Würzburg, Engelgarten


 

GESCHICHTE

Die Kartause in Würzburg ? Engel in Teufels Garten

In einem Garten der Würzburger Patrizierfamilie Teufel zwischen dem Heilig-Geist-Spital vor dem Hauger Tor und dem Kloster St. Afra errichteten zwischen 1348 und 1352 Bischof Albrecht II. und Angehörige des Domkapitels eine Kartause. Bereits 1281 soll hier eine Marienkapelle gestanden haben. Das neue Kloster wurde allen Engeln geweiht (Omnes Sancti Angeli) und hieß deshalb auch ?Engelgarten? (Hortus Angelorum). Der erste Prior Johann war ein gebürtiger Pole, der sich zuvor bereits als Mönch in Echternach und Seiz hohes Ansehen erworben hatte.

Die 450-jährige Geschichte der wohlhabenden Kartause ist arm an äußeren Ereignissen. Dies spricht für den Erfolg der schweigenden Mönche, die getreu den Regeln ihres Ordens keine Pfarr- oder Wallfahrtsseelsorge betrieben oder gar weltliche Ämter übernahmen, sondern ihr Leben der Kontemplation widmeten.

Im Jahr 1400 wurde die Kartause geplündert, jedoch mit Hilfe der Nürnberger Burggrafen bald wieder hergestellt. Ungeachtet der Wirren in der Zeit der Reformation und des Bauernkriegs lebten um das Jahr 1531 sieben Patres in der abgeschlossenen Anlage. Sie wurden versorgt von vier Laienbrüdern, die außerhalb der Klausur wohnten. 1622 erbaute der Konvent zusätzlich eine Kapelle ?Zu den unschuldigen Kindlein?. Eine Radierung aus dem 17. Jahrhundert im Mainfränkischen Museum Würzburg (Inv.-Nr. H 64700) zeigt das Kloster inmitten von Gärten und Obstwiesen mit den für eine Kartause typischen Einzelhäuschen der Patres rings um einen Kreuzgang, dessen südliche Seite das gotische Kirchlein bildete. Ein Gebäude für den Prior und ein Wirtschaftstrakt ergänzten die kleine Klosteranlage.

Mit der Säkularisation des Hochstifts Würzburg durch das Kurfürstentum Bayern im Jahr 1803 mussten die Mönche ihren Engelgarten verlassen. Der letzte Würzburger Kartäuser starb 1836 im ehemaligen Minoritenkloster, das dem Konvent zum Aufenthalt diente. Ab 1825 beherbergten die ehemaligen Klostergebäude die ?Orthopädische Heilanstalt? und die ?Wasser- und Dampf-Badeanstalt? eines Dr. Mayer. 1853 wurde mit der Kartause auch die ab 1803 von der protestantischen Gemeinde, später als Brauhaus genutzte Kirche abgerissen, um Platz für den Bahnhof und die neue Ludwigstraße zu gewinnen. Nur die 1677 erbaute Mühle der Kartäuser in der Kapuzinerstr. 31 ist bis heute erhalten geblieben.

Einige Handschriften der Kartäuser bewahrt die Universitätsbibliothek Würzburg. Die Orgel versetzte man in die Pfarrkirche von Büchold. Drei Altäre kamen in die Pfarrkirche von Goßmannsdorf und erinnern noch an die Mönche, die aus dem Garten der Brüder Rüdiger und Wolfram Teufel einen ?Hortus Angelorum? gemacht hatten.

(Markus Schütz)



 

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