Regensburg, Deutschordens-Kommende St. Ägid ( St. Gilgen )


 

GESCHICHTE

St. Ägid in Regensburg - die älteste bayerische Kommende des Deutschen Ordens 

Bischof Konrad III. von Regensburg gehörte zu den Gründern des Deutschen Ordens. Er nahm am 3. Kreuzzug (1189-1192) teil, auf dem die Hospitalgemeinschaft entstand. 1198 wurde die Kommunität von vierzehn deutschen Fürsten und Prälaten, zu denen auch Konrad III. zählte, in einen Ritterorden umgewandelt. So war man wohl in Regensburg mit dem Deutschen Orden vertraut, als er sich 1220 in der ehemaligen Residenz der Regensburger Burggrafen niederlassen durfte. St. Ägid oder St. Gilgen (von französischen "Gilles" für Ägidius) wurde nicht mehr benötigt, da der Sitz des Burggrafen bereits an den Alten Kornmarkt zur Residenz der Wittelsbacher verlegt worden war. Herzog Ludwig I. "der Kelheimer" (gest. 1231) machte der Kommende reiche Schenkungen und gilt so als ihr Gründer. 
Die Kommende St. Ägid war die erste bayerische Niederlassung des Deutschen Ordens und gehörte zur Ballei Franken. Der erste Bruder ist 1224, der erste Komtur 1237 belegt. Die Personalstärke schwankte im 13. Jahrhundert zwischen wenigstens vier bis sieben Brüdern. Von Regensburg aus gründete man 1279 die Kommende Gangkofen in Niederbayern. 
In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts und gegen Ende des 14. Jahrhunderts erfolgte der Aus- und Umbau der Kirche St. Ägidien. 1368 entstand nahe St. Ägid ein Seelhaus mit acht Seelfrauen. Ihre Aufgaben waren die ambulante Krankenpflege, die Versorgung Notleidender und die Fürbitte für Verstorbene. Mit dem benachbarten Dominikanerkloster St. Blasius kämpfte die Kommende lange Zeit um die Oberherrschaft über den Ägidienplatz. Und noch 1652 stritten die Deutschherren mit der Reichsstadt Regensburg über den auf dem Platz abgehaltenen Viehmarkt und die Erbauung des städtischen Ballhauses. 
1683 erhielten die alten Gebäude der Komturei über und westlich der Ägidienkirche ein neues Aussehen. 1720 erbaute man östlich davon nach Plänen des Ordensbaumeisters Franz Keller das "Neue Deutsche Haus" mit Stuckdekor des Peter Appiani. Der Kommende oblag seit dem späten 18. Jahrhundert die Seelsorge des Dominikanerklosters.
Der Deutsche Orden entging zunächst der Säkularisation, und zwar aufgrund des Militärdienstes seiner Mitglieder für das Reich. Die Regensburger Kommende kam 1802/03 an Fürstbischof Karl Theodor von Dalberg und wurde 1809 aufgelöst. 
Das Neue Deutsche Haus samt der Ägidienkirche und dem Seelhaus verkaufte Fürst Dalberg 1809 an den Freiherrn von Lilien. 1836-1934 befand sich hier die Bleistiftmanufaktur J. J. Rehbach, dann erwarb die Regierung der Oberpfalz die Gebäude. 
In den alten Komturei wohnte ab 1810 der letzte Fürstabt von St. Emmeram, Cölestin Steiglehner (gest. 1819). Nach seinem Tod kaufte die Stadt Regensburg 1819 den Komplex von den Erben. 1837 erwarb das Domkapitel das Gebäude für das Krankenhaus St. Joseph. Es befand sich hier unter einem Dach mit dem Evangelischen Krankenhaus, welches 1882 an den Emmeramsplatz verlegt wurde. Das Josephskrankenhaus blieb am Ägidienplatz bis 1926. Heute beherbergt die ehemalige Kommende das Altenheim St. Josef.

( Peter Morsbach )



 

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