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Ludwig III.

 

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Transportkiste der Kolonialwarenhandlung „Franz Kathreiner’s Nachfolger“, München

um 1890


Holz, 26,7x45,5x34,5cm


Die Welt wird kleiner: Exotische Produkte von weit her werden in

den Kolonialwarengeschäften angeboten.

 

1870 erwarb der aus dem oberfränkischen Lichtenfels stammende Emil Wilhelm (1844 – 1919) in München eine 1829 von Franz Kathreiner (1794 – 1866) gegründete kleine Kolonial- und Farbwarenhandlung. Seit seinem sechsten Lebensjahr  Vollwaise, hatte Wilhelm sich mit 26 Jahren zum selbstständigen Kaufmann emporgearbeitet. Unter der Firmierung „Franz Kathreiner’s Nachfolger“ führte er das Einzelhandelsgeschäft mit anfänglich drei Beschäftigten fort, erweiterte es aber  sogleich um einen Großhandel mit Kolonialwaren. Die Einführung der Gewerbefreiheit in Bayern 1868 bewirkte in der  Branche eine starke Vermehrung der Detailgeschäfte und bot deshalb einem geschäftstüchtigen Großhändler lukrative  Möglichkeiten.

1876 trat der aus Stuttgart zugezogene Kaufmann Adolf Brougier (1844 – 1934) als Kompagnon mit frischem Geld in die Firma ein. Mit der Einrichtung einer Gewürzmühle, einer Kaffeerösterei und einer Konservenfabrik erfolgte die  Ausweitung vom Handels- zum Produktionsunternehmen mit starker Expansionstendenz. Allein der Handel mit Importgütern – insbesondere mit Bohnenkaffee, Tee, Gewürzen, Südfrüchten, Reis, Kakao, Fisch- und Rauchwaren –, daneben mit  Inlandsprodukten wie Zucker, Pflanzenölen, Fettwaren, Waschartikeln, Kerzen, Schokolade, Wein und Spirituosen aller Art verzehnfachte sich zwischen 1877 und 1888. Die Zahl der Beschäftigten stieg auf über 90. Vor dem Ersten Weltkrieg  schließlich galt das Unternehmen als größtes Geschäft der Kolonialwarenbranche in Deutschland.

 

(Richard Winkler)

 

Literatur:

Glaser, Angelika: Münchner Wirtschaftsbürgertum. Der Großhändler Adolph Brougier (1844 – 1934) und seine Autobiographie, München 2006;  Kathreiner 1829 – 1979. Ein Blick in die Firmengeschichte, München 1979; Winkler, Richard: Vom Waisenkind zum Wirtschaftskapitän. Emil Wilhelm aus Lichtenfels (1844 – 1919), in: Vom Main zum Jura 13 (2004), S. 122 – 139.

Beleg:

Götterdämmerung. König Ludwig II. und seine Zeit. Katalog zur Bayerischen Landesausstellung 2011, Schloss Herrenchiemsee, 14. Mai bis 16. Oktober 2011. Hrsg. von Peter Wolf, Richard Loibl und Evamaria Brockhoff, Augsburg 2011, S. 205.

Künstler, Ersteller / Fotograf: unbekannt; Fotograf: Philipp Mansmann, München
Lageort: München, Bayerisches Wirtschaftsarchiv (F 68, 333)
Copyright: Haus der Bayerischen Geschichte, Augsburg