Amberg Franziskanerkloster Maria Hilfberg


 

GESCHICHTE

 

Amberg, Franziskanerkloster Maria Hilfberg – Die größte Bergwallfahrt der Oberpfalz

 

 

 

Zur Abwendung der schweren Pestepedemie, die ab 1633 in der Stadt wütete, stiftete der damalige Rektor des Jesuiten-Gymnasiums, Pater Caspar Hell, ein Gnadenbild. Es handelte sich dabei um eine Kopie des berühmten Mariahilfbilds von Lucas Cranach (um 1520 gemalt), das heute im Innsbrucker Dom aufbewahrt wird. Pater Hell ließ es im Turm der alten Burg auf dem nahe gelegenen Berg (heute Mariahilfberg) aufhängen. 1641 errichtete man eine eigene Votivkapelle, die sich schon bald als zu klein für die immer zahlreicher auftretenden Wallfahrer erwies und zehn Jahre später durch einen Neubau ersetzt wurde. Die seelsorgerische Betreuung der Pilger übernahmen die in der Stadt beheimateten Franziskaner von St. Georg. Um ganzjährig vor Ort sein zu können, errichteten sie 1647 ein Hospiz für drei Patres und einen Bruder auf dem Berg. Gleichzeitig begannen auf dem ehemaligen Burgareal die Bauarbeiten an einer großen barocken Wallfahrtskirche, die der Amberger Maurermeister Georg Peimbi unter Leitung des Ordensbaumeisters Frater Philipp vermutlich nach Plänen von Wolfgang Dientzenhofer errichtete.

 

Die Weihe unter dem Patrozinium Mariä Heimsuchung fand 1711 statt. Die figurenreiche Stuckdekoration und der Hochaltar aus Stuckmarmor wurden ab 1702 von Giovanni Battista Carlone und seinem Schüler Paolo Allio angefertigt. Im Sommer 1717 malte Cosmas Damian Asam die Fresken, die die Geschichte der Wallfahrt schildern. Er erhielt während dieser Zeit Unterkunft und Verpflegung im Hospiz. 1763 wurde eine Lindenallee angelegt, die von der Stadt auf den Berg führt. Über Vorkommnisse und personelle Zusammensetzung des Hospizes im weiteren Verlauf des 18. Jahrhunderts gibt es keine Überlieferung. Es wurde 1802 zusammen mit dem Stadtkloster im Zuge der Säkularisation aufgehoben.

 

In der Folgezeit betreuten ehemalige Mönche aus den aufgehobenen Klöstern von Waldsassen, Michelfeld und anderen Orten die Pilger. Doch bereits 1830, noch vor dem Tod des letzten Weltpriesters am 8. Mai 1831, stellte der Magistrat der Stadt Amberg den Antrag zur Wiedererrichtung des Franziskanerhospizes auf dem Mariahilfberg. Der Stadtpfarrer Siegert intervenierte gegen diesen Plan, da er die Wallfahrt von seinen Kooperatoren versorgen lassen wollte. Doch weder der Magistrat noch Generalvikar Georg Michael Wittmann von Regensburg unterstützten diesen Vorschlag; auch auf Wunsch von Bischof Johann Michael Sailer sollte die Wiedererrichtung des Hospizes erfolgen. Schließlich unterzeichnete König Ludwig I. am 29. Juni 1832 die Genehmigung für eine Niederlassung von vorläufig zwei bis drei Patres und einem Laienbruder.

 

Zwei Monate später, am 24. August 1832, bezogen Pater Kaspar Mühlbauer als Superior, die beiden Patres Franz Paul Neumeier und Ludwig Huber sowie der Laienbruder Homobonus Deißl das verwaiste Kloster. Das Gebäude wurde im folgenden Frühjahr nach Plänen des Stadtbaumeisters Michael Dobmeyer mit vergrößerten Fenstern, einem neuen Eingang und geräumigeren Zimmern modernisiert. Da die Kollektur und der 1833 übernommene Mesnerdienst die Anwesenheit von weiteren Laienbrüdern notwendig machte, wurde das Kloster trotzdem bald zu klein. 1861 errichtete man daher einen ersten Anbau, der durch einen Gewölbebogen mit dem Oratorium und der Sakristei verbunden wurde. Im Jahr darauf wurde das Haus an der Ostseite durch ein Refektorium erweitert. Der 1845 innerhalb der Klostermauern angelegte Friedhof erhielt im Zuge dieser Maßnahmen einen neuen Standort an der Nordseite des Klosters.

 

Zur 225-Jahr-Feier der Wallfahrt 1859 ließ man eine monumentale Freitreppe vor der Westfassade der Wallfahrtskirche (anstelle der ursprünglichen Anlage aus dem Jahr 1710) anfertigen, die von nun an Endpunkt und Ziel des bergansteigenden Pilgerwegs bildete. Der Bamberger Hofkünstler Lorenz Kamm schuf für die Fassade Figurenschmuck; unter anderem werden in der obersten Zone Ordensgründer Franz von Assisi und der Franziskanerheilige Antonius von Padua zu Seiten der Maria Immakulata präsentiert. Auf den Berg führt seit 1860 ein von Provinzial Aventin Karl eingeweihter Kreuzweg, dessen Bilder von der Mayerschen Hofkunstanstalt München bezogen wurden. 1879 richtete man im Hospiz eine Nebenstelle des Königlichen Meteorologischen Instituts München ein. Die 250-Jahr-Feier der Bergwallfahrt fiel 1884 mit dem 31. deutschen Katholikentag, der in Amberg stattfand, zusammen. Bischof Ignatius von Senestry, der die Feierlichkeiten auf dem Mariahilfberg eröffnete, hatte für das Ereignis eigene Ablässe von Papst Pius IX. erwirkt und konnte zu der Jubiläumsprozession 30000 Gläubige begrüßen.

 

Vor dem Hospiz wurde 1887 eine Herz-Jesu-Statue aufgestellt. Dem beständigen Wassermangel, der auf dem Berg herrschte, machte erst die städtische Wasserleitung, die ab 1893 auch die Wallfahrtsanlage versorgte, ein Ende. Da dafür der Druck nicht ausreichte, mussten ein eigenes Pumpwerk im Garten des Marienspitals und ein Wasserreservoir auf dem Berg gebaut werden. Ab Juni 1912 verfügte man auch über elektrisches Licht im Kloster und in der Kirche.

 

Eine herausragende Persönlichkeit war Frater Vinzenz Hafner, der ab 1849 im Hospiz lebte und 36 Jahre lang als Mesner und Schneider wirkte. Der geschickte Handwerker schuf für die Krippe der Wallfahrtskirche über 300 überaus sorgfältig geformte und ausgestattete Figuren, mit denen seitdem die prächtigen Szenen der Jahreskrippe gestaltet werden. Von 1868 an wirkte Pater Liborius Meyer 37 Jahre lang, davon ab 1891 als Superior, an der Mariahilfkirche. Am 9. August 1908 erfolgte die Erhebung des Hospizes zum Konvent. Superior Pater Joseph Maria Jäger wurde zum ersten Guardian des Klosters ernannt. Die Matrikel der Diözese Regensburg verzeichnen 1914 vier Patres und sieben Brüder im Kloster. Ihre Hauptaufgabe bestand in der Seelsorge, Predigt und Spendung der Sakramente für die zahlreichen Wallfahrer.

 

2007 mussten die bayerischen Franziskaner wegen Priestermangel den Mariahilfberg verlassen. Ihren Dienst übernahmen noch im selben Jahr polnische Franziskaner der Kongregation „Von den Engeln der Muttergottes” aus Krakau. Bis 2010 erfolgte eine Generalsanierung des Gebäudes.

 

Die Amberger Mariahilfkirche stellt ein bedeutendes Denkmal der Gegenreformation dar und gilt bis in die Gegenwart als die größte Bergwallfahrt der Oberpfalz. Nach wie vor ist sie das Ziel vieler Pilger, so anlässlich der alljährlichen Sternprozession der Amberger Pfarreien Anfang Mai. Hauptattraktion ist die Bergfestwoche an Maria Heimsuchung (2. Juli), deren Predigtreihe und Volksfest Tausende Besucher anziehen, die von den Franziskanern seelsorglich betreut werden.

 

 

 

(Christine Riedl-Valder)


 

 

 

 

 

http://www.franziskaner-amberg.de/

 

 

 

 

 

 



 

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