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Maximilian II.

 

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Kunst und Kultur in der Zeit Maximilians II.

Gebäude der Regierung von Oberbayern (1870) Innenansicht des Münchner Glaspalastes (1855)
Maximilianeum (um 1890) Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst (1853)
Propyläen in München (1848) „Das neue Hof- und Nationaltheater zu München“ (1825)
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Als Maximilian 1848 die Regierung übernahm, hinterließ ihm Ludwig I. noch eine ganze Reihe unvollendeter Bauprojekte. Sie wurden erst in den folgenden Jahren abgeschlossen. Dazu zählte die „Bavaria“ in München, die am 9. Oktober 1850 enthüllt wurde. Bei dieser Gelegenheit erhielt der ehemalige Monarch ein „König-Ludwig-Album“ überreicht, mit Abbildungen von Werken zeitgenössischer, von ihm geförderter Künstler.

1853 folgte die Einweihung der Ruhmeshalle, die das Ensemble auf der Theresienhöhe vervollständigte. Weiter wurden das Siegestor (1852) und die Neue Pinakothek in München (1853) eingeweiht. 1862 kamen die Propyläen am Münchner Königsplatz zum Abschluss, im Jahr darauf die Befreiungshalle in Kelheim. Maximilian hat dazu an Leo von Klenze (1784–1864), dem wichtigsten Architekten seines Vaters und Leiter der Hofbauintendanz, festgehalten.

Die nach und nach vollendeten Bauten rückten jeweils den abgedankten König Ludwig ins Rampenlicht. Vor allem schränkten sie Maximilians Handlungsfähigkeit ein, da er alles mit den Mitteln der königlichen Zivilliste bestreiten musste. Ludwig I. hatte unmittelbar vor seiner Abdankung im März 1848 Maximilian vertraglich verpflichtet, die noch nicht fertiggestellten Bauten zu finanzieren. Zudem wurde Ludwig ein halbe Million Gulden jährlich aus der Zivilliste eingeräumt.

König Maximilian II. pflegte nicht nur einen neuen Regierungsstil, der ihn von seinem Vater und Vorgänger unterschied. Er versuchte auch künstlerisch und kulturpolitisch eigene Akzente zu setzen.

Maximilians bevorzugter Architekt wurde Friedrich Bürklein (1813–1872), ein Schüler Friedrich von Gärtners (1791–1847). Bürklein, der aus Burk bei Ansbach stammte, hatte sich mit dem Bau zahlreicher öffentlicher Bauten in Bayern, darunter dem Rathaus in Fürth (1840–1844) und dem Neuen Münchner Zentralbahnhof (1847–1849), einen Namen gemacht. Neben ihm gehörten Eduard Riedel (1813–1885), August von Voit (1801–1870) und Georg Friedrich Ziebland (1800–1873) zur Riege der ersten Baumeister des Königs.

Maximilian II. dachte nicht daran, die Sammlungen etwa der Glyptothek oder der beiden Pinakotheken wesentlich zu erweitern. Die Bevölkerung nahm die Kunstschätze oft gar nicht angemessen wahr. Zudem wollte Maximilian Kosten senken. Viele Denkmalsprojekte wurden fallengelassen, bei der Anschaffung von Kunstobjekten ließ Maximilian vorzugsweise Reproduktionen anstelle der teureren Originale kaufen.

Baupolitik unter Maximilian: Der „Maximilianstil“

Große Verdienste erwarb sich Maximilian im Bereich der Kulturpflege und der Architektur. Die Bauten, die auf Maximilian zurückgehen, haben sowohl in München als auch anderswo in Bayern bleibende Spuren hinterlassen. Die Eigenart dieser Bauten wurde unter dem Begriff „Maximilianstil“ zusammengefasst – eine Verbindung von Neugotik und Historismus. Unter Ludwig I. hatte der Grundsatz gegolten, den (neu)gotischen Baustil nur auf Sakralbauten anzuwenden. Maximilian setzte sich darüber hinweg und ließ die verschiedensten Gebäude neogotisch ausgestalten.

Den Anfang machte seine eigene Residenz in München, das Kronprinzenpalais (späteres Wittelsbacher-Palais, erbaut 1843–1848). Die Entscheidung für den markanten „Spitzbogen-Stil“ traf Maximilian selbst, gegen den Rat König Ludwigs und des Architekten Friedrich von Gärtner. Die Ironie wollte es, dass Ludwig I. nach seiner Abdankung 1848 eben jenes Palais als Alterssitz beziehen musste, dessen Bauweise ihm nach wie vor missfiel.

Maximilians Vorliebe für die Gotik stammte wohl weniger aus dem viktorianischen England, das er nur ein einziges Mal bereist hat. Viel deutlicher sind die Anleihen an Burgen, wie sie im Königreich Preußen damals entstanden: die restaurierten Festen Rheinstein, Stolzenfels und Sooneck, aber auch die wiedererrichteten Anlagen in Fischbach, Erdmannsdorf oder Schildau in Schlesien.

Hohenschwangau

1829 hatte der damals 18-jährige Maximilian auf einer Fußwanderung von Füssen nach Reutte in Tirol die Burg Hohenschwangau, vormals „Burg Schwanstein“, entdeckt. Drei Jahre später erwarb er die Burgruine, die sich im Besitz des Topografen Adolf Sommer befand. In den Jahren 1832 bis 1856 wurde die Burg renoviert, erneut in gotischem Stil, jedoch mit modernsten technischen Mitteln.

Mit dem Umbau beauftragte Maximilian den Maler Domenico Quaglio (1787–1837), der auch die Verhandlungen über den Kauf geführt hatte. Nach Quaglios Tod wurde das Projekt Joseph Daniel Ohlmüller (1791–1839) übertragen, der die Anlage um einen Eckturm sowie ein neues Portal erweiterte. 1839 starb auch Ohlmüller. Um diese Zeit hielt sich Maximilian bereits des Öfteren in Hohenschwangau auf. Als neuer Architekt firmierte nun Georg Friedrich Ziebland. Er ließ die Nebengebäude um ein Stockwerk erhöhen – ein Vorhaben, das allerdings erst nach 1850 umgesetzt wurde. Die gotischen Fassadenelemente, der Zinnenkranz und die nach Entwürfen von Moritz von Schwind (1804–1871) ausgemalten Räume verliehen Schloss Hohenschwangau eine romantische Atmosphäre.

Dem Stil nach ganz ähnlich wurde 1849 bis 1851 das königliche Schloss Berg am Starnberger See durch Eduard Riedel umgebaut, ebenso wie der Bau der Königsvilla in Regensburg 1854–1856 durch Ludwig Foltz (1809–1867).

Die Maxburg in der Pfalz

1842 erhielt Maximilian anlässlich seiner Hochzeit mit Marie Friederike von Preußen das Schloss Hambach bei Neustadt a.d. Weinstraße von den Bürgern der Stadt zum Geschenk. Die Burg wurde seitdem auch als „Maxburg“ bezeichnet. Zehn Jahre zuvor war sie Schauplatz des „Hambacher Festes“ gewesen, einer Großkundgebung von Liberalen und Demokraten für Freiheitsrechte und nationale Einigung. Die damals folgenden Zwangsmaßnahmen der bayerischen Regierung und des Deutschen Bundes hatten eine tiefe Kluft zwischen den Pfälzern und ihrer Obrigkeit hinterlassen.

Wenn Maximilian nun das Schloss als Geschenk erhielt, war das eine Geste der Versöhnung zwischen Volk und künftigem Monarchen. Die „Maxburg“ war als königlicher Wohnsitz in der Pfalz gedacht. Der Kronprinz sah auch dieses Schloss für den Umbau vor. Wieder war Ziebland der Architekt, die Entwürfe stammten von August von Voit. Die Renovierung orientierte sich an derjenigen von Hohenschwangau – erneut wurden gotische Elemente eingeführt und ein Zinnenkranz aufgesetzt. Der Umbau geriet jedoch ins Stocken, besonders, seit Ludwig I. in Edenkoben einen eigenen Pfälzer Herrschaftssitz errichten ließ. 1846 wurde das Bauvorhaben von Maximilian eingestellt.

Schlossprojekt Feldafing und Roseninsel

In Feldafing wollte der König ein neues Schloss errichten lassen, und beauftragte August von Voit mit dem Bau. Es sollte in einen Landschaftspark am Seeufer eingebettet sein, den der Potsdamer Gartenarchitekt Peter Joseph Lenné (1789–1866) zusammen mit Franz Jakob Kreuter (1813–1899) entwarf. Die dem Westufer vorgelagerte Roseninsel (vormals „Insel Wörth“) erwarb der König 1850 und ließ auf ihr eine neue Gartenanlage sowie ein Kasino errichten. Das Schloss Feldafing wurde indes nicht verwirklicht, nachdem 1863 erst die Fundamente gelegt worden waren und Maximilians Sohn und Nachfolger Ludwig II. das Projekt nicht weiter verfolgte.

Stadtentwicklung in München: Maximilianstraße und Maximilianeum

Für die Haupt- und Residenzstadt München hatte Maximilian bereits lange vor seinem Regierungsantritt Pläne zu deren Erweiterung. Aus dem Jahr 1839 stammt eine Gedankenskizze mit dem Titel „Für die Verschoenerung Münchens“. Sie umriss die zentralen Bauprojekte des späteren Königs für München: Maximilianstraße und Maximilianeum. Die neue Prachtstraße sollte vom Max-Josephs-Platz südostwärts über ein Forum bis über die Isar reichen und das Lehel, die St.-Anna-Vorstadt und Haidhausen mit dem Stadtzentrum verbinden. Die Isarhöhe, auf die die neue Straße zulaufen sollte, würde zum Sitz „einer mit der Stadt unmittelbar verbundenen Akropole“.

Mit der Planung der „Neuen Straße“ wurde 1851 begonnen, ihr Bau kam 1856 zum Abschluss. Zwei Jahre später erhielt die „Maximilianstraße“ offiziell ihren Namen. Die Gebäude entlang der Straße folgten erneut dem vom König favorisierten Stil der Neogotik. Das verlieh der Straße einen einheitlichen Charakter, wie er im damaligen Deutschland seinesgleichen suchte.

Es entstanden das Gebäude der Regierung von Oberbayern (1858–1864), die Münchner Taubstummenanstalt, das Künstlerhaus, die Polytechnische Schule, erst später das neue Gebäude des Wilhelmsgymnasiums. Neben dem Regierungsgebäude erhielt das Bayerische Nationalmuseum (1859–1865) seinen Sitz – heute befindet sich darin das Museum für Völkerkunde. Auch die Privatbauten an der Maximilianstraße waren in gotischem Stil gehalten, fünf- bis sechsgeschossige Mietshäuser, zu ebener Erde mit Läden und Geschäften eingerichtet. Auch das „Hotel Zu den Vier Jahreszeiten“, erbaut 1856/57, ließ sich hier nieder. In der Münchner Sonnenstraße errichtete Friedrich Bürklein 1853–1856 eine Frauengebäranstalt, die ebenfalls als Beispiel für den „Maximilianstil“ gelten kann.

Die Stadterweiterung Münchens nach Osten wurde ergänzt durch den Ausbau der Ludwigvorstadt/Isarvorstadt. Die Baumaßnahmen trugen hier in erster Linie Privatleute. Als neues Zentrum entstand der Gärtnerplatz. Der Bau des Theaters am Gärtnerplatz, von Michael Reifenstuel 1864 fertiggestellt, wurde allerdings erst von Ludwig II. genehmigt.

Die Maximilianstraße wurde durch die Maximiliansbrücke, erbaut 1857–1864 von Arnold Zenetti (1824–1891), über die Isar hinweg verlängert. Hier sollte sie auf die „Akropole“ (Stadtburg) treffen, das Maximilianeum, dessen Bau ebenfalls 1857 begonnen wurde. Weder König Maximilian noch der Architekt Friedrich Bürklein erlebten den Abschluss des Bauwerks im Jahr 1874.

Das Maximilianeum diente zunächst als Sitz der gleichnamigen Stiftung und ihrer Zöglinge, daneben einer königlichen Pagenschule sowie einer Galerie mit monumentalen Historiengemälden. Der Bilderzyklus mit Motiven von der biblischen Antike bis zur Völkerschlacht bei Leipzig sollte sowohl den Zöglingen als auch der Öffentlichkeit als lehrreiches Bildprogramm dienen. Das entsprach dem Wunsch Maximilians nach einem „Nationalbau“ zur „Hebung des monarchischen nationalen Volksgeistes“. 1949, lange nach dem Ende der Monarchie, bezog der Bayerische Landtag einen Teil der Bauten.

Der „Maximilianstil“ kennzeichnet auch viele Einzelgebäude in München, zumal in der Türkenstraße und Amalienstraße (Maxvorstadt). Daneben entstanden allerhand öffentliche Bauten wie die Frauenklinik an der Sonnenstraße, die nach Maximilian benannte Kaserne an der Dachauer/Nymphenburger Straße, ein neues Schlachthaus sowie die Maximilian-Schrannenhalle an der Blumenstaße, erbaut von Franz Karl Muffat (1797–1868).

1857 ließ Maximilian das Innere des Cuvilliés-Theaters in der ursprünglichen Fassung wieder herrichten. Sein Vater, Ludwig I., hatte zuvor die Rokoko-Ausstattungen entfernen lassen. Das Münchner Rathaus wurde ebenfalls 1861–1864 erweitert.

Wintergarten und Glaspalast

Für den König stand bei den Neubauten weniger der formal-ästhetische als der technisch-konstruktive Aspekt im Vordergrund. Eindrucksvolle Konstruktionen aus Gusseisen und Glas sollten die neuen technischen Möglichkeiten in der Architektur sinnfällig machen. In den Jahren 1851 bis 1854 entstand auf dem Dach der Residenz – als Verbindung zwischen Hoftheater und Königsbau – ein großer Wintergarten.

Die Entwürfe stammten von Franz J. Kreuter, die Ausführung nahm August von Voit vor. Voit hatte 1853/54 ebenfalls den Münchner Glaspalast in direkter Nachbarschaft zum Karlsplatz errichtet. In Gestalt und Funktion ähnelte er dem Londoner Crystal Palace von Joseph Paxton, der 1851 zur Weltausstellung gebaut worden war. Beidemale handelte es sich um Präsentationsbauten, die dem industriellen Fortschritt Ausdruck verliehen.

Der Münchner Glaspalast war Schauplatz der „Ersten Allgemeinen deutschen Industrie-Ausstellung“ von 1854. Dem Bauwerk fiel der größte Teil des Botanischen Gartens zum Opfer, der erst 1812 von Friedrich Ludwig von Sckell (1750–1823) angelegt worden war. Auch der König hatte zuletzt Bedenken wegen des Standorts, vermochte es jedoch nicht, seine Behörden vom Baubeginn abzuhalten. Gleichwohl wurde der Glaspalast bald zu einem der beliebtesten öffentlichen Orte der Hauptstadt. Er blieb auch nach 1854 Schauplatz von Ausstellungen, Veranstaltungen und Kongressen. Von 1855 bis in die 1880er Jahre diente der Glaspalast in den Wintermonaten auch als Exerzierhalle der Münchner Garnison. 1931 fiel das Bauwerk einem Brand zum Opfer.

Das Bayerische Nationalmuseum

Neben der Baupolitik, die Geschichtsbewusstsein und Fortschrittsdenken miteinander verband, hat sich Maximilian mit seinem Programm bayerischer Kulturpflege einen Namen gemacht. Die Sicherung von Brauchtum, volkskundlicher Überlieferung und Landesgeschichte diente nach seinen Vorstellungen der „Hebung und Kräftigung des Nationalgefühls“. Sie war nicht zuletzt – wie schon unter Ludwig I. – als Vorbeugung gegen Umsturztendenzen gedacht und besaß somit einen restaurativen Grundzug.

1852 hatte der Geheime Staatsarchivar Karl Maria Freiherr von Aretin (1796–1868) im Auftrag König Maximilians die „Alterthümer und Kunstdenkmale des bayerischen Herrscherhauses“ herausgegeben. Auf dieser Grundlage empfahl Aretin 1853, „alle solche Denkmale entweder in natura oder in Nachbildungen in einem angemessenen Ausstellungsort“ zu vereinigen. Vergleichbare Museen waren bereits in London, Paris und Berlin entstanden. Zur selben Zeit unternahm Freiherr von Aufseß (1801–1872) erste Schritte zur Gründung eines Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg – ein Vorhaben, das König Maximilian als unwillkommene Konkurrenz empfand.

Maximilian folgte den Eingaben Aretins, den er mit der Leitung des künftigen Museums betraute. Aus dem anfangs so genannten Wittelsbacher Museum wurde im Laufe der Planungen des Jahres 1854 rasch ein „Bayerisches National-Museum“. Das Museum sollte Gegenstände aus dem Wittelsbacher Hausbesitz zeigen und eine Sammlung historisch oder kunsthistorisch interessanter Objekte in Bayern anlegen, die bei Neubauten keine Verwendung mehr fanden. Damit leistete das Museum auch einen Beitrag zur Denkmalpflege. Gleichzeitig sollten die Stücke als Vorlagen für Handwerker dienen.

Als Standort für das Nationalmuseum waren das Schloss Schleißheim, zeitweilig auch das Hambacher Schloss im Gespräch. Schließlich entschieden sich König und Kommission für einen Bau an der Maximilianstraße. 1859 wurde der Grundstein gelegt. Allerdings wurde das Museum erst 1867 unter Ludwig II. eröffnet. Die Wandbilder mit insgesamt 143 Fresken nahmen Münchner Historienmaler vor, die zu den Schülern Wilhelm von Kaulbachs (1805–1874) und Karl von Pilotys (1826–1886) zählten. Der Fries über dem Eingang trägt den Titel „Meinem Volk zu Ehr und Vorbild“. Gründungsdirektor Aretin starb ein Jahr nach der Eröffnung. Die Nachfolge trat der aus Aschaffenburg stammende Kunst- und Kulturhistoriker Jakob Heinrich von Hefner-Alteneck (1811–1903) an.

Das Bayerische Nationalmuseum sollte nicht nur die hohe Kunst aus allen Epochen Bayerns versammeln, sondern ebenso die Objekte der Volkskultur. Von Anfang an begann das Museum mit dem Erwerb von historischen Bauernstuben und Votivfiguren.

Volkskunde und Traditionspflege unter Maximilian II.

Neben der Pflege der bildenden Künste und der Architektur war Maximilian besonders an der Volkskultur gelegen. Der König wurde als „Volkskundler“ auf dem bayerischen Thron bezeichnet. Das damalige Programm wissenschaftlicher Forschung und Erschließung widmete sich den Volkstrachten, der Volksmusik, dem Brauchtum, der Volksdichtung und dem Volkstheater.

Volkstrachten

Die Volkstrachten hatten Maximilian spätestens seit seiner Vermählung begleitet. Wenige Tage nach der Trauung 1842 erschien auf dem Münchner Oktoberfest ein Hochzeitszug mit 35 Brautpaaren in den Trachten des Landes. 1853 erging der Befehl des Königs, „die als zweckmäßig bewährten Volkstrachten, deren Erhaltung Allerhöchstderselben sehr am Herzen liegt, [sollen] auch für die Folge gesichert bleiben.“

Hierzu sollten alle Staatsbehörden zum Tragen der Trachten anhalten, jedoch keinen Zwang ausüben. An Gemeinde- und Rathäusern sollten Abbildungen der Landestrachten zu sehen sein, Lehrer und ihre Schüler waren aufgerufen, bei der Erstkommunion oder Firmung, bei Wallfahrten, Examina und Preisverleihungen Tracht zu tragen.

Bei besonderen Anlässen wurden Trachtenanzüge an mittellose Bürger ausgeliehen, auf Landwirtschaftsfesten wurden regelmäßig Preise für Ehepaare in Tracht vergeben (was wegen zu hoher Kosten 1857 eingestellt wurde). In den Volkskalendern waren Trachtenbilder das bevorzugte Motiv. Maximilian zeigte sich als erster bayerischer König in Volkstracht. Was er trug, waren indes oft Kunsttrachten, mit denen er das bayerische Nationalgefühl ansprechen wollte.

Volksmusik

Die Volksmusik erachtete der König als geeignetes Mittel, die Identität des ländlichen Bayern zu bewahren und zugleich einen neuen, zumal staatstragenden Patriotismus zu fördern. Joseph Friedrich Lentner (1814–1852) und nach ihm Wilhelm Heinrich Riehl (1823–1897) erhielten den Auftrag, ländliche Volkslieder zu sammeln. Der Mundartdichter, Mineraloge und Erfinder Franz von Kobell (1803–1882) gab 1845–1847 das sogenannte „Königsbüchl“ heraus („Oberbayerische Lieder mit ihren Singweisen. Im Auftrag und mit Unterstützung seiner Majestät des Königs für das bayerische Gebirgsvolk“), wodurch ein Kanon an volkstümlichern Liedern für Altbayern geschaffen war.

Die Lieder waren nicht ohne politische Funktion, insofern sie revolutionären Parolen entgegenwirken sollten. Volkstümliche Melodien wurden hierzu in Militärmusik eingearbeitet, die bei Paraden, Aufmärschen und Umzügen in die Öffentlichkeit getragen wurden. Die bayerische Armee besaß seitdem ihr eigenes Liedgut, das die Identifikation mit Land und Leuten unterstrich. 1861 stellte Wilhelm Heinrich Riehl 30 Volkslieder zusammen, die eigens für die bayerischen Postillione arrangiert wurden.

Neben dem König widmete sich auch Herzog Maximilian in Bayern (1808–1888) der Volksmusikpflege. Im Volksmund galt er als der „Zithermax“. Er unterhielt einen eigenen Freundeskreis, spielte selbst Zither, sammelte Lieder und Tänze und schuf eigene Dichtungen und Kompositionen. Volksnahe Künstler wie Franz Graf von Pocci (1807–1876) oder Franz von Kobell (1803–1882) waren bei seinen „Tafelrunden“ im Münchner Stadtpalais oder auf Schloss Possenhofen häufig zu Gast.

Volkskundliche Sammlungen

Die Erforschung von Sitten und Bräuchen, Landschaften und volkstümlichen Erzählungen – von der Sage bis zum Schwank – wurde in den 1850er und 60er Jahren zu einem wissenschaftlichen Fach, das in Bayern besondere Fortschritte machte. Mit Wilhelm Heinrich Riehl erhielt ein Hesse den ersten Lehrstuhl für „Gesellschafts-Wissenschaft, Kulturgeschichte und Statistik“ an der Münchner Universität.

Riehl hat die wissenschaftliche Volkskunde in Bayern etabliert und zugleich populär gemacht. Sein Hauptwerk war die Leitung und Herausgabe der „Bavaria. Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern“ (8 Bde., 1860–1867), die erste und nach wie vor einzige umfassende Beschreibung bayerischer Volkskultur. Die Arbeiten hieran hatten bereits 1846 begonnen. Der damit befasste Joseph Friedrich Lentner war 1852 gestorben, ebenso wie der Sprachforscher Johann Andreas Schmeller (1785–1852) als kurzzeitiger Nachfolger.

König Maximilian war bei der Anlage des Sammelwerkes teils selbst federführend; vor allem unterstützte er die Publikation durch Gelder aus seiner Privatkasse, wodurch das Werk erschwinglich blieb und eine wesentlich breitere Leserschaft fand. Der König förderte auch das Sammelwerk seines Privatsekretärs Franz Xaver Schönwerth (1810–1886), „Aus der Oberpfalz. Sitten und Sagen“ (3 Bde., 1857–1859). Maximilians Kammerjunker, der aus Mannheim stammende Karl Freiherr von Leoprechting (1818–1864), veröffentlichte 1855 das Werk „Aus dem Leichrain“, eine Sammlung von Sagen und Erzählungen aus dem Gebiet zwischen Altbayern und Schwaben.

Volkstümliche Literatur in Bayern um die Jahrhundertmitte

Neben den großen, gleichsam offiziösen Sammlungen volkstümlichen Kulturguts entstand damals auch das Genre der Heimatgeschichten, Dorferzählungen, Hochland- und Jagdgeschichten. Literaten unterschiedlicher Güte nahmen populäre Stoffe auf und verarbeiteten sie zu Novellen, Romanen, Erzählungen oder Gedichten.

Ihre Werke verfassten sie entweder auf Hochdeutsch oder im Idiom der Region, von der die Geschichten handelten. Das wissenschaftliche Fundament dazu hatte der Oberpfälzer Johann Andreas Schmeller gelegt, der 1821 eine Grammatik der Mundarten Bayerns und 1827–1834 sein „Bayerisches Wörterbuch“ vorlegte.

In Altbayern und der Pfalz wurde der mit beiden Mundarten gleichermaßen vertraute Franz von Kobell zum führenden Vertreter dieser Stilrichtung. Illustriert vom Grafen Pocci, erschienen 1847 Kobells „Schnaderhüpfln und Sprüchln“. Das heute wohl berühmteste Werk Kobells, „Die G’schicht’ von’ Brandner-Kasper“, erschien 1871.

In Franken erlangten die Nürnberger Johann Wolfgang Weikert (1778–1856), Wilhelm Marx (1784–1836), Valentin Wehefritz (1790–1868) und Johann Gottlieb (1796–1856) einige Berühmtheit, ebenso der Schweinfurter Konrad Rimrod (1816–1882), Joseph Kram (1852–1874) aus Dettelbach, später auch der Würzburger Lehrer Alois Joseph Ruckert (1846–1916).

Um die schwäbische Mundart machten sich Franz Keller, der „schwäbische Kobell“ aus Günzburg (1824–1897), oder Johann Georg Scheifele (1824–1897) aus Mindelheim verdient. Beides waren Geistliche, die dem Typus des sogenannten „Mundartpfarrers“ entsprachen. Daneben machten sich viele Lehrer als schwäbische Mundartdichter einen Namen, so Hyacinth Wäckerle alias Joseph Fischer (1836–1896) aus Ziemetshausen bei Günzburg oder die aus Memmingen stammenden Johannes Müller (1784–1837) und Jakob Schmidt (1840–1886).

Volkstheater und Hoftheater

Die Pflege der Mundarten kam besonders dem Volkstheater zugute, das um die Mitte des 19. Jahrhunderts weiterhin starke Anleihen an das geistliche Volkstheater, an Passionsspiele und historische Stoffe des 17. und 18. Jahrhunderts genommen hatte. Dabei blieb das Volkstheater nicht auf den ländlichen Raum beschränkt. In München fanden die Stücke von Franz Prüller (1805–1879) und Martin E. Schleich (1827–1881) seit den 1860er Jahren ihr Publikum. Schleich schrieb nicht nur Lustspiele, sondern war von 1848 bis 1871 auch Herausgeber der politisch-satirischen Zeitschrift „Münchener Punsch“.

Das Münchner Hoftheater prägte seit 1851 der neue Intendant Franz Dingelstedt (1814–1881) aus Halsdorf bei Marburg. Ein Höhepunkt seines Wirkens war das „Gesamtgastspiel“ anlässlich der „Ersten Allgemeinen deutschen Industrie-Ausstellung“ im Münchner Glaspalast 1854. Hier wurden Werke von Lessing, Goethe, Schiller und Kleist mit den namhaftesten deutschen Schauspielern ihrer Zeit aufgeführt, in Anwesenheit vieler Monarchen aus ganz Europa.

Literatur mit königlicher Protektion

Maximilian II. förderte eine große Anzahl Schriftsteller, die Reiseberichte, Natur- und Landesbeschreibungen, historische Darstellungen oder Heimatgedichte verfassten. Darunter befand sich Melchior Meyr (1810–1871), der sich insbesondere dem Nördlinger Ries widmete. Joseph Friedrich Lentner und Ludwig Steub (1812–1888), skizzierten das bayerische Hochland und Tirol. Der in Wessobrunn aufgewachsene Franz Trautmann (1813–1887) schrieb historische Erzählungen wie etwa „Das Münchener Stadt-Büchlein“ (1858). Die Protektion des Königs genossen auch Schriftsteller wie Heinrich August Noë (1835–1896), Hermann Lingg (1820–1905), der Staatsrat Sebastian Franz von Daxenberger (Pseudonym Karl Fernau, 1809–1879), Karl von Gumppenberg (1830–1893) oder Karl Stieler (1842–1885).

Viele dieser Literaten gehörten zum weiteren Umfeld des „Münchner Dichterkreises“, der in den 1850er Jahren mit maßgeblicher Förderung des Königs entstand. Böse Zungen sprachen von einer „Dichterbewahranstalt“. Bereits als Kronprinz hatte Maximilian eine Akademie für deutsche Sprache und Literatur gründen wollen. Das Vorhaben zerschlug sich jedoch, zumal Vertraute wie Friedrich Wilhelm von Schelling (1775–1854) dem Kronprinzen davon abrieten. Nach seinem Regierungsantritt ging Maximilian gleichwohl daran, dem Literatur- und Theaterleben Münchens neue Impulse zu geben. Dazu berief er nicht zuletzt arrivierte Literaten von außerhalb Bayerns. Die Entscheidungen gingen Hand in Hand mit Maximilians Berufungspolitik im wissenschaftlichen Bereich.

Die Münchner Dichterschule

Der Münchner Dichterkreis trat vor allem bei königlichen Symposien zusammen. Maximilian II. lud nicht nur Wissenschaftler, sondern ebenso Vertreter der Künste an den Hof, um in geselligem Beisammensein zu debattieren. Letztmals überhaupt versammelte ein bayerischer Herrscher damit einen Hofstaat von Dichtern um sich. Maximilians Nachfolgern gelang es nicht mehr, an die Tradition eines höfischen „Parnassos“ (Musensitzes) anzuknüpfen.

1852 wurde Emanuel Geibel (1815–1884) aus Lübeck nach München berufen. Er erhielt eine Professur für Literatur an der Münchner Universität und wurde Kapitular des 1853 gestifteten Maximiliansordens. Ihm folgte 1854 der Berliner Paul Heyse (1830–1914). Heyse sollte 1910 als zweiter Deutscher nach Theodor Mommsen den Nobelpreis für Literatur erhalten. Auf Heyses Anregung wurde 1856 die Gesellschaft der „Krokodile“ gegründet, ein Dichterverein, der 1862 das „Münchner Dichterbuch“ veröffentlichte.

Es entwickelte sich eine Dichterschule, deren innerer Kreis neben Geibel und Heyse aus Friedrich Bodenstedt (1819–1892), dem Orientalisten Adolf Friedrich von Schack (1815–1894), dem Schweizer Lyriker und Übersetzer Heinrich Leuthold (1827–1879), dem Württemberger Wilhelm Hertz (1835–1902) und Johann Viktor von Scheffel (1826–1886) aus Karlsruhe bestand. Hinzu kamen die kultur- und bildungspolitischen Berater des Königs Wilhelm Doenniges (1814–1872) und Friedrich Wilhelm von Thiersch (1784–1860) sowie von einheimischer Seite Pocci und Kobell. Sie alle beriefen sich auf das Ideal des klassischen Ästhetizismus, in Abgrenzung zur Literatur des Jungen Deutschland und des Poetischen Realismus. Neben der Weimarer Klassik galt ihnen namentlich der Dichter August Graf von Platen (1796–1835) und seine Formenstrenge als stilistisches Vorbild.

Streit um Maximilians Kulturpolitik

Die Werke der um den König versammelten Schriftsteller waren populär und fanden in ihrer Zeit großen Absatz. Zugleich aber zogen die Literaten als gemeinsamer Kreis die öffentliche Kritik auf sich. Dass sie in der Mehrzahl nicht aus Bayern stammten, gab dem „Nordlichterstreit“ der 1850er Jahre weitere Nahrung.

Diese Kontroverse hatte sich an den Berufungen Auswärtiger auf bedeutende Professuren in Bayern und speziell in München entzündet. Auf öffentlichen Druck entließ der König 1855 seinen langjährigen kulturpolitischen Berater Wilhelm Doenniges (1814–1872). 1857 musste Dingelstedt als Hofintendant abtreten. 1861 folgte der Historiker Heinrich von Sybel (1817–1895). Das ließ die Kritiker freilich nicht verstummen. In der Presse wurde Maximilian vorgehalten, er würde auch in Sachen Literatur nur Personal „importieren“, anstatt Einheimische zu fördern. 

Welches Urteil läßt sich über den Streit im Rückblick fällen? Vordergründig schien das Wirken hochrangiger Literaten aus anderen Teilen Deutschlands und der Schweiz segensreich, da das kulturelle Niveau Münchens gehoben wurde. Seit Ende der 1840er Jahre zog die bayerische Hauptstadt immer mehr literarische Berühmtheiten an sich, die hier für einige Zeit ihr Schaffen fortsetzten. Dazu gehörten Julius Grosse (1828–1902), Friedrich Hebbel (1813–1863), Felix Dahn (1834–1912), Martin Greif (1839–1911), Moritz Carriere (1817–1895). Theodor Fontane (1819–1898) hatte König Maximilian vergeblich für eine Anstellung in Bayern gewinnen wollen.

Andererseits konzentrierte sich damit das literarische Schaffen im Königreich mehr denn je auf die Haupt- und Residenzstadt. Eine Ausnahme war etwa Oskar von Redwitz (1823–1891) aus Lichtenau bei Ansbach, der zwar als Hofkämmerer Maximilians II. amtierte, als Schriftsteller jedoch dem Münchner Dichterkreis fernblieb.

Es trifft zu, dass sich die „Berufenen“, Wissenschaftler wie Literaten, oft ausgesprochen dünkelhaft und überheblich verhielten. Entscheidend für den „Nordlichterstreit“ aber war, dass die Motive des Königs nicht verstanden wurden. Mit den als „Nordlichter“ Geschmähten sollte Bayern, das nach Gebietsumfang, Einwohnerzahl, Wirtschaftskraft und militärischer Stärke stets weit hinter Preußen und Österreich zurückblieb, immerhin wissenschaftlich und kulturell an die Spitze Deutschlands gelangen. Dass der König dazu Gelehrte, Künstler und Berater von außerhalb Bayerns berief, sahen seine Kritiker gerade als Gefahr für die Eigenständigkeit des Königreichs.

Aufs Ganze gesehen konnten die Personalentscheidungen des Königs Bayerns Kulturleben öffnen und seine Volkskultur als Gegenstand moderner Forschung sichern. Zumal diese langfristigen Erfolge haben Maximilians Kunst- und Kulturpolitik recht gegeben.