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Prinzregent Luitpold

 

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Karte: Die Territorien der Wittelsbacher 1777

1777

 

Bis zum Tod des bayerischen Kurfürsten Max III. Joseph (1727-1777), der auch als der Vielgeliebte bezeichnet wurde, am 30. Dezember 1777, war das Haus Wittelsbach in eine bayerische Hauptlinie (die sog. Ludowizische Linie) und eine pfälzische Hauptlinie (die sog. Rudolfinische Linie) getrennt. Ferner bestand seit 1444 mit dem kleinen Herzogtum Pfalz-Zweibrücken eine wittelsbachische Nebenlinie, an die schließlich durch mehrere Erbgänge der gesamte Familienbesitz fallen sollte. 
(Vgl.: Karte: Die Territorien der Wittelsbacher 1777)

Im Hausvertrag von Pavia 1329 hatten Kaiser Ludwig der Bayer und sein Bruder Rudolf die territoriale Aufteilung der wittelsbachischen Besitzungen vereinbart. Ludwig IV. und seine Nachkommen erhielten Oberbayern und später dazu noch Niederbayern, Rudolf die Rheinpfalz und die obere Pfalz. Zusätzlich legten die Brüder fest, dass sich ihre Familien beim Aussterben einer Linie im Mannesstamm gegenseitig beerben sollten. Dieser Erbfall trat 1777 ein, als der bayerische Kurfürst Max III. Joseph ohne männliche Erben starb.

In gesonderten Hausverträgen (1766, 1771, 1774) hatten die kurbayerischen und die kurpfälzischen Wittelsbacher den Hausvertrag von Pavia noch einmal bestätigt. Seit dem Vertrag von 1766 galt Kurpfalz-Bayern als Gesamtbesitz des Hauses Wittelsbach. Hier trat 1777 der pfälzische Kurfürst Karl Theodor (1724-1799), der auch über die Herzogtümer Jülich, Berg, Neuburg und Sulzbach herrschte, sein Erbe an. Seine Residenz musste er ebenfalls gemäß den Hausverträgen in München nehmen, seinen bisherigen Sitz in Mannheim verlassen. Damit waren die wichtigsten wittelsbachischen Territorien erstmals seit 1329 wieder vereint.

Auch der unbeliebte Karl Theodor starb ohne legitime männliche Nachkommen. Mit seinem Tod am 16. Februar 1799 traten die Vereinbarungen aus dem Hausvertrag von 1774 in Kraft. Dort war die wittelsbachische Linie Pfalz-Zweibrücken als Nachfolger anerkannt und im Frieden von Teschen 1779 noch einmal ausdrücklich bestätigt worden. Im März 1799 konnte somit Maximilian Joseph (1756-1825), als Kurfürst Max IV. Joseph, die Regierung in München übernehmen. Bis zum Ende der Monarchie in Bayern, 1918, entstammten die künftigen bayerischen Regenten der einstigen Nebenlinie Pfalz-Zweibrücken.

Infolge der Siege Frankreichs im Zweiten Koalitionskrieg gegen Österreich und Bayern gingen dem neuen Kurfürsten Max IV. Joseph die linksrheinische Kurpfalz und Jülich verloren. Dies bestätigte der Frieden von Lunéville vom 9. Februar 1801. Die im Vertrag von Lunéville vorgesehenen Entschädigungen wurden im Reichsdeputationshauptschluss vom 25. Februar 1803 realisiert. Bayern gewann durch die Säkularisierung geistlicher Herrschaften und die Mediatisierung von Reichsstädten weite Teile von Franken und Schwaben. Allerdings musste es die rechtsrheinische Pfalz mit Heidelberg und Mannheim an Baden abtreten.
 


Es erhielt im Einzelnen:

-    6 Hochstifte: Augsburg, Bamberg, Freising und Würzburg sowie Eichstätt (teilweise) und Passau (teilweise)

-    13 Reichsabteien / Fürststifte: Ebrach, Elchingen, Irsee, Kaisheim, Kempten, Ottobeuren, Roggenburg, Söflingen (Ulm), St. Ulrich und Afra in Augsburg, Ursberg, Waldsassen, Wengen (Ulm) und Wettenhausen

-    15 Reichsstädte: Rothenburg, Weißenburg, Windsheim, Dinkelsbühl, Schweinfurt, Nördlingen, Memmingen, Kaufbeuren, Kempten, Leutkirch, Ulm, Bopfingen, Buchhorn [= Friedrichshafen], Wangen und Ravensburg

-    2 Reichsdörfer: Gochsheim, Sennfeld 


In dem Zeitraum von 1801 bis 1803 standen den bayerischen Verlusten von 200 Quadratmeilen (= ca. 11.000 km²) mit 730.000 Einwohnern Gewinne von 288 Quadratmeilen (= ca. 15.840 km²) mit 843.000 Bewohnern gegenüber. Im Vergleich zu den übrigen entschädigten Fürsten (z.B. Preußen, Württemberg, Baden) waren die Kompensationen Bayerns gemessen an seinen Abtretungen eher bescheiden ausgefallen. So übertrafen bei Württemberg die Gewinne die Verluste um das vierfache, bei Baden sogar um mehr als das siebenfache. Zudem verfügte Bayern noch nicht über ein geschlossenes Territorium, da zu den fränkischen Gebieten keine Landverbindung bestand. 

Seit dem Vertrag von Bogenhausen vom 25. August 1805 war Bayern Napoleons Verbündeter. Aufgrund der militärischen Erfolge des französischen Kaisers im Dritten Koalitionskrieg stand Bayern auf der Seite der Sieger und konnte daher große territoriale Gewinne für sich verbuchen.

Die umfangreichen Gebietsveränderungen zwischen Bayern, Preußen, Frankreich und Habsburg wurden in den Verträgen von Brünn (10. Dezember 1805) und Pressburg (26. Dezember 1805) festgelegt.

Die habsburgischen Territorien Burgau, Tettnang, Vorarlberg, Tirol mit den Fürstbistümern Brixen und Trient fielen an Bayern, der Habsburger Großherzog Ferdinand von Toskana erhielt Würzburg von Bayern.

Preußen, das das Kurfürstentum Hannover bekam, trat Ansbach an Bayern ab. Das bayerische Herzogtum Berg fiel an Napoleon. Ferner konnte sich Bayern die Grafschaft Königsegg-Rothenfels, die Reichsstadt Augsburg, das Fürstentum Lindau und die schwäbischen Besitzungen des Deutsch- und Johanniterordens einverleiben.

Durch die Rheinbundakte vom 12. Juli 1806, in der 16 Reichsstände aus dem Alten Reich ausschieden und sich der Schutzherrschaft Napoleons unterstellten, erhielt Bayern folgende Gebiete:

-    5 Fürstentümer: Schwarzenberg, Hohenlohe, Oettingen, Fugger, Thurn und Taxis

-    den Besitz von 9 Grafenhäusern: Castell, Pappenheim, Schönborn, Waldbott-Bassenheim (in Buxheim), Oettingen, Sinzendorf (in Niederrieden), Stadion (in Thannhausen), Ortenburg, Lobkowitz-Sternstein

-    die Reichsstadt Nürnberg

-    7 Deutschordenskommenden: Ellingen, Münnerstadt, Nürnberg, Oettingen, Rohr, Virnsberg, Waldstetten

-    zahlreiche Reichsritterschaften


Bayern hatte jetzt erstmals ein geschlossenes Territorium und war durch Napoleons Erfolge zum größten Mittelstaat des zerfallenen Alten Reichs aufgestiegen. Seine bedeutenden Gebietsgewinne waren vor allem auf Kosten der Habsburger erfolgt. Dies war von Napoleon beabsichtigt, um Bayern dauerhaft an Frankreich zu binden. Sollte sich Napoleons Kriegsglück wenden, so war die Existenz Bayerns vor allem durch die Rache- und Expansionsgelüste Österreichs gefährdet. Zwischen 1803 und 1808 konnte Bayern seine Einwohnerzahl von ca. 2,3 auf 3,2 Millionen steigern.
(Vgl.: Karte: Bayern 1808)

Aufgrund seines 1805 geschlossenen Bündnisses mit Napoleon profitierte Bayern auch weiterhin von dessen militärischen Erfolgen gegen die übrigen europäischen Großmächte im Vierten und Fünften Koalitionskrieg.

Durch den Pariser Vertrag vom 28. Februar 1810 kam das Fürstentum Bayreuth an das Königreich Bayern. Napoleon hatte dieses im Vertrag von Tilsit am 9. Juli 1807 dem unterlegenen Preußen abgenommen. Auf dem Erfurter Fürstentag im Herbst 1808 war es vom französischen Kaiser dem bayerischen König Max I. Joseph zum Kauf angeboten worden. Für die ungeheuere Summe von 23 Millionen Francs sie entsprach fast der Jahreseinnahme des bayerischen Staats  wechselte das Fürstentum schließlich den Besitzer. Ferner fielen Regensburg, das bis dahin unter der Herrschaft Dalbergs, des Fürstprimas des Rheinbundes, gestanden hatte sowie die habsburgischen Gebiete Salzburg, Berchtesgaden, Innviertel und Teile des Hausruckviertels an Bayern.

Das Trentino musste an das Königreich Italien abgegeben werden, verschiedene kleinere Gebiete (u.a. Ulm, Ravensburg, Crailsheim) an das Königreich Württemberg. Trotz dieser Abtretungen stieg die Bevölkerungszahl Bayerns von ca. 3,2 Millionen im Jahr 1806 auf 3,45 Millionen zwei Jahre später.
(Vgl.: Karte: Bayern 1810)

Nach der verheerenden Niederlage Napoleons im Russlandfeldzug 1812, an dem auch bayerische Truppen teilgenommen hatten, vollzog Bayern langsam und geheim den Bündniswechsel. Gerade noch rechtzeitig vor der Völkerschlacht von Leipzig trat das Königreich im Vertrag von Ried im Oktober 1813 auf die Seite der Napoleongegner. Durch diesen Seitenwechsel konnte Bayern gegenüber Österreich seine staatliche Existenz sichern und seinen Besitzstand weitgehend wahren.

Im Juni 1814 wurden durch die Pariser Konvention Vorarlberg und Tirol von Bayern an Österreich abgetreten. Im Gegenzug dafür erhielt Bayern Aschaffenburg und Würzburg.Die letzte Änderung der bayerischen Grenzen, die sich aus den Turbulenzen der napoleonischen Epoche ergab, erfolgte im Münchner Vertrag vom 14. April 1816. Österreich erhielt von Bayern das salzburgische Gebiet rechts der Salzach; Bayern bekam das Amt Redwitz, Hammelburg, Brückenau, Weyers und vor allem die neu geschaffene Rheinpfalz. Die rechtsrheinischen Gebiete der alten Rheinpfalz konnten trotz österreichischer Absichtserklärungen nicht zurück gewonnen werden. Damit bestand Bayern bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs aus zwei zusammenhängenden territorialen Blöcken.
(Vgl.: Karte: Bayern 1816)

Aus den territorialen Veränderungen, die Bayern während der Napoleonischen Epoche erfuhr, kann man eine Erfolgsbilanz ziehen: es war ein geschlossenes bayerisches Staatsgebiet entstanden. Während die Landgewinne in Franken und Schwaben gehalten werden konnten, gingen die habsburgischen Gebiete weitgehend wieder verloren. Bayerns Territorium wuchs von 61 000 km² auf 75 000 km².

Die Bevölkerung Bayerns verdoppelte sich zwischen 1799 und 1816 nahezu: Sie wuchs von ca. 1,9 Millionen auf ungefähr 3,7 Millionen Einwohner.

Bis zum 1. Juli 1920, als der Freistaat Coburg nach einer Volksabstimmung an Bayern kam, waren nur kleinere Gebietsveränderungen zu verzeichnen. Infolge des verlorenen Krieges an der Seite Österreichs gegen Preußen waren 1866 die Bezirksämter Gersfeld und Orb an Preußen gefallen. Nach dem 2. Weltkrieg ging die Rheinpfalz verloren; sie wurde kurz darauf Teil des neu gegründeten Landes Rheinland-Pfalz. Seitdem ist das Gebiet Bayerns mit 70.550 km² unverändert geblieben. Im Jahr 2006 leben ungefähr 12, 5 Millionen Menschen im Freistaat.
(Vgl.: Karte: Bayern 2006

Beleg:

AK Montgelas

Hartmann, Peter Claus: Bayerns Weg in die Gegenwart, Regensburg 1989.
Spindler, Max (Hg.): Handbuch der bayerischen Geschichte, Bd. IV/1 (Das neue Bayern), München 2. Auflage 2003.

Lageort: Augsburg, Haus der Bayerischen Geschichte
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