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Tatort Kloster: Fälschungen im Mittelalter

Untertitel: Burghausen stellt berühmte Fälschungen aus
Erscheinungsdatum: 13.08.2012

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Gefälschte Urkunde: Henricianum © Österreichisches Staatsarchiv, Haus,- Hof- und Staatsarchiv Wien [Speichern]

 

Bayerisch-Oberösterreichische Landesausstellung 2012
„Verbündet – Verfeindet – Verschwägert. Bayern und Österreich“
 
Tatort Kloster: Fälschungen im Mittelalter
 
Im mittelalterlichen Kloster wurde nicht nur gebetet und gearbeitet – sondern auch Urkundenfälschung betrieben. Was heute als Straftat mit Geldbuße oder bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe geahndet wird, war im Mittelalter weit verbreitet, meist in guter Absicht, um althergebrachtes Recht gegen Usurpatoren zu sichern, manchmal aber auch in fürstlichem Auftrag. Dem Habsburger Herzog Rudolf IV. von Österreich beispielsweise ging es um Macht und Herrschaftsansprüche, Reichtum und Land. Die Klöster spielten zu der Zeit eine zentrale Rolle: Sie galten als Hort des Wissens und des Schreibens. In einer kriegerischen und analphabetischen Welt oblag es den Mönchen, antike und theologische Schriften zu bewahren und zu kopieren, mit Annalen und Chroniken die Welt zu deuten und in Nekrologien der Toten zu gedenken. Damals erfüllten Klöster auch die Funktion unserer heutigen Notariatskanzleien, indem sie akribisch Herrschaftsrechte und Besitzstandsverzeichnisse dokumentierten oder eben Besitzansprüche fingierten.
 
In manchen Fällen fälschte man ganze Urkundenkomplexe, in anderen wurden nur einzelne Wörter vom Pergament „rasiert“, vieles blieb unentdeckt. Erst im frühen 19. Jahrhundert, als in der Gelehrtenwelt die Mittelalterbegeisterung ausbrach, begann man mit der Edition von Urkunden – ein Langzeitprojekt, das noch lange nicht abgeschlossen ist, aber für viele Überraschungen sorgt. Als Professor Theo Kölzer vor einigen Jahren Urkunden der Merowinger veröffentlichte, stellte er fest, dass zwei Drittel der insgesamt 193 Dokumente gefälscht sein dürften. Viel Arbeit für die historischen Hilfswissenschaften, die die Echtheit von Schriften untersuchen. Die Methoden, mit denen immer mehr Urkunden als Fälschungen enttarnt werden, erinnern an einen Krimi: Tinte, Siegelwachs, Papyrus oder Pergament werden im Labor analysiert, Wortwahl, Sprache und Schreibstil mit anderen Quellen aus der Zeit verglichen.
 
Wohl eine der berühmtesten und kühnsten Fälschungsaktionen des Mittelalters wird in der Landesausstellung in Burghausen thematisiert. Das Privilegium Maius von 1359 ist eine erweiterte Fassung des rund zweihundert Jahre zuvor erlassenen Privilegium Minus,  mit dem Österreich von Bayern abgetrennt und zum Herzogtum erhoben wurde. Das Privilegium Minus von 1156 wurde kurzerhand zerstört und seine Goldbulle an das neue, handwerklich sehr geschickt und kunstfertig gefälschte Dokument angefügt. Der Auftraggeber der großen Fälschungsaktion war der ehrgeizige Habsburger Herzog Rudolf IV. von Österreich.
 
Anlass war die „Goldene Bulle“, ein Verfassungsdokument, in dem Karl IV. 1356 die Kaiserwahl verbindlich regeln wollte, die mächtigen Habsburger aber nicht erwähnte. Rudolf IV. fühlte sich übergangen und wehrte sich mit dem „Privilegium Maius“. Das Dokument liest sich wie eine Wunschliste Rudolfs und sollte seine Macht stärken. Außerdem erfand er eine neue Bezeichnung für die Habsburger, den Erzherzog. Allerdings musste Rudolf um die rechtliche Anerkennung durch den Kaiser bangen, zumal er es mit der Erfindung von Briefen Julius Caesars und Kaiser Neros übertrieben hatte. Kaiser Karl IV., der den Rat des Humanisten Petrarca eingeholt hatte, verweigerte deshalb die Bestätigung. Petrarca bezeichnete die Fälschung als „ein Werk von Eseln“. Nichtsdestotrotz: Ihr Ziel erreichten die Habsburger knapp 100 Jahre später, als der habsburgische Kaiser Friedrich III. den Inhalt der so genannten „österreichischen Freiheitsbriefe“ im vollen Maße reichsrechtlich bestätigte.
 
In der Landesausstellung in Burghausen sind noch bis 4. November berühmte Fälschungen zu sehen, darunter das bemerkenswerte Henricianum, das erst seit Anfang August ausgestellt wird.
 
Veranstalter:
Haus der Bayerischen Geschichte und Stadt Burghausen
in Zusammenarbeit mit der
Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen
 
 
Bayerisch-Oberösterreichische Landesausstellung 2012
Verbündet – Verfeindet – Verschwägert. Bayern und Österreich
27. April bis 04.November 2012, täglich von 9 bis 18 Uhr
Burg Burghausen – Kloster Ranshofen (Braunau) – Schloss Mattighofen

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