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Passionsspiele
„Hört, sehet, weint und liebt!“ Mit dieser Aufforderung aus der „Passio Nova“ von 1750, die der Ettaler Benediktinerpater Ferdinand Rosner für das Oberammergauer Passionsspiel verfasste, hat das Haus der Bayerischen Geschichte im Jahr 1990 eine Ausstellung betitelt, die sich den „Passionsspielen im alpenländischen Raum“ widmete. In diesem Zusammenhang wurde auch eine Dokumentation aller geistlichen, Karfreitags-, Ölberg-, Oster- und Passionsspiele sowie der Prozessionen und Spielprozessionen erstellt. Manfred Knedlik hat diesen Datenbestand überarbeitet und auf neuen Stand gebracht. (Der Ausstellungskatalog ist in unserem Online-Shop zum Preis von 7,50 + Versand erhältlich.)
Die besonders reichhaltige Tradition der geistlichen Schauspiele, wie sie sich im Mittelalter entwickelt haben, reicht in unserem Gebiet bis weit in die Barockzeit, als in vielen kleineren Gemeinden die Passion noch gespielt wurde, während sie anderenorts im Zuge der Reformation abgeschafft wurde und längst der Vergangenheit angehörte. Eine Art Wiederbelebung lässt sich auch in jüngerer und jüngster Zeit feststellen. Ausgangspunkt und Referenzepunkt dafür ist und bleibt Oberammergau, der Ort, der weltweit mit der Assoziation „Passionsspiel“ verbunden ist. Dabei stellt Oberammergau, wo man seit 1634 „den Passion“ aufführt, wie es ursprünglich heißt, einen in vielerlei Hinsicht untypischen Fall dar. Das Oberammergauer Spiel geht, anders als die geistlichen Spiele, auf ein Gelübde zurück und es weist eine einmalige Kontinuität auf, die zusammen mit der soliden Organisation und dem hingebungsvollen Spiel alle zehn Jahre ein Millionenpublikum anzieht.
Das Internetportal soll aber auch und insbesondere die zahlreichen Spielinitiativen dokumentieren, die in Bayern Jahr für Jahr in diesem Themenbereich stattfinden. Dazu sind wir auf Ihre Hilfe angewiesen. Wenn Sie Informationen zu einzelnen Spielorten, Aufführungszeiten, Fotografien verfügen, wären wir dankbar, wenn Sie uns diese zur Verfügung stellen könnten. Bitte wenden Sie sich unter dem Stichwort „Internetportal „Passionsspiele“ per E-Mail an uns: poststelle@hdbg.bayern.de
Für die Zukunft ist ein Ausbau des Portals geplant, der dann nicht nur die geistlichen Spiele umfassen soll, sondern die in der heutigen Theaterlandschaft (auf)blühenden historischen Schauspiele, die Jahr für Jahr historisch Interessierte, traditionsbewusste und spielfreudige Theaterenthusiasten auf und vor Bühnen, Festwiesen, Marktplätze locken. Auch in diesem Themenbereich sind wir für Hinweise und Materialien dankbar.
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