Königshofen im Grabfeld


 

GESCHICHTE
Königshofen ? vom Kapuzinerkloster zum Kurpark

Erste Bemühungen um die Gründung eines Kapuzinerklosters in Königshofen im Grabfeld lassen sich im Jahr 1593 unter Würzburgs Fürstbischof Julius Echter (reg. 1573?1617) nachweisen. Doch erst ein halbes Jahrhundert später entsandte der Provinzial der vereinigten bayrisch-tirolischen Ordensprovinz im Jahr 1647 die ersten Kapuziner nach Königshofen. Die Bettelmönche errichteten dort ein Hospiz im Spital. Trotz ihrer anerkannten Arbeit in der Seelsorge ging es mit der Klostergründung der Kapuziner zunächst nicht voran. 1653 drohte das Provinzkapitel sogar mit dem Abzug der Mönche. Erst 1662 genehmigte Fürstbischof Johann Philipp von Schönborn (reg. 1642?1673) den Abriss eines um 1554 beim Oberen Tor am östlichen Ausgang der Stadt errichteten Schlösschens und bestimmte diesen Platz für den Neubau des Kapuzinerklosters.

Die Mönche erwarben dieses Anwesen von dem Kloster St. Stephan in Würzburg sowie weitere Grundstücke in der Nachbarschaft. Unter Verwendung von Steinen aus dem ehemaligen Kloster St. Johannis unter Wildberg bei Sulzfeld wurde zunächst die Kirche errichtet. Der Überlieferung zufolge trugen zum Bau die Bürger von Königshofen und ?nit weniger die benachbarten Catholischen und Evangelischen Dorffschaften unverdrossen und emsig bei?. Am 30. August 1665 wurde die Klosterkirche zu Ehren Johannes Evangelist vom Würzburger Weihbischof Johann Michael Söllner feierlich eingeweiht.

Am gleichen Tag legte man außerdem den Grundstein für den Neubau des Klosters. Dessen Vollendung zog sich jedoch wieder sehr lange hin. 1691 konnte der kleine Klostergarten vergrößert werden. Eine vollständige Klausur wurde gar erst im Jahr 1900 erreicht. Anfangs lebten neun Priester und sieben Laienmönche im Kloster. 1767 wissen wir von 13 Patres, vier Fratres und sieben ?Studiosi?. Die Patres waren vor allem als Beichtväter im ganzen Umland sehr beliebt.

1802 wurde dem Kapuzinerkloster die Aufnahme von Novizen verboten. Trotzdem starb der Konvent nicht aus. 1826 genehmigte der bayerische König Ludwig I. den Fortbestand des Klosters. Zwischen 1857 und 1865 wurden die maroden Gebäude renoviert und die Kirche danach zu Ehren Johannes Evangelist, der Jungfrau Maria und des hl. Franz von Assisi neu geweiht. 1965 wirkte jedoch nur noch ein einziger Pater im Kloster und der Provinzial in Altötting wollte das Kloster aufgeben. Erneut erzwang das Engagement der Bevölkerung seinen Erhalt. Trotzdem musste der letzte Kapuziner im Jahr 1973 Königshofen verlassen und der Konvent wurde wegen Nachwuchsmangels aufgehoben. Bis heute hat sich jedoch die von den Kapuzinern eingeführte Tradition des ?Stundengebets? erhalten, das alljährlich an den letzten drei Tagen der Fastnacht in der Klosterkirche gebetet wird.

Die Klostergebäude wurden von der Stadt Königshofen erworben, das 1974 Kurstadt wurde. Im gleichen Jahr wurde die Kapuzinerklosterkirche unter Denkmalschutz gestellt und 1996/97 in ihrem Inneren renoviert. Hauptstücke der Ausstattung sind die Gemälde ?Johannes Evangelist auf Patmos? und ?Judas Thaddäus? des Barockmalers Johann Peter Herrlein. Die Klostergebäude aber waren schon 1971 abgebrochen worden. Auf dem Gelände befinden sich jetzt ein Kurhotel und ein Kurpark für Erholungssuchende.

(Erich Schneider)



 

SUCHE

LAGE IN BAYERN
Kartenausschnitt in Google Maps anzeigen