GESCHICHTE



DAS KLOSTER ST. KATHARINA

Das Frauenkloster St. Katharina wurde 1251 gegründet. Es stand unter der geistlichen Leitung des Dominikanerklosters St. Magdalena. Töchter patrizischer Familien fanden hier eine standesgemäße Versorgung.

Spenden und die reiche Ausstattung mit Grundbesitz erlaubten größere Investitionen. Um 1500 wurde das Kloster neu erbaut und der Kapitelsaal mit einem wertvollen Bilderzyklus ausgestattet.

Das Kloster war ein in sich geschlossener, autarker Wirtschaftsbereich. Um das Zentrum mit der Nonnenklausur und der Kirche gruppierten sich die Ökonomiegebäude. Hier wurden die Abgaben der Bauern gesammelt und weiterverarbeitet. An der Spitze des Klosters stand die Priorin. Verwaltung und Wirtschaftsführung lagen in den Händen der Schaffnerin, die das Vermögen verwaltete. Ein weltlicher Beamter, der Oberamtmann, vertrat das Kloster nach außen.




Städtische Kunstsammlungen, Augsburg

Klosterkirche St. Katharina, Radierung von Daniel Hopfer (1470-1536)

Blick nach Osten auf den Hauptaltar. Im Vordergrund eine Szene zur Parabel vom Splitter im Auge des Nächsten und dem Balken im eigenen. Die Kirche wurde 1516/17 nach dem Vorbild der Dominikanerkirche St. Magdalena als zweischiffige Hallenkirche gebaut. 1835 wurde eine Zwischendecke eingezogen. Im Obergeschoss befindet sich heute die Staatsgalerie, unten die Bibliothek des Holbein-Gymnasiums.





Haus der Bayerischen Geschichte, Augsburg

Grundherrschaft des Katharinenklosters um 1800

Das Kloster bezog von Bauern aus über dreißig Ortschaften Abgaben, zum Teil in Geld, meist aber in Naturalien. In einigen Orten, so etwa in Diedorf, übte das Kloster die niedere Gerichtsbarkeit über seine Untertanen aus (Zivilgericht). Vielfach war es auch Kirchenherr, es setzte Priester ein und hatte so zusätzliche Einnahmen. Mit der Säkularisation eignete sich Bayern diese Herrschaftsrechte an und bündelte sie in seiner Hand. Dies war ein wichtiger Schritt zum modernen Staat.





Bischofsgalerie im Augsburger Dom
Diözese Augsburg

Basilika Santa Maria Maggiore, Hans Holbein d. Ä., Augsburg 1499

Die fünf Bilder des Basilikazyklus sind Stiftungen von Nonnen aus Augsburger Patrizierfamilien. Sie waren von hoher sakraler, aber auch wirtschaftlicher Bedeutung, da sie das dem Kloster gewährte päpstliche Ablassprivileg symbolisch verbildlichten: Durch Gebete an bestimmten Orten des Klosters konnte derselbe Ablass gewonnen werden, wie durch eine Pilgerreise zu den Hauptkirchen Roms.

Die Bilder gingen mit der Säkularisation an den Staat. Sie wurden nie aus den Gebäuden des Klosters entfernt und sind seit 1835 im Besitz der Staatsgalerie Augsburg.





Stadtarchiv Augsburg

Klosteranlage 1626, Ausschnitt aus dem für den Steuerumgang bearbeiteten Stadtplan von Wolfgang Kilian, wahrscheinlich 1660




Stadtarchiv Augsburg

Grundriss der Klosteranlage 1806

1 Katharinengasse
2 Stadtmauer
3 Klostergarten
4 Würzgarten
5 Kreuzhof
6 Klosterhof
7 Ökonomiehof
A Kirche
B Konventsgebäude
C Sakristei
D Anbau
E Portnerhaus
F Prioratsgebäude
G Haus der alten Nonnen
H Gartenhaus
I Einfahrt
K Schafstallungen
L Viehstall
M Scheune
N Pferdestall
O Bäckerei

P Futterkammer
Q Einfahrt in den Klostergarten
R Kornhaus
S Bauernhaus
T Fischhaus