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Bayerisch-Oberösterreichische Landesausstellung

Untertitel: Die eingeschlossene Poetin - Frau Ava, die erste deutschsprachige Dichterin
Erscheinungsdatum: 20.03.2012

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 Als „Ava inclusa“ steht sie in den Nekrologien: Am 7. Februar 1127 ist die erste namentlich bekannte deutschsprachige Dichterin gestorben, eingeschlossen in einen Turm, abgewandt von der Welt. Da war sie in ihrer Heimat im Raum Niederösterreich vermutlich schon berühmt, schließlich taucht ihr Todestag in mehreren Klosterchroniken auf. Fünf epische Gedichte hat sie hinterlassen, insgesamt 3400 Verse. Das Besondere daran: Zum ersten Mal lassen sich Gedichte in deutscher Sprache eindeutig einem Verfasser zuordnen. Nachnamen waren zu dieser Zeit noch nicht üblich, so bleibt die Schriftstellerin als Frau Ava bekannt.

 
Ihre Werke tragen Titel wie „Das Leben Jesu“ oder „Die sieben Gaben des Heiligen Geistes“. Ganz zeittypisch lassen „Der Antichrist“ und „Das Jüngste Gericht“ die Ängste des hochmittelalterlichen Menschen vor dem bevorstehenden Weltenende und dem letzten Weltengericht erkennen. Die tiefe Frömmigkeit hat auch ihr Leben geprägt: Frau Ava starb als „inclusa“. Vermutlich nach dem Tod ihres Mannes wählte die Dichterin den gottgefälligen Weg in die Abgeschiedenheit. Die sogenannten Inklusen führten ein mönchisch-asketisches Leben, jedoch ohne dabei einer Klostergemeinschaft mit ihren festen Regeln anzugehören. Manche Inklusen ließen sich in ihrem religiösen Eifer lebendig einmauern, wobei der einzige Kontakt zur Außenwelt eine Luke war, über die man Essen reichte.
 
Die wenigen biografischen Details, die heute noch von Frau Ava bekannt sind, verraten uns ihre Werke. Zwei Söhne, die der Mutter mit ihrem theologischen Sachverstand zur Seite standen, werden im Epilog ihres Gedichts über das „Jüngste Gericht“ genannt. Auch wenn die Söhne möglicherweise die Texte theologisch unterfüttert hatten, attestieren die Literaturwissenschaftler Frau Ava ein gewisses Maß an theologischer Bildung und Lateinkundigkeit. Vor allem jedoch die Erzählfreudigkeit, aber auch der pragmatische Zugriff auf religiöse Inhalte lassen das „Lexikon des Mittelalters“ resümieren: „Eine welterfahrene, von der religiösen Laienbewegung geprägte Frau gibt in deutschen Gedichten einem ratsuchenden Laienpublikum geistliche Lebensorientierung.“ Das Leben und Wirken von Frau Ava wird in der Bayerisch-Oberösterreichischen Landesausstellung auf der Burg zu Burghausen thematisiert.

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