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Ludwig I.

 

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Der Augsburger Augustusbrunnen: Das Hochzeitsgeschenk der Stadt Augsburg für König Ludwig II. und Herzogin Sophie Charlotte

Januar 1867

Silber, getrieben, gegossen, ziseliert, graviert, teilvergoldet, 90x86x86cm, Augsburg 1867

Nachdem Ludwig II. am 22./23. Januar 1867 seine Verlobung mit Sophie Charlotte, Herzogin in Bayern, bekannt gegeben hatte, beschloss der Augsburger Magistrat am 5. Februar 1867: „Es sey von Abfassung u. Absendung einer Adresse aus Anlaß der Verlobung Umgang zu nehmen, dagegen sey aber ein Hochzeitsgeschenk zu geben, wofür mindestens 3000 fl [Gulden] in Aussicht genommen würden“, denn man glaubte, „dass auch andere Städte solche Geschenke geben“ und befürchtete „die Unschicklichkeit, hinter diesen Städten zurückzubleiben.“ (Stadtarchiv Augsburg, Bestand 4, L 116/1).

Auf Empfehlung eines unverzüglich einberufenen Komitees entschied der Magistrat, Ludwig und Sophie einen silbernen Tafelaufsatz in Form des Augustusbrunnens zu schenken. Dieser von Hubert Gerhard geschaffene Prachtbrunnen (1588 – 1594) auf dem Augsburger Rathausplatz verweist auf die bedeutende Geschichte Augsburgs als römische Gründung und ihre Sonderstellung als Reichsstadt, die nur dem Kaiser unterstand. Die Brunnensäule bekrönt die Statue des Stadtgründers Kaiser Augustus. Das Brunnenbecken schmücken die Allegorien der wichtigsten Augsburger Flüsse, denen die Stadt ihren Wohlstand verdankte: Lech, Wertach, Singold und Brunnenbach. Der Augustusbrunnen ist Augsburgs Wahrzeichen. Seine Nachbildung als Silberbrunnen, der mit Wasser oder Wein gespeist werden konnte, war somit ein sinnreiches Geschenk. Den Auftrag dafür erhielt der renommierte Augsburger Goldschmied Magnus Unsin. Belief sich bereits sein Kostenvoranschlag auf stattliche 5000 Gulden, so gelangte er in seiner Schlussrechnung vom November 1867 auf einen Betrag von 6533 Gulden. Die Stadt zahlte ihm lediglich 5346 Gulden.  
 
Der gewaltige, auf Vorder- und Rückseite mit einer Königskrone auf einem Kissen verzierte Unterbau enthielt das heute nicht mehr vorhandene aufwändige Rohrleitungswerk. Große Schwierigkeiten bereitete zudem das Triebwerk. Auf den Bau einer Dampfmaschine durch die Maschinenfabrik Augsburg verzichtete man aus Furcht  vor einer Explosion. Stattdessen wollte man den Tischbrunnen an eine Wasserleitung im Garten der Münchner  Residenz anschließen. Nach einer Planzeichnung des Bauamts sollte der Brunnen bei seiner Überreichung auf  einem Tisch stehen, der mit einer Decke aus „14 Ellen brauner Pelluche“, die mit den Wappen, den ligierten  Initialen Ludwigs und Sophies und Posamenten geschmückt war.
 
Die Hochzeit wurde mehrfach verschoben und schließlich auf den 12. November 1867 angesetzt. Einen Monat vor diesem Termin wurde dann „die große Neuigkeit“ gemeldet, „daß die Verlobung Sr. Mj. des Königs mit Ihrer kgl. Hoh. Der Herzogin Sophie in Bayern rückgängig geworden sey …“ (Augsburger Abendzeitung Nr. 281 vom 13. 10. 1867, S. 1). Die Hochzeit wurde abgesagt. Augsburg hätte mit dem kostbaren Geschenk großen Eindruck gemacht, denn weder die finanziell klamme Residenzstadt München noch beispielsweise Nürnberg oder Regensburg planten Vergleichbares. Dort wollte man lediglich Glückwunschadressen verschicken bzw. sich an  der anlässlich der königlichen Vermählung bayernweit vorgesehenen Ausstattung minderbemittelter Brautpaare beteiligen (Schreiben der Stadtarchive München, Nürnberg und Regensburg vom November 2000 an den Verf.).
 
(Christoph Emmendörffer)

Literatur:

Nachruf „Martin Sebald“, in: Zeitschrift des Historischen Vereins für Schwaben und Neuburg 18 (1891), S. 103 – 110, bes. S. 103; Emmendörffer, Christoph: Das Maximilianmuseum. Originale der Reichsstadt Augsburg, Augsburg 2004 (Ein Augsbuch 2), S. 140f.; Emmendörffer, Christoph: „Unsere so berühmte profession …“ Eine Augsburger Geschichte der Goldschmiedekunst, in: Emmendörffer, Christoph / Trepesch, Christof (Hg.): Zarensilber. Augsburger Silber aus dem Kreml. Ausstellungskatalog, München 2008, S. 56 – 89, hier: S. 88f.; Seling, Helmut: Die Augsburger Gold- und Silberschmiede 1529 – 1868. Meister, Marken, Werke, München 2007.

Beleg:

Götterdämmerung. König Ludwig II. und seine Zeit. Katalog zur Bayerischen Landesausstellung 2011, Schloss Herrenchiemsee, 14. Mai bis 16. Oktober 2011. Hrsg. von Peter Wolf, Richard Loibl und Evamaria Brockhoff, Augsburg 2011, S. 59f.

Künstler, Ersteller / Fotograf: Magnus Unsin (1819-1889); Fotograf: Andreas Brücklmair, Augsburg
Lageort: Augsburg, Kunstsammlungen und Museen Augsburg, Maximilianmuseum (9622)
Copyright: Haus der Bayerischen Geschichte, Augsburg