München, Kloster St. Gabriel


 

GESCHICHTE

München, Kloster St. Gabriel, Schwestern vom Guten Hirten – Hilfe für Frauen in allen Lebenslagen

 

Papst Gregor XVI. bestätigte 1835 die von Sr. Maria Eufrasia Pelletier (1796-1868; 1933 selig- und 1940 heiliggesprochen) nach den Statuten des hl. Jean Eudes in Angers (Diözese Metz) gegründete Kongregation „Unserer Frau von der Liebe des Guten Hirten in Angers“. Bis zum Tod der Gründerin hatte sich der Orden bereits mit 110 Niederlassungen weltweit ausgebreitet. Die Spiritualität der religiösen Gemeinschaft orientiert sich am Christusbild des Guten Hirten. Im Wirken der Ordensangehörigen soll die Liebe eines guten Hirten im sozialen Dienst, im ganzheitlichen Einsatz für Menschen, insbesondere für Frauen und Mädchen in Krisensituationen, und nicht zuletzt im Engagement für Frieden, Gerechtigkeit, Solidarität und die Bewahrung der Schöpfung zum Ausdruck kommen.

 Mutter Eufrasia richtete 1838 an König Ludwig I. die Bitte zur Genehmigung einer Niederlassung ihres Ordens in Bayern. Da die Statuten der Kongregation jedoch die frühzeitige Ablegung der Ewigen Gelübde vorsahen, die nach den damaligen Bestimmungen in Bayern erst nach dem 33. Lebensjahr genehmigt war, kam es zu schwierigen Verhandlungen. Dank der nachdrücklichen Unterstützung durch den Regensburger Bischof Franz Xaver Schwäbl, der die Kongregation eigentlich in seiner Diözese ansiedeln wollte, gab König Ludwig I. am 6. November 1839 sein Einverständnis zur Errichtung eines Klosters dieses Ordens in München. Unter der Geschäftsleitung von Erzbischof Lothar Anselm von Gebsattel und Regierungspräsident Graf Karl von Seinsheim wurde im Frühjahr 1840 zu diesem Zweck das Preysingschlösschen in Haidhausen erworben. Für die Finanzierung verwendete man die Geldmittel des von Bischof Schwäbl gegründeten Vereins vom Guten Hirten, der zu diesem Zweck in den bayerischen Bistümern Regensburg, Passau, München und Augsburg Sammlungen veranlasst hatte. Im königlichen Auftrag holte Hofprediger Anton Eberhard von St. Michael die für das neue Kloster vorgesehenen Schwestern im Mutterhaus in Angers ab. Er kehrte am 22. Juni 1840 mit der späteren Oberin Sr. Maria Johannes vom Kreuz David, Sr. Maria Helen Steintz sowie einer jungen Novizin zurück. Die Schwestern wohnten zunächst bei Frau von Choßo in der Barer Straße. Am 7. Juli bezogen sie das spärlich ausgestattete Schlösschen und wurden am 9. November desselben Jahres hier durch den Erzbischof von München und Freising und den Bischof von Eichstätt amtlich eingeführt. Vier Jahre später war die Gemeinschaft bereits auf 40 Schwestern angewachsen, die bedürftige oder straffällig gewordene Schülerinnen und Frauen aus der Stadt betreuten. Um die zunehmende Anzahl an Schützlingen ernähren zu können, wurde die Ökonomie des Klosters ausgebaut. 1850 übernahmen die Schwestern die weibliche Pfarrschule der Gemeinde Haidhausen. Die Zahl der bayerischen Ordensangehörigen war nun soweit angewachsen, dass von München aus Niederlassungen in Mainz (1854), Trier (1857), Berlin-Charlottenburg (1858), Breslau (1859), Wemberg/Ettmannsdorf (1861) und in Köln-Melaten (1862) gegründet wurden. Die drohende Auflösung des Klosters 1875 unter dem Einfluss des Kulturkampfes verhinderte König Ludwig II. durch sein persönliches Eingreifen. Die Gründerin des Münchner Klosters, Sr. M. Johannes vom Kreuz David, wirkte von 1855 bis zu ihrem Tod 1878 gleichzeitig als Provinzialoberin. Während ihrer Amtszeit bot das Kloster 1500 bedürftigen Mädchen und Frauen aus München Schutz, Unterhalt und Lebenshilfe. Zum 50-jährigen Jubiläum im Jahr 1890 gehörten 100 Schwestern dem Konvent an.

 Bis 1909 wurde ein Neubau errichtet, der 180 weiblichen Jugendlichen Platz bot und den staatlichen Richtlinien des neuen Fürsorgegesetzes entsprach. Er erhielt 1926 eine Erweiterung durch ein „Sonntagsheim“, in dem bereits ausgeschiedene Mädchen ihre Freizeit verbringen konnten, und ein „Übergangsheim“ für junge Frauen kurz vor ihrer Entlassung in die Selbstständigkeit. Ein Jahr später erwarben die Schwestern Schloss Zinneberg in Glonn. Damit sollte die weitere Selbstversorgung gesichert und zugleich eine landwirtschaftliche Ausbildungsstätte für die jungen Frauen geschaffen werden. Ein 1928 eingeführtes „Seminar für Jugendwohlfahrt und Anstaltserziehung“ gewährleistete eine gründliche Berufsausbildung der Schwestern. Der Münchner Konvent hatte damals rund 130 Mitglieder. Unter dem NS-Regime musste die ordenseigene Schule geschlossen werden. Die Häuser dienten während des Zweiten Weltkriegs als Lazarette, in denen die Schwestern Pflegedienste verrichteten.

Das Kloster nahm in der Nachkriegszeit sofort wieder seine Ausbildungs- und Erziehungsarbeit auf. Im Zuge der Umstrukturierung der Jugendwohlfahrtsgesetze wurden die Einrichtungen neu konzipiert. Da der Umbau der alten Heim- und Klosteranlage in der Preysingstraße aus wirtschaftlichen Gründen nicht in Frage kam, erwarb das Kloster von der Marienanstalt Warnberg ein Baugelände in der Wolfratshauser Straße in München-Solln. Nach den Planungen von Provinzoberin Viktoria Fiereder und Hausoberin Angelika Kronenberger errichteten die Architekten Wilhelm und Norbert Gaertner hier das Haus „St. Gabriel“. Im Oktober 1965 zogen 70 Schwestern, 18 Novizinnen und 170 betreute junge Frauen in die neue Anlage ein. Julius Kardinal Döpfner nahm am 29. Oktober desselben Jahres die Einweihung der neuen Klosterkirche Maria Regina Angelorum vor. Das Heim bot Platz für eine Reihe von Wohngruppen, darunter auch für schulpflichtige junge Mütter mit ihren Kindern, außerdem für neue Werkstätten, Hauptschulklassen und eine dreijährige Wirtschaftsschule, in der man den mittleren Bildungsabschluss erreichen konnte. 1973 öffnete in der Anlage das „Haus Maria“ für schwangere Frauen und alleinerziehende Mütter seine Pforten. Der wachsenden Wohnungsnot von Studentinnen begegnete man Beginn der 1980er-Jahre mit der Einrichtung von Gruppenwohnungen. Auch Opfer von häuslicher Gewalt, misshandelte Frauen und ihre Kinder fanden seitdem hier Aufnahme.

Seit der Verabschiedung der neuen Bayerischen Heimrichtlinien 1986 hat das Wohnheim des Ordens eine heilpädagogische Ausrichtung, dessen personalintensive Betreuung zunehmend weltliche Mitarbeiter übernehmen, da die Mitgliederzahl des Ordens beständig abnimmt. 1989 wurde von den Schwestern das „Jugendhilfewerk vom Guten Hirten“ gegründet, um die Weiterführung ihrer Einrichtungen auch für die Zukunft zu sichern. Seit 1991 wird ein Teil der Anlage an sozial-karitative Organisationen untervermietet. Oberin Rosa Virginia Brill, die 2013 die Leitung übernahm, führt über 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in der Kinderkrippe, dem Mutter-Kind-Haus für Mütter ab zwölf Jahren, der „Lebenspforte“ mit Babyklappe, dem Altersheim des Ordens und der Pflegestation tätig sind. Der Konvent umfasste 2016 rund 35 Schwestern.

Um die Jahrtausendwende gehörten der Kongregation der Schwestern vom Guten Hirten rund 5000 Schwestern in mehr als 70 Ländern Europas, Asiens, Afrikas, Nord- und Lateinamerikas sowie Ozeaniens an. Der Orden ist Mitglied im Aktionsbündnis gegen Frauenhandel, beim UN Women Nationales Komitee Deutschland e.V., dem Entwicklungsfonds der Vereinten Nationen für Frauen und bei „Terre des femmes“, einer Initiative, die weltweit die Menschenrechte für die Frau einfordert.

 

(Christine Riedl-Valder)

Link:

www.guterhirte.de

http://www.st.gabrielsolln.de



 

SUCHE