Augsburg, Karmelitenkloster zum Allerheiligsten Sakrament


 

GESCHICHTE

Der Karmel zum Allerheiligsten Sakrament - Vom Kloster zum Gefängnis 

Nach der Reformation verloren die Karmelitenmönche 1534 durch die reichsstädtische Säkularisation ihr aus dem 13. Jahrhundert stammendes Priorat St. Anna. Auf Wunsch des Bischofs Heinrich von Knoeringen versuchte der erst 1597 neu entstandene strengere Orden der Unbeschuhten Karmeliten ab 1630 im Raum Augsburg Fuß zu fassen. Das kleine Kloster St. Josef vor dem Roten Tor wurde jedoch 1632 von den schwedischen Truppen abgebrannt. Die aus Italien stammenden Karmeliten fanden Asyl bei den Benediktinern der Reichsabtei Ulrich und Afra.
Die zweite und für fast dreihundert Jahre dauerhafte Gründung eines Karmels erfolgte 1637 vor dem Frauentor nördlich des Dombezirks in der noch heute nach dem Orden benannten Karmelitengasse. Eine wesentliche Rolle spielte dabei Kaiser Ferdinand II. Er zwang die Reichsstadt ihren Kornspeicher dem Konvent zu überlassen. Dazu kamen mehrere private Grundstücke, die der Orden per Kauf erwerben konnte. In der Nachbarschaft befand sich auch die aus dem 13. Jahrhundert stammende Kapelle St. Severin des Domkapitels. 
Der provisorische Karmel fiel 1646 einem Brand zum Opfer, so dass ein Neubau nötig wurde. Mit Unterstützung des Hauses Habsburg entstand rasch eine frühbarocke Klosteranlage im römischen Stil. Die Kirche galt als eine der schönsten Süddeutschlands. 
Gemäß seiner Regel lebte der Konvent kontemplativ. Eine zentrale Rolle spielt bei den Karmeliten die Eucharistie und so trug das Augsburger Kloster auch das Patrozinium "Zum Allerheiligsten Altarssakrament". Im Gegensatz zu anderen Orden in der Stadt übernahmen die Karmeliten keine Seelsorgeaufgaben außerhalb ihrer Klosterkirche. Der Konvent bestritt seinen Lebensunterhalt aus Spenden, der zum Kloster gehörigen Landwirtschaft und einer bei den Augsburgern beliebten Brauerei. Intellektuell trat der Prior Alexander Joanne de Cruce, aus ungarischem Adel stammend, hervor. Er wirkte um die Mitte des 18. Jahrhunderts als Theologe und Übersetzer. 
Bereits in den Reichskriegen zwischen 1797 und 1800 war das Kloster zeitweise als Lazarett beschlagnahmt worden. Im Jahr 1802 wurde der Karmel von der Reichsstadt Augsburg säkularisiert. Erst 1807 erfolgte jedoch die endgültige Räumung des Konvents. 
Die Kirche wurde 1810 für Gottesdienste gesperrt und später an einen Herrn Levinau verkauft, der sie 1821 abbrechen ließ. Ihren Hochaltar erwarb die Kirchengemeinde St. Georg.
Nachdem das Kloster zeitweilig im Besitz eines Baron Grauvogel gewesen war, diente ein Teil des Konventgebäudes von 1810 bis 1882 als Druckerei des Verlags Cotta. Er befindet sich seit 1887 im Besitz der Englischen Fräulein. Ihr "Maria-Ward-Haus" beherbergt heute ein Zentrum für Exerzitien und Mediationsseminare. 
Die Ökonomiegebäude des Klosters wurden 1814 in ein staatliches Gefängnis umgebaut und bilden noch heute den Kern der "Justizvollzugsanstalt Augsburg I (Karmelitengasse)". Die Severinskapelle wurde 1970 restauriert und dient als Gefängniskirche.

( Christian Lankes / Sylvia Stegmüller )



 

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AUS DEM HDBG-BILDARCHIV
Ehem. Kloster der Unbeschuhten Karmeliten in Augsburg um 1700 (Kirche: Allerheil. Sakrament), Aquarell (nach einem Kupferstich von J. Wolf), um 1925, Augsburg, Benediktinerkloster St. Stephan.
Copyright: Haus der Bayerischen Geschichte, Augsburg (Voithenberg, G.)

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