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Ludwig I.

 

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Schützenscheibe „Occupation Bayreuths durch die Preussen, am 28. Juli 1866“ (1867)

1867

Öl auf Holz, 72x72cm, Bayreuth, 01.09.1867 

Schützenscheibe der Vereinigten Schützengilde St. Georgen, Bayreuth, von 1867.

Ansicht der Bayreuther Bahnhofsstraße während der Besetzung durch die preußischen Truppen am 28. Juli 1866. Preußische Kavalerie reitet durch Bayreuth, teilweise laufen die Bayreuther Bürger davon.

Umschrift: „Occupation Bayreuths durch die Preussen | am 28. Juli 1866. | Jungkunst I. Guth II. Schützenmeister | Bayreuth den 1ten Sept 1867“.

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Am 28. Juli 1866 nachmittags rückten zwei kleine Abteilungen preußischer und mecklenburgischer Truppen in Bayreuth ein. Die Schützenscheibe zeigt eine kleine Schar Soldaten zu Pferde, denen einige Personen mehr oder minder gleichgültig zuschauen. Dennoch geriet Bayreuth in den Verdacht, die preußischen Truppen allzu freundlich begrüßt zu haben. In zwei Artikeln im „Bayreuther Tagblatt“ vom 24. und 25. Juli heißt es, dass die Bayreuther keine Veranlassung hätten die preußischen Truppen anders als freundlich zu empfangen und dass „der vollkommene Anschluß an und die Unterordnung unter Preußen erfolgen“ müsse. Der Bayreuther Magistrat distanzierte sich von diesen Artikeln. Die linksliberalen „Münchner Neuesten Nachrichten“ schrieben dennoch am 29. Juli, dass die Bayreuther Stadtväter „aus blasser Furcht vor den preußischen Zündnadelgewehren“ offenbar Sympathien für Preußen bekundeten.
Am Abend des 28. Juli folgten vier preußische Infanteriebataillone und ein Kavallerieregiment mit sechs Geschützen; gleichzeitig traf ein bayerisches Infanteriebataillon am anderen Stadtende ein. Es wurde eine kurze Waffenruhe vereinbart, damit sich die unterlegenen bayerischen Kräfte zurückziehen konnten. Am nächsten Morgen nahmen preußische Truppen die Verfolgung der bayerischen auf; es kam bei Seybothenreuth zum letzten Gefecht in diesem Krieg, wobei die bayerische Einheit fünf Tote, 63 Verwundete und 193 Gefangene zu beklagen hatte.
Am gleichen Tag, dem 29. Juli, zog das Gros der mecklenburgisch-preußischen Truppen in die Stadt ein. Nach Schilderung des Bayreuther Bürgermeisters „verhielt sich die Bevölkerung still, ja lautlos“. Die Bayreuther waren erleichtert, dass die Stadt nicht unter Kriegshandlungen zu leiden hatte, mussten aber unter dem Eindruck der preußischen Requisitionen bald umdenken. Am 12. August teilte der Regierungspräsident von Oberfranken dem Innenministerium in München mir, dass „in Oberfranken die bayerischen Sympathien vorherrschen und viele preußische Neigungen durch die Occupation abgekühlt wurden.“

(Konrad von Zwehl)

Beleg:

Bayern & Preußen & Bayerns Preußen. Schlaglichter auf eine historische Beziehung. Katalog zur Ausstellung in der Bayerischen Vertretung, Berlin, 13. Mai bis 20. Juni 1999 und zur Bayerischen Landesausstellung auf der Plassenburg, Kulmbach, 8. Juli bis 10. Oktober 1999. Hrsg. von Johannes Erichsen und Evamaria Brockhoff, Augsburg 1999 (= Veröffentlichungen zur Bayerischen Geschichte und Kultur, Nr. 41/99, hrsg. vom Haus der Bayerischen Geschichte), S. 425f.

Künstler, Ersteller / Fotograf: unbekannt
Lageort: Bayreuth, Stadtmuseum
Copyright: Digitalbild: Haus der Bayerischen Geschichte, Augsburg