reichsapfel" Friedrichs zu sehen sein. Das Jahr der Königsherrschaft Friedrichs in Böhmen war mit kriegerischen Aktionen ausgefüllt. Trotz anfänglicher Erfolge der böhmischen Truppen waren diese schließlich den vereinigten Heeren des Kaisers Ferdinand II. und des bayerischen Herzogs Maximilian I., der auch die Truppen der katholischen Liga befehligte, nicht gewachsen. Die Schlacht am Weißen Berg am 8. November 1620 führte zu einem eindeutigen Ergebnis: Friedrich musste fliehen und Böhmen verlor seine relative Selbständigkeit. Den Schlachtverlauf selbst zeitgt das detailreiche Schlachtengemälde des Pieter Snayers, eines der herausragendsten Schlachtenmaler der Zeit.
Der Waffengang wurde von einer umfangreichen Medienkampagne um den "Winterkönig" begleitet: Zu wenigen Themen gab es in der frühen Neuzeit vergleichbar viele Flugblätter und Flugschriften wie zu den Geschehnissen um Friedrich V. Dieser "Krieg der Federn", der eine wichtige Station in der Geschichte der Massenkommunikation bedeutet, wird nicht nur mit originalen Flugblättern, sondern auch in modernen Medienstationen präsentiert.
Die Folgen der Schlacht am Weißen Berg betrafen Böhmen, die Oberpfalz und die Unterpfalz in besonderem Maße. Böhmen, Mähren und Schlesien wurden eng an das Haus Habsburg gebunden. Sachsen erhielt die Ober- und Niederlausitz. Die Unterstützer der böhmischen Ständeregierung traf ein schweres Strafgericht; viele Familien mussten das Land verlassen oder ihre Konfession wechseln. Bis heute wirken die öffentlichen Hinrichtungen auf dem Altstädter Ring in Prag 1621 als nationale Demütigung; in der Ausstellung werden originale Zeugnisse von diesen Ereignissen zu sehen sein. Eine teilweise vergleichbare Entwicklung ist auch in der Oberpfalz festzustellen, die zunächst als Pfandbesitz an Maximilian I. übergeben wurde, der sie 1628 endgültig Bayern einverleibte. Mit Hilfe der Jesuiten setzte Kurfürst Maximilian I. die Rekatholisierung des Gebietes durch. Wie gründlich man vorging, zeigt auch die Verbrennung von reformatorischer "Ketzerliteratur". In der ehemaligen Amberger Jesuitenbibliothek haben sich allerdings noch einige der "Ketzerbücher" erhalten, mit deren Hilfe hier die drei Konfessionen in drei Musterbibliotheken vorgestellt werden können. Die Neuausstattung der in calvinistischer Zeit leeren Kircheninnenräume wird durch Altarbilder, die geistliche Theaterkultur der Jesuiten durch Theaterprospekte und Theaterstücke der Jesuiten vor Augen geführt.
Zwischen 1620 und 1622 eroberten spanische und bayerische Truppen die links- bzw. rechtsrheinische Pfalz mit Heidelberg. Die Truppen des bayerischen Feldherren Tilly plünderten drei Tage lang die Stadt Heidelberg. Eindrucksvolle Spuren dieser pfälzischen Leidenszeit, die sich bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges hinzog, zeigt der erst kürzlich gehobene sogenannte Heidelberger "Tilly-Fund", der zugleich Einblicke in das Soldatenleben der damaligen Zeit gewährt. Es handelt sich um Ausgrabungen aus ehemaligen Kriegslagern, die vor der Landesausstellung in Amberg noch nie in größerem Umfang der Öffentlichkeit präsentiert wurden. Die Pfalz verlor die Kurwürde an Maximilian I. von Bayern. Dieser hatte sein Land zielstrebig zu einem innerlich gefestigten, nach außen selbständig agierenden Machtfaktor in Konkurrenz zu Habsburg werden lassen. Unterschiedlichere Herrscherfiguren als Friedrich von der Pfalz und Maximilian von Bayern sind kaum denkbar. Und doch markieren beide Protagonisten die zeittypischen "Möglichkeiten von Herrschaft". Bevor die Besucher dem "Winterkönig" ins niederländische Exil folgen, werden deshalb anhand einiger exemplarischer Objekte die Herrschaftsrepräsentation, die Kunstpolitik, die Landesherrschaft und der Frömmigkeitsstil Maximilians skizziert.
Dank seiner engen verwandtschaftlichen Beziehungen zu den Statthaltern der Niederlande - Friedrichs Mutter Louise Juliane war die Schwester des Statthalters Maurits von Oranien - sowie der konfessionellen und politischen Verbindungen fand der geächtete "Winterkönig" mit seiner Familie 1621 Aufnahme in Den Haag. Finanziell unterstützt von den Niederlanden und dem englischen Königshaus führten Friedrich und Elizabeth dort schon bald einen eindrucksvollen "Böhmischen Hof" und errichteten in Rhenen eine prächtige Sommerresidenz. In der Abteilung "Exil" soll dem Besucher vor allem ein lebendiger Eindruck des Lebensstils, den die Winterkönigsfamilie und ihr Hof in den Niederlanden pflegte, vermittelt werden. Höhepunkte der Abteilung werden dabei einige hochrangige Gemälde der niederländischen Malerei sein, die beispielhaft für die umfangreichen Kunstaufträge des Winterkönigs und der Winterkönigin stehen. Zudem sind die wenigen erhaltenen Überreste aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts abgerissenen Königshaus in Rhenen zu sehen.
Zum Abschluss des Ausstellungsrundgangs rücken die Kinder des Königspaares in den Mittelpunkt. Sechs von ihnen, deren Lebensläufe sich fast romanhaft entwickelten, werden in einzelnen kleinen Kabinetten vorgestellt. Der erstgeborene Sohn Friedrich Heinrich starb als Knabe bei einem tragischen Schiffsunglück, der in Prag geborene Rupert "the cavalier" erzielte als Admiral für England militärische und diplomatische Erfolge. Karl Ludwig konnte 1649 wieder als Kurfürst in Heidelberg einziehen. Die nach dem Gastland benannte Louise Hollandine, eine begabte Malerin, von der auch Werke in der Ausstellung vertreten sein werden, floh vom Hof ihrer Mutter, konvertierte und wurde Äbtissin. Durch Zufälligkeiten der Erbgänge wurde Sophie schließlich Stammmutter des englischen Königshauses Hannover. Ganz am Schluss tritt in einem Epilog nochmals die Familie des Winterkönigs in ihrer Gesamtheit in einem großformatigen Gemälde des Hofmalers Honthorst auf - eine Familie, die den politisch so erfolglosen König Friedrich in seinen Nachkommen zu einem der Stammväter verschiedener europäischer Herrscherhäuser machen sollte.
Bayerische Landesausstellung 2003

Der Winterkönig
Friedrich V., Der letzte Kurfürst aus der Oberen Pfalz
Amberg - Heidelberg - Prag - Den Haag
Eine Ausstellung des Hauses der Bayerischen Geschichte in
Zusammenarbeit mit der Stadt Amberg
9. Mai bis 2. November 2003
Täglich 9.30 bis 18.00 Uhr

Ausstellungsort:
Stadtmuseum Amberg

Eintrittspreise:
Erwachsene: 5, - Euro
ermäßigt (Gruppen ab 15 Personen, Schüler, Studenten, Arbeitslose ...): 3,50 Euro
Familienkarte: 11,- Euro
Schulklassen/ pro Schüler: 1,- Euro

Führung pro Person 2,- Euro + Eintrittspreis
gebuchte Gruppenführung bis 15 Personen: 30,- Euro + Eintrittspreis

Führungsanmeldungen:
Telefon: 09621 / 10-876
Telefax: 09621 / 10-879
Informationen:
Haus der Bayerischen Geschichte
Postfach 10 17 51, D-86007 Augsburg
Tel. (0821) 3295-123; Fax (0821) 3295-220
E-Mail: pressestelle@hdbg.bayern.de
Internet: http://www.winterkoenig.de

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