Ochsenfurt


 

GESCHICHTE

Kapuzinerkloster in Ochsenfurt ? aufgelöst durch König Ludwig I.

Ochsenfurt am Main, seit 1295 dem Würzburger Domkapitel gehörend, diente im Dreißigjährigen Krieg längere Zeit dem Schwedenkönig Gustav Adolph als Quartier. 1633 wurde der Ort gar zum provisorischen Regierungssitz des Herzogtums Franken unter Bernhard von Weimar. Damals wütete neben den Schrecken des Krieges auch noch die Beulenpest im Ochsenfurter Gau. Den Kranken stand insbesondere ein Mönch aus dem Kapuzinerkloster in Kitzingen zwischen 1630 und 1634 bei. Zur Belohnung unterstützte das Würzburger Domkapitel die von Kitzingen ab 1645 durch die Patres Hieronymus und Kasimir von Haslang als ersten Superior betriebene Gründung eines Klosters in Ochsenfurt. Zunächst fand sich jedoch kein geeigneter Bauplatz und außerdem fehlte das notwendige Kapital zur Gründung. So wurden vorläufig zwei Kapuziner als Prediger in die St. Michelskapelle nach Ochsenfurt gesandt. Sie wohnten im Lohrischen Hof beim Oberen Tor.

Im Jahr 1646 baten Rat und Bürgerschaft von Ochsenfurt beim Kapuzinergeneral Pater Innocentius in München formell um die Gründung eines Klosters. Der Dreißigjährige Krieg und die Not der ersten Nachkriegsjahre ließen es jedoch noch bis 1664 dauern, bis Fürstbischof Johann Philipp von Schönborn (reg. 1642?1673) endlich den Auftrag zum Baubeginn des Klosters geben konnte. Die Stadt Ochsenfurt hatte dazu mehrere Grundstücke am Weg zur St. Wolfgangskapelle als Bauplatz erworben. Als Bauleiter fungierte der baukundige Bruder Nikolaus. Im Juni 1665 konnte das Dachwerk auf Kirche und Kloster aufgerichtet werden. Am 16. Oktober 1667 wurde die Kapuzinerkirche von dem Würzburger Weihbischof Stephan Weinberger zu Ehren des hl. Burkard und des hl. Antonius geweiht. Die Baukosten von rund 15 000 Gulden waren fast vollständig aus Spenden bestritten worden.

Die Architektur der Kirche ist nach Kapuzinerart schlicht: An den einschiffigen und von einem Tonnengewölbe geschlossenen Gemeindesaal schließt ein eingezogener Chor über rechteckigem Grundriss an. Der Kirchenbau erhielt bereits in der Bauzeit seine aufwändige Ausstattung. Das Gemälde im Hochaltar schuf Oswald Onghers im Jahr 1666. Es zeigt den Kirchenpatron St. Burkard, dem Maria mit dem Jesuskind über der Würzburger Festung und dem Andreas-Stift erscheint. Weitere Bilder, wie die sechs Passionsbilder, stammen aus Onghers? Werkstatt. Dessen Landsmann Johann Baptist de Ruel schuf dagegen das Altarbild in der Seitenkapelle. Dargestellt ist der das Christkind in seinen Armen verehrende hl. Antonius, dem ein Begleiter die Laterne hält. Aus dem späteren 17. Jahrhundert stammt die Kanzel mit ihren in Holz geschnitzten vier Evangelisten. Geradezu legendär ist die einstmals aus 400 Figuren mit Wachsköpfen bestehende Weihnachtskrippe mit Szenen aus dem Leben Jesu Christi.

Von Anfang an wirkten 18 Ordenspriester und Brüder als geschätzte Prediger in der Seelsorge von Ochsenfurt und im gesamten Gau. In der Säkularisation von 1803 wurde das Kloster nicht aufgehoben. Gegen den erklärten Widerstand der Bevölkerung verfügte schließlich der bayerische König Ludwig I. mit Dekreten von 1826 und 1828 die Auflösung. Mit ihrem letzten Guardian Johann Kaspar Vogel fanden die Ochsenfurter Kapuziner Aufnahme in Karlstadt und anderen Niederlassungen des Ordens in Bayern.

1829 erwarb die Stadt Ochsenfurt die Liegenschaften und richtete 1835 im Kloster Räume für die Pfründner des Spitals ein. Ab 1878 übernahmen fünf Schwestern aus der Würzburger Kongregation der Töchter des Erlösers in Stadt und ?Kloster? die Pflege der Kranken und Alten. 1973 wurde im Klostergarten ein neues städtisches Altenheim eröffnet. Noch im gleichen Jahr wurde das ehemalige Kloster abgebrochen. Erhalten geblieben ist außer dem einstigen Kreuzgang die 1976 renovierte und Maria geweihte Kirche, die dem Seniorenheim als Hauskapelle dient.

(Erich Schneider)



 

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