Wasserburg


 

GESCHICHTE

 Wasserburg und die Kapuziner

Beschäftigt man sich mit der Geschichte des Kapuzinerordens und seiner Niederlassungen in Bayern, so bleiben déjà-vu-Erlebnisse nicht aus: Die Geschichte der meist kleinen Konvente ist oft sehr ähnlich. Auch in Wasserburg entstand die Niederlassung der Kapuziner auf Initiative von Magistrat und Bevölkerung der Stadt. Ihr guter Ruf als lebensnahe Seelsorger und Prediger war den Kapuzinern wieder einmal vorausgeeilt. Und es scheint nicht unlogisch, ausgerechnet in Wasserburg, einem ?Venedig des Nordens?, eine Niederlassung des Kapuzinerordens ins Leben zu rufen, führen doch die Wurzeln der Bayerischen Kapuzinerprovinz nach Italien, genauer nach Venedig. 1594 ging von der venezianischen Kapuzinerprovinz der Impuls für die Gründung eines Klosters in Innsbruck aus. Drei Jahre später entstand das Generalkommissariat Tirol-Bayern, ab 1605 aufgewertet zur tirolisch-bayerischen Ordensprovinz. Diese neue Provinz zählte zum Gründungszeitpunkt zwei Klöster im heutigen Bayern, nämlich München und Augsburg. Die Ordensprovinz wuchs jedoch schnell (1606 Rosenheim, 1610 Landshut, 1613 Regensburg, 1614 Straubing, 1615 Passau und Würzburg, 1616 Günzburg, 1620 Aschaffenburg, 1622 Dinkelsbühl, 1623 Eichstätt, 1624 Wasserburg usw.). Im Jahr 1668 ? die Zahl der Ordensniederlassungen auf bayerischem Boden war auf 31 angewachsen ? wurde die tirolisch-bayerische Ordensprovinz geteilt. An die Tiroler Provinz kamen die Niederlassungen Laufen, Mühldorf, Augsburg, Günzburg und Weißenhorn. Landesrechtlich hatte die bayerische Provinz bis 1816 Bestand, nach 1816 existierten nur mehr einzelne Zentralklöster, welche über keinen rechtlichen Verbund verfügten. König Ludwig I. gestattete 1826 den bayerischen Kapuzinern die Aufnahme von Novizen. Im Jahr 1827 wurde ein neues Provinzial gewählt und die bayerische Kapuzinerprovinz lebte wieder auf.

In Wasserburg hatte 1624 der Propst von Gars auf städtischem Grund den Grundstein für einen Klosterneubau der Kapuziner gelegt. Der Chiemseer Bischof Johann Christoph Graf von Liechtenstein weihte die Klosterkirche am 3. Mai 1626 auf das Patrozinium Maria von den Engeln. In den Jahren 1663 und 1719 waren Erweiterungsbauten zum Klosterkomplex notwendig.

Die Säkularisation brachte den Wasserburger Kapuzinern im Jahr 1802 zwar noch nicht das Ende, sondern verschaffte dem Kloster die Rolle eines Zentralklosters, also eines ?Aussterbeklosters?. So kamen die Kapuziner aus Wolnzach und Vilshofen in das Wasserburger Zentralkloster. 1806 war dann auch für Wasserburg selbst die Frist abgelaufen. Das Kapuzinerkloster wurde aufgehoben, die Insassen in die Zentralklöster Altötting und Burghausen gebracht. Den Klosterkomplex kaufte der Gerichtsdiener Georg Stadler. Er ließ die Gebäude abreißen, mit Ausnahme der Kirche, die er in ein Wohnhaus umbaute. Dieses Wohnhaus erlebte noch viele weitere Besitzer.

Ein ähnliches Schicksal teilten vor allem kleinere Ordensniederlassungen der Franziskaner und Kapuziner in Bayern. Die oft zentrale innerstädtische Lage dieser Klöster und die meist einfache Bauweise waren Gründe, die aus der Sicht des Staats einen Abbruch sowohl rechtfertigten als auch vereinfachten. Insgesamt wurde nahezu ein Drittel aller Klosterkirchen und -gebäude vollständig oder teilweise abgebrochen.

(Laura Scherr)


 

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