Kitzingen, Kapuzinerkloster


 

GESCHICHTE
Kapuziner in Kitzingen ? Gegenreformation am Main

Das ehemalige Kapuzinerkloster in Kitzingen, unmittelbar jenseits der älteren Wehrmauer südöstlich vor der Stadt gelegen, ist ein Geschöpf der Gegenreformation. 1629 hatte der Würzburger Fürstbischof Philipp Adolf von Ehrenberg (reg. 1623?1631) nach 185 Jahren der Verpfändung an die protestantischen Markgrafen von Kulmbach-Ansbach (Bayreuth) völlig unerwartet die Herrschaft über Kitzingen wieder zurückgekauft. Ein Jahr später (1630) berief der Fürstbischof den Orden der Kapuziner in die Mainstadt. Er förderte den Erwerb umfangreicher Grundstückskäufe und legte am 13. Mai 1631 persönlich den Grundstein zum neuen Kapuzinerkloster. Die Mönche feierten ihre Gottesdienste zunächst in der profanierten Kirche zum Hl. Grab. Nach dem siegreichen Vordringen der Schweden mussten die Kapuziner die Stadt Kitzingen jedoch wieder verlassen und kehrten erst nach dem Ende des Dreißigjährigen Kriegs 1648 zurück. Am 14. Juli 1652 konnte die Klosterkirche ?Zur Ehre der Aufnahme der seligen Jungfrau Maria in den Himmel? geweiht werden.

Fast 200 Jahre lang predigten die Bettelmönche in Kitzingen den katholischen Glauben und überstanden auch die Ereignisse der Säkularisation von 1803 einigermaßen unbeschadet. Erst im Jahr 1826 verfügte König Ludwig I. von Bayern, ansonsten ein Förderer der katholischen Orden, die Aufhebung der Niederlassung gegen den erklärten Widerstand der Kitzinger Bürger. Die verbliebenen acht Mönche übersiedelten 1828/29 nach Karlstadt am Main. Nach vielfältigen Verwendungen, unter anderem als Krankenhaus, dient das weitgehend erneuerte ehemalige Kloster heute als Seniorenheim.

Die Anlage des Kitzinger Kapuzinerklosters folgt den strengen Bauvorschriften des Ordens, der allen Luxus bezüglich der eigenen Lebensführung rigoros abgelehnt hat. Die meisten Klöster befolgen dabei einen Musterplan und sind einander sehr ähnlich. Einige der Pläne (wohl um 1650) für das Kapuzinerkloster haben sich im Pfarrarchiv von St. Johannis in Kitzingen erhalten. Der architektonisch schlichte Kirchenraum schließt die gesamte Anlage nach Westen ein und ist mit seinem tonnengewölbten Rechteckchor nach Süden ausgerichtet. Der Hochaltar teilt den schmal proportionierten Chor in zwei etwa gleich große Hälften, den Altarraum und den Mönchschor dahinter. Zu beiden Seiten des Altarraums befanden sich früher Oratorien, die nur durch vergitterte Öffnungen mit diesem verbunden waren. Das saalartige Langhaus besteht aus drei Jochen, die von Kreuzgratgewölben überdeckt werden. An der Westseite springt ein quadratischer Kapellenbau vor, der ebenfalls mit einem Kreuzgratgewölbe geschlossen ist. Trotz größter Einfachheit ist die Kirche ansprechend in ihren Proportionen. In zaghafter Form machen sich in der Instrumentierung des Langhauses und der Anlage des Gewölbes Ansätze der Wandpfeilerbauweise bemerkbar, die in die barocke Architektur der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts vorausweisen.

Die eigentliche Bedeutung der Kitzinger Kapuzinerkirche liegt in dem geschlossenen Raumbild der Ausstattung des späten 17. Jahrhunderts, das seit dem Zweiten Weltkrieg in Franken selten geworden ist. Hält man sich vor Augen, dass alle diese Kunstwerke den Bettelmönchen von frommen Bürgern gestiftet wurden, bekommt man einen Eindruck von der Wertschätzung, welche die Kapuziner in Kitzingen gefunden haben müssen. Insgesamt vier große, in brauner Holzmaserung und Gold gefasste Altäre zieren den Kirchenraum. Das Retabel des Hochaltars, der den Chorraum teilt, ist mit Säulen-Prostasen und abschließendem Segmentgiebel das aufwändigste. Das Altarbild von 1679 zeigt die ?Himmelfahrt Mariens?. Es stammt von dem Maler Oswald Onghers aus Mecheln bei Antwerpen. Onghers lässt sich seit etwa 1660 in Würzburg nachweisen und ist sehr stark von seinem berühmten Landsmann Peter Paul Rubens geprägt. Onghers oder seiner Werkstatt dürften auch die meisten anderen Gemälde in der Kirche zuzuschreiben sein. Darunter befindet sich ein großformatiges Bild der ?Reuigen Magdalena?; eine weitere Kopie nach Rubens.

Besonders zu erwähnen ist das ebenfalls Ende des 17. Jahrhunderts geschaffene Altarbild in der Kapelle westlich des Langhauses. Dort ist eine Kopie nach Lucas Cranachs ?Madonna mit dem sie umhalsenden Kinde? von 1537 in ein größeres Altarbild eingesetzt und wird von einer Engelschar präsentiert. Das Original dieses Einsatzbildes wurde, bevor es zu Beginn des 17. Jahrhunderts nach Innsbruck kam, auf dem Passauer Mariahilfberg als Gnadenbild verehrt. Die Betreuung der Wallfahrt dort lag in den Händen von Kapuzinern. Im unteren Drittel weist das Altarbild in Kitzingen eine Vogelschausicht des Kapuzinerklosters auf, das Johann Paul Codomann zugeschrieben wird.

Eine Kostbarkeit ist der Tabernakel der Regence-Zeit auf der Mensa des Hauptaltars. Seine Intarsienarbeiten lassen an Johann Georg Nestfell, den Hofschreiner der Grafen Schönborn in Wiesentheid, als Schöpfer denken. Der Würzburger Hofbildhauer Johann Peter Wagner schuf eine Kreuzigungsgruppe mit Christus und Maria unter dem Kreuz. Manches von der ursprünglichen Ausstattung ist nicht mehr am Ort, wie beispielsweise jene Figur der Anna Selbdritt aus der Zeit um 1500, die in die St. Johanniskirche überführt wurde.

(Erich Schneider)



 

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