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GESCHICHTE



ORDEN UND KLÖSTER IN BAYERN

Die Frühzeit der Klöster im bajuwarischen Stammesherzogtum liegt im Dunkeln. Nachhaltig gefördert wurden geistliche Gemeinschaften durch die herzogliche Familie der Agilolfinger, andere adelige Große und die Bischöfe. Im Bayern der Karolinger- und Ottonenzeit dienten zahlreiche Klöster zur Unterstützung der Königsherrschaft.

Die Klosterlandschaft der Benediktiner wurde durch die Einfälle der Ungarn im 10. Jahrhundert in Mitleidenschaft gezogen. In der Folgezeit entstanden auch Kollegiatstifte als alternative geistliche Lebensform zu den Klöstern.

Das 11. Jahrhundert sah eine zweite große Welle adliger Klostergründungen. Sie begünstigte neben einer benediktinischen Reform vor allem die Augustiner-Chorherren. Die Orden der Zisterzienser und Prämonstratenser folgten im 12. Jahrhundert.

Mit dem Aufblühen der Städte entstanden soziale Brennpunkte, denen sich die so genannten Bettelorden der Dominikaner, Franziskaner, Karmeliten und Augustiner-Eremiten widmeten.

Die Reformation führte im Norden und Westen des heutigen Bayern, so in Mittelfranken, Teilen der Oberpfalz und Schwaben, bereits zur Aufhebung zahlreicher Klöster. Das damalige Bayern bildete hingegen ein Zentrum der Gegenreformation. Kapuziner und Unbeschuhte Karmeliten widmeten sich der Volksfrömmigkeit, Englische Fräulein, Salesianerinnen und Ursulinerinnen der Mädchenerziehung. Die wichtigste Rolle unter den neuen Orden spielten vom späten 16. bis zum frühen 18. Jahrhundert die Jesuiten.

Nach den Verheerungen des Dreißigjährigen Kriegs erhoben sich insbesondere die großen Landklöster der alten Orden zum Höhenflug des Barock, dessen Kunst und Architektur bis heute weite Teile Bayerns prägt.

Das Ideengut der Aufklärung und die Krise der Reichsverfassung ließen bereits im späten 18. Jahrhundert Pläne zu einer umfassenden Säkularisation reifen.
Im Januar 1802 verfügte Kurfürst Max IV. Joseph, von wenigen Ausnahmen abgesehen, die Aufhebung jener Klöster, die nicht der politischen Vertretung der Stände (Adel, Städte und Prälaten) des damaligen Bayern angehörten.

Im Vorgriff auf die grundlegende territoriale Umgestaltung des Reichs besetzte das Kurfürstentum Bayern bereits im Lauf des Jahres 1802 die reichsunmittelbaren Hochstifte Freising, Augsburg, Würzburg und Bamberg, dazu Teile der Hochstifte Passau und Eichstätt sowie das Fürststift Kempten mit den jeweiligen Klöstern. Die kurbayerische Säkularisation traf zudem neun schwäbische und vier fränkische Reichsabteien. Dazu kam die Inbesitznahme von acht schwäbischen und sieben fränkischen Reichsstädten, deren Klöster ebenfalls aufgehoben wurden; im März 1803 folgten die kurbayerischen Prälatenklöster.

In den Napoleonischen Kriegen veränderte Bayern mehrmals seine territoriale Gestalt. So erwarb es die Reichsstädte Augsburg und Nürnberg erst 1806, das Fürstentum Regensburg erst 1810. Entsprechend wechselten auch die dort (noch) befindlichen Klöster die Herrschaft.

Die Schicksale der alten Klöster ab 1802 waren sehr unterschiedlich. Teilweise wurden Klosteranlagen abgebrochen, andere Klostergelände an Privatleute verkauft. Ein beträchtlicher Teil wird bis heute für staatliche oder kommunale Zwecke genutzt. Einige blieben als so genannte Aussterbeklöster von der Auflösung bewahrt und überdauerten so bis zur Wiederbelebung der bayerischen Klosterlandschaft unter König Ludwig I.

Die Säkularisation und ihre Folgen bedeuteten einen der tief greifendsten politischen, sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Umbrüche der bayerischen Geschichte.

 

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AUS DEM HDBG-BILDARCHIV

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Ehem. Augustiner-Chorherrenstift Rottenbuch (Westseite), Glockenturm v. 1439, ab ca. 1740 Klostererneuerung.

Copyright: Haus der Bayerischen Geschichte, Augsburg (Heck, A.)


Ansicht des Dorfes Gempfing (ehem. Besitz der Abtei St. Walburg), Ölgemälde, um 1740, Eichstätt, Benediktinerinnenabtei St. Wbg.

Copyright: Haus der Bayerischen Geschichte, Augsburg (Meister, G.)


Ansicht des ehem. Augsburger Kapuzinerinnenklosters, Kupferstich, um 1700, Augsburg, Kapuzinerkloster St. Sebastian.

Copyright: Haus der Bayerischen Geschichte, Augsburg (Voithenberg, G.)


Stiftung des Benediktinerklosters Scheyern durch die Grafen von Scheyern im Jahre 1123, Tafelbild (Zyklusbild 5), 1625, Scheyern, Benediktinerabtei, St. Johannes/Kapitelkirche.

Copyright: Haus der Bayerischen Geschichte, Augsburg (Voithenberg, G.)