Würzburg, St. Anna


 

GESCHICHTE
St. Anna in Würzburg ? adlige Fräulein und Beamtentöchter

Das Damenstift St. Anna war das Vermächtnis der im Jahr 1690 verstorbenen Gräfin Anna von Dernbach. Als Vorbild sollte ursprünglich das flämische Doppelstift Munsterbilsen dienen, in dem sowohl Kanonissen als auch Kanoniker lebten. Tatsächlich orientierte mansich bei der Einrichtung des letzten vor der Säkularisation in Würzburg gegründeten Damenstifts aber an den süddeutschen Kanonissen. Bis zur offiziellen Einrichtung von St. Anna durch den Fürstbischof Johann Philipp von Greifenklau sollten jedoch noch mehr als zwanzig Jahre vergehen.

Ab 1714 lebten sechs adlige Damen unter Leitung einer Äbtissin als geistliche Gemeinschaft.

Nach der Satzung von 1714 galten als Aufnahmebedingungen ein Mindestalter von zwölf Jahren und eine adlige Abstammung von mindestens vier Generationen väterlicher- und mütterlicherseits. Die Stiftsdamen unterlagen keiner Klausur. Sie hatten jedoch eine Anwesenheitspflicht von mindestens acht Monaten pro Jahr. Erst 1763 wurde im Stift das gemeinsame Chorgebet verpflichtend eingeführt.

Das geistliche Zentrum des Stifts inmitten der Pfarrei St. Peter bildete die, auch ?Finstere Kapelle? genannte, Kirche ?Unsere Liebe Frau zur Goldenen Pforte bei dem Loche?. Dort waren vor 1714 die Vikare von Domstift, Stift Neumünster und Stift Haug ansässig gewesen.

Im Jahr 1751 bezogder Konvent den nach Plänen von Balthasar Neumann errichteten neuen Stiftsbau ?Am Graben?. Die Gebäude bei der ?Finsteren Kapelle? wurden 1756 an die Abtei Bildhausen abgegeben.

Bis zum 4. Juni 1803 unterstanden die Stiftsdamen dem Fürstbischof. Unter der ersten kurzen Herrschaft des Kurfürstentums Bayerns in Würzburg wurde das Anna-Stift 1803 mit dem gleichnamigen adligen Damenstift in München vereinigt und sein Vermögen durch Übertragung säkularisierter geistlicher Stiftungen in Würzburg sogar vermehrt. Die profanierte Stiftskirche beherbergte bis 1945 das Stadttheater.

Während der Regentschaft des Großherzogs von Toskana in Würzburg wurde das Stift 1807 wieder hergestellt und 1811 neu organisiert. Der Konvent von St. Anna in Würzburg verfügte nun über Pfründen für die Äbtissin, sieben adlige Fräulein und einundzwanzig Töchter aus bürgerlichen Beamtenfamilien ? die Führungsschicht des modernen Staates erneuerte so die alten Traditionen. Ab dem Jahr 1831 bekleideten die Titularwürde der Äbtissin von St. Anna Prinzessinnen aus dem bayerischen Königshaus. Bis zur Zerstörung der barocken Anlage im Bombenkrieg 1945 erfüllte das Stift seine ursprüngliche Aufgabe.

(Markus Schütz)



 

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