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Prinzregent Luitpold

 

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Kunst und Kultur in der Zeit Prinzregent Luitpolds

Bildnis Richard Wagners mit Samtbarett im Viertelprofil Briefmarke „Zu Richard Wagner’s 100. Geburtstag“
Das Reiterstandbild Prinzregent Luitpolds in München Der Simplicissimus
Die Jugend Jubiläumspostkarte zum 100. Geburtstag von Richard Wagner 1913
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Thomas Mann formulierte 1902 in der Novelle Gladius Dei: „München leuchtete“ – ein beredtes und bis heute viel bemühtes Zitat. Künstlerisch, kulturell und gesellschaftlich kann man von der Prinzregentenzeit durchaus als von einer Blütezeit in Bayern, besonders in München sprechen. „Die Kunst blüht, die Kunst ist an der Herrschaft“, so Thomas Mann über München. Im Gegensatz zur deutschen Politik, auf die Bayern wenig Einfluss nehmen konnte, machte die bayerische Landeshauptstadt auf diesem Gebiet der Reichshauptstadt Berlin große Konkurrenz. In Zeiten 
des technischen und wissenschaftlichen Fortschritts gegen Ende des 19. Jahrhunderts konnte die Kunst neue Perspektiven bieten. Sie war mehr und mehr von naturwissenschaftlichem Denken geprägt, das so beispielsweise den Weg hin zur abstrakten Malerei ebnete.


Künstlerisches Leben in München
In Schwabing bildete sich eine literarische Avantgarde heraus. Viele, vor allem russische und slawische Studenten kamen nach München. Unter den russischen Studenten war von 1900 bis 1905 auch Wladimir Iljitsch Uljanow, der 1917 als Lenin (1870-1924) zur Leitfigur der russischen Oktoberrevolution und zum Begründer der Sowjetunion werden sollte. Die russische Revolution vom Januar 1905, die von den zaristischen Truppen blutig niedergeschlagen wurde, fand vor allem in Gelehrten- und Intellektuellenkreisen Münchens Sympathisanten, so bei Franz von Stuck (1863-1928), Erich Mühsam (1878-1934) und Leo Trotzki (1979-1940). Letzterer erkannte in München die demokratischste und künstlerischste Stadt Deutschlands. In Schwabing lebten aber auch etablierte Künstler, hohe Beamte, Geschäftsleute und Unternehmer. Die Münchner Bohème wirkte anziehend auf viele. In Schwabing war das Kabarett „Die elf Scharfrichter“ beheimatet, das erste politische Kabarett in Deutschland, das 1901 von Otto Falckenberg (1873-1947) mitbegründet worden war. Die literarische Münchner Avantgarde gründete zahlreiche Zirkel und Gesellschaften in der ganzen Stadt. Berühmt waren der Salon des Ministers von Crailsheim oder die Cafés „Luitpold“, „Minerva“, „Stephanie“ und das Künstlerlokal „Simpl“. München entwickelte sich zu einem Zentrum der Buch- und Zeitungsproduktion. Zeitschriften wie der Simplicissimus, die Jugend, Die Gesellschaft, oder die Insel zeugen davon. Grafik und Plakatkunst waren die „neuen Medien“ des Kunstgewerbes.


Literaten
Bevorzugt in Schwabing lebten und arbeiteten auch zahlreiche Schriftsteller:

-    Lena Christ (1881-1955)

-    Wilhelm Dieß (1884-1957).

-    Ludwig Ganghofer (1855-1920)

-    Stefan George (1868-1933)

-    Max Halbe (1865-1944)

-    Paul Heyse (1830-1914)

-    Ricarda Huch (1864-1947)

-    Henrik Ibsen (1828-1906)

-    Thomas Mann (1875-1955)

-    Georg Queri (1879-1919)

-    Rainer Maria Rilke (1875-1926)

-    Josef Ruederer (1861-1915)

-    Ludwig Thoma (1867-1921)

-    Frank Wedekind (1864-1918)

-    Karl Wolfskehl (1869-1948)

Paul Heyse, der Münchner „Dichterfürst“, erhielt 1910 den Literaturnobelpreis als erster deutscher Belletristiker, Thomas Mann folgte ihm 1929.



Maler, Zeichner und Bildhauer
In München waren namhafte Maler und Zeichner ansässig:

-    Lovis Corinth (1858-1925)

-    Olaf Gulbransson (1873-1924)

-    Thomas Theodor Heine (1867-1948)

-    Wassilij Kandinsky (1866-1944)

-    Paul Klee (1879-1940)

-    Wilhelm Leibl (1844-1900)

-    Franz von Lenbach (1836-1904)

-    Leo Samberger (1861-1949)

-    August Seidel (1820-1904)

-    Max Slevogt (1868-1932).

-    Franz von Stuck (1863-1928)

-    Albert Weisgerber (1847-1921)

Für die Bildhauerei sei Adolf von Hildebrand (1847-1921) beispielgebend genannt.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts bildeten sich Künstlerkolonien, die den Malern oft über mehrere Jahre hinweg Lebens- und Arbeitsmittelpunkt wurden. Eine der bedeutendsten befand sich in Dachau, auch in Murnau und am Chiemsee entstanden Künstlerkolonien. 


Die Kunststiftung des Prinzregenten

Neben der Akademie der Bildenden Künste, deren Präsident Fritz August von Kaulbach (1850-1920) freundschaftlich mit dem Prinzregenten verbunden war, förderte Luitpold Kunst und Kunstgewerbe auch eigenständig. Der kunstsinnige Regent gründete 1891 die Prinzregent-Luitpold-Stiftung zur Förderung der Kunst, des Kunstgewerbes und des Handwerks in München durch die Vergabe von Stipendien. Die Stiftung war konservativ und unterstützte daher die Führungsrolle des künstlerischen Historismus, wohingegen neue Formen der Kunst, wie Impressionismus und Expressionismus, nicht explizit gefördert wurden.
Luitpold blieb den konservativeren Ausprägungen der Kunst zugetan. Dennoch behinderte er die Entwicklung hin zur Moderne in den Künsten nicht, ja er hängte sogar Bilder zeitgenössischer Maler in den Residenzräumen auf – ganz im Gegensatz zum deutschen Kaiser Wilhelm II., der die moderne Kunst strikt ablehnte. Ferdinand von Miller (1813-1887) sprach daher von „weitsichtiger Duldsamkeit“, die Luitpold bei der Förderung der verschiedenen Kunstrichtungen zeigte. 


Die
Münchner Secession
1892 gründeten 96 bildende Künstler um Franz von Stuck den „Verein bildender Künstler Münchens Secession e.V.“. Dieser verstand sich als Abspaltung und Protest gegen die eingeengte, konservative Kunstauffassung der Münchner Künstlergenossenschaft. Die Secession wandte sich gegen die Bevormundung der Kunst durch den staatlichen Kunstbetrieb, gegen die starke Förderung der traditionellen Kunstformen durch die Münchner Künstlergenossenschaft sowie die Prinzregent-Luitpold-Stiftung und somit gegen die konservative Ausstellungspolitik des Prinzregenten selbst. Franz von Lenbach, der prägende „Malerfürst“ der Gründerzeit, war hierbei ein Hauptziel der Kritik. Der Begriff „Secession“, also Absonderung oder Trennung, war passend gewählt. Er stand für die Befreiung und Freiheit der Kunst, eine Kulturrevolution in Musik, Literatur und Architektur. So bildeten sich europaweit Secessionen nach Münchner Vorbild. Als Dachverband in Deutschland wurde 1903 in Weimer der „Deutsche Künstlerbund“ gegründet. Schon ein Jahr nach Gründung der Münchner Secession konnte 1893 an der Prinzregentenstraße/Ecke Pilotystraße in München ein eigens errichtetes Ausstellungsgebäude eingeweiht werden, in dem die erste internationale Kunstausstellung der Secession stattfand.

Als eine Art Künstlergenossenschaft verfolgte die Münchner Secession auch wirtschaftliche Interessen und schuf eine Art soziales Künstler-Kontakt-Netzwerk. Die Weiterentwicklung des bis dahin gängigen Historismus war dabei erklärtes künstlerisches Ziel.
Nicht zuletzt die Gründung der Secession rückte München ins Blickfeld der internationalen Kunstszene. Ausländische Künstler wie Henri Matisse (1869-1954)  besuchten die Hauptstadt des Königreichs Bayern. Franz von Stuck fand in Wassilij Kandinsky und Paul Klee Schüler, die Weltruhm erlangen sollten.

Eine eigene Kunstsammlung, die „Secessionsgalerie“, wurde angelegt. Bis 1931 der Glaspalast abbrannte, wurden dort die Werke der klassischen Moderne gezeigt, so Werke von Picasso, Matisse, Rodin, Signac, Derain und Pascin. Im nationalsozialistischen Deutschland wurde die Secession im Rahmen der „Säuberung“ der Kunst 1938 aufgelöst. Nach 1945 wurde die Münchner Secession wiederbegründet, sie besteht bis heute.


Der Blaue Reiter
1906 bildete sich die Neue Künstlervereinigung München als Abspaltung der Münchner Secession unter Marianne von Werefkin (1860-1938) und dem ersten Vorsitzenden Wassilij Kandinsky. 1911 schlossen dann sich in München arbeitende deutsche und ausländische Künstler zur Gruppe Der Blaue Reiter zusammen. Die Konventionen brechend und zunehmend auch abstrakt arbeitend, entstand so ein stilprägender Kreis avantgardistischer Maler und Bildhauer. Zu den Protagonisten der Gruppe gehörte auch Franz Marc (1880-1916), zum engeren Kreis so bedeutende Künstler wie Gabriele Münter (1877-1962), Robert Delaunay (1885-1941), August Macke (1887-1914), Paul Klee (1879-1940), Alexej von Jawlensky (1865-1941) und der vor allem als Musiktheoretiker und Komponist bekannte Arnold Schönberg (1874-1951).


Der Simplicissimus
In sozial unruhigen Zeiten gründete Albert Langen (1869-1909) 1896 die literarisch-künstlerische satirische Wochenzeitschrift Simplicissimus, die zum Sprachrohr für die Kritik an den herrschenden Verhältnissen wurde. Das berühmte Erkennungszeichen, die zähnefletschende und ihre Ketten sprengende rote Bulldogge auf schwarzem Grund, hatte Hauptzeichner Thomas Theodor Heine (1867-1948) entworfen. Das Wappentier der Zeitschrift war bald Erkennungszeichen für den beißenden Spott, den Hof, Adel, höheres Militär, Großbürgertum und Geistlichkeit über sich ergehen lassen mussten.


Der Jugendstil und die 
Jugend
1896 gründete Georg Hirth (1876-1944) die Kulturzeitschrift Jugend. Zu den Autoren zählten unter anderem Thomas Mann (1875-1955), Arthur Schnitzler (1862-1931), Rainer Maria Rilke (1875-1926) oder Richard Dehmel (1863-1920), zu den wichtigsten Zeichnern der Zeitschrift gehörten Thomas Theodor Heine, Olaf Gulbransson (1873-1958) und Bruno Paul (1874-1968). Die Zeitschrift wurde, ob ihrer grafischen Gestaltung, namensgebend für eine ganze kunstgeschichtliche Ära, den Jugendstil.

Der Jugendstil entwickelte sich nach dem Vorbild des englischen Arts and Crafs Movement gleichzeitig in mehreren Ländern: So entspricht der im deutschsprachigen und nordischen Raum gängigen Bezeichnung Jugendstil die französische Art Nouveau oder das Fin du siècle, der englische Modern Style, in Österreich der (Wiener) Secessionsstil. Europäische Zentren des neuen Kunststils waren Paris, Nancy, Wien und Brüssel, im Deutschen Reich waren neben München auch Berlin, Leipzig, Karlsruhe und Darmstadt Mittelpunkte des Jugendstils. Neben der namensgebenden Jugend prägte vor allem die Kunst- und Literaturzeitung Simplicissimus den Jugendstil.

Kennzeichnend für den Jugendstil sind die floralen und geometrischen Ornamente mit geschwungenen Linien, die flächenhafte Malerei und die Stilisierung der menschlichen Gestalt. Der Jugendstil wirkte auf alle Bereiche der Künste ein, ein Schwerpunkt lag aber auf der bildenden Kunst. Die Architektur, vor allem die Innenarchitektur, erhielt neue Impulse. Im Kunstgewerbe setzte der Jugendstil besonders in der Glaskunst Akzente. In der Literatur ist der Jugendstil hingegen nicht klar von der Strömung des Symbolismus abzugrenzen, wenngleich er auch hier Einfluss, insbesondere auf die künstlerische Gestaltung von Texten und Einbänden, hatte. In der Lyrik und in Erzählungen wurde die Darstellung des Traumhaft-Symbolischen, aber auch die narzisstische Hinwendung zu Verfall und Untergang prägend. Vertreter sind neben Stefan George (1868-1933) und Rainer Maria Rilke (1875-1926) unter anderem Hugo von Hofmannsthal (1874-1929), sowie die Autoren des sogenannten „Jungen Wien“, unter ihnen Arthur Schnitzler (1862-1931).

Als bedeutendste in München tätige bildende Künstler des Jugendstils sind Richard Riemerschmid (1868-1957), Hermann Obrist (1862-1927), Martin Dülfer (1859-1942) und August Endell (1871-1925) zu nennen, ferner Carl Hocheder (1854-1917), der 1901 mit dem Müller'schen Volksbad ein Baujuwel des Jugendstils schuf.


Architektur
Der Kunstsinn des Prinzregenten bescherte München auch zahlreiche Bauten, Brunnen und Bildwerke, welche der Residenz- und Landeshauptstadt ein neues Gesicht gaben. Beispielgebend seien genannt: der Neubau des Bayerischen Nationalmuseums (1894-1900), das Hofbräuhaus (1896/1897), der Friedensengel (1899), das Prinzregententheater (1900/1901), das Armeemuseum am Hofgarten (1900-1905; im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört), das Müller'sche Volksbad (1901), der Hubertusbrunnen auf dem Platz vor dem Bayerischen Nationalmuseum an der Prinzregentenstraße (1903-1907; seit 1954 am Nymphenburger Kanal) und das von Oskar von Miller (1855-1934) gegründete Deutsche Museum (Gründung des Vereins zur Museumsschaffung 1903; Grundsteinlegung 1906; Eröffnung 1925, 13 Jahre nach Luitpolds Tod). Allerdings griff er nicht wie seine Vorgänger aktiv in die architektonische Planung ein, sondern ließ sich lediglich hierüber informieren.
Zu den wichtigsten Architekten der Zeit gehören neben den Brüderpaaren Gabriel (Ritter) von Seidl (1848-1931) (Lenbachvilla, Künstlerhaus am Lenbachplatz, Stachus-Rondell, Bayerisches Nationalmuseum, Deutsches Museum) und Emanuel von Seidl (1856-1919) (Festsaal im Deutschen Museum, Elefantenhaus im Tierpark Hellabrunn, Münchner Villen, unter anderem die Seidlvilla) sowie August Thiersch (1843-1917) (mehrere Kirchenbauten, unter anderem kath. Pfarrkirche St. Ursula in München) und Friedrich von Thiersch (1852-1921) (Justizpalast, Maximilians-, Cornelius- und Reichenbachbrücke in München) auch Georg Hauberrisser (1841-1922) (Neue Rathäuser in München und Kaufbeuren, kath. Paulskirche in München), Max Littmann (1862-1931) (Hofbräuhaus, Kammerspiele und Prinzregententheater in München, Kurtheater in Bad Kissingen), Carl Hocheder (1854-1917) (Müller’sches Volksbad und Hauptfeuerwache in München), Richard Schachner (1873-1936) (Schwabinger Krankenhaus und Großmarkthalle in München) sowie der Bildhauer Adolf von Hildebrand (1847-1921) (Hubertusbrunnen, Wittelsbacher Brunnen und Reiterstandbild Luitpolds in München).


Theater, Oper und Musik 
In München entstanden zwischen 1890 und 1901 neben dem Hof-, dem Residenz-, dem Gärtnerplatz- und dem Volkstheater drei weitere Theater: 1896 das Deutsche Theater, 1897 das Münchner Schauspielhaus und 1901 das Prinzregententheater. Die Programmschwerpunkte verlagerten sich im Hoftheater hin zum französischen Boulevardstück und zu Klassikern wie Shakespeare. Im Volkstheater standen vor allem Possen und Volksstücke auf dem Spielplan, im Schauspielhaus das moderne Drama. Die Moderne zog bereits in den 1880er-Jahren in das Residenztheater ein, wo unter anderem Werke von Henrik Ibsen (1828-1906) auf dem Programm standen.

Das Hof- und Nationaltheater, später auch das auf das Werk Richard Wagners (1813-1883) hin orientierte Prinzregententheater, setzte auf die Oper, wobei die Opernfestspiele in München großen Stellenwert einnahmen. Seit 1895 hatten Mozart-Aufführungen den Ruf der Stadt als Opernmetropole begründet. Als nach langjährigen Streitigkeiten mit Richard Wagner seit 1901 im Prinzregententheater jährlich Wagner-Inszenierungen für internationales Renommee sorgten, war München in die Liga der bedeutendsten Opernstädte weltweit aufgestiegen und der Ruf der Stadt als Kunstmetropole sicherte dem Münchner Gewerbe gute Einnahmen.
R
ichard Wagner wurde 1913 zu seinem 100. Geburtstag ein Denkmal am Prinzregentenplatz in München errichtet. In den letzten Jahren von Luitpolds Regentschaft waren in der Hofoper neben Mozart und Wagner auch zeitgenössische Werke zu hören. Der Münchner Komponist Richard Strauss (1864-1949) zog in die Hofoper ein, ebenso Hans Pfitzner (1869-1949) und Max Reger (1873-1916), auch Max Reinhardt (1873-1943) und Gustav Mahler (1860-1911) gastierten in München. Außerdem sei der österreichische Musiktheoretiker und Komponist Arnold Schönberg (1874-1951), Mitglied der Gruppe Der Blaue Reiter und Erfinder der Zwölftonmusik, erwähnt, der sich zeitweilig ebenfalls in München aufhielt.

Neben der klassischen Moderne begeisterte man sich um 1900 für die sogenannte Alte Musik. Wie in Regensburg, das über die Kirchenmusik diese Tradition immer gepflegt hatte, entwickelte sich in München eine rege Bach-Interpretation. 1910 wurde der Münchner Bachverein gegründet.
 
Seit Ende des 19. Jahrhunderts erfuhren sogenannte Volkssänger in den großen Städten regen Zuspruch – 1905 waren in München 800 Volkssänger gemeldet. Bayerische Volkssänger, wie Josef „Papa“ Geis (1840-1908), Hans Blädel (1871-1937), Xaver Terofal (1862-1940), später auch Karl Valentin (1882-1948) und der Weiß Ferdl (1883-1949), traten in Bierkellern und auf Hotelbühnen, aber auch in Singhallen und Varietés auf und unterhielten ein Publikum, das meist aus den einfacheren Bevölkerungsschichten stammte. Sie thematisierten in Gstanzln, Schnaderhüpfln und Couplets Leben und Alltag der kleinen Leute, die Sehnsucht nach Tradition und bäuerlicher Heimat in Zeiten von Industrialisierung, Verstädterung und technischem Fortschritt.