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Würzburg, Karmelitenkloster (OCarm)


 

GESCHICHTE
Die Beschuhten Karmeliten – Nachbarn des Würzburger Rathauses

Um die Mitte des 13. Jahrhunderts, vermutlich zur Zeit des Bischofs Iring von Reinstein-Homburg (reg. 1254-1265), ließ sich der Bettelorden der Karmeliten in Würzburg nieder. Die Mönche, später zur Unterscheidung vom „unbeschuhten“ Reformzweig ihres Ordens, die „Beschuhten“ Karmeliten genannt, errichteten ihr Kloster bei der Kirche St. Barbara, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Rathaus.

Bettelorden prägten, nach italienischem Vorbild, vom Hochmittelalter an die Frömmigkeit in den Städten. Mit seiner volkstümlichen Seelsorgepraxis, nicht zuletzt für die Bruderschaften der Handwerkerzünfte, wurde der Karmel bei St. Barbara mitten im Zentrum der Stadt für die Pfarrsprengel zu einer ernsthaften Konkurrenz. Konflikte mit den alten Pfarreien blieben nicht aus. Die Beliebtheit der Karmeliten bei den Laien äußerte sich vor allem im bürgerlichen Totengedenken, das reiche Stiftungen an das Klosters bewirkte. So gehörten dem Karmel bald Grundstücke und die Nikolauskapelle, letztere ursprünglich ein Tor der älteren Stadtmauer.

Mit dem Reichtum des Konvents, nicht der einzelnen Mönche, stieg der Einfluss des Klosters in der Stadt und meist behielten die Karmeliten bei Auseinandersetzungen die Oberhand. Das musste im Jahr 1471 auch der Würzburger Rat erfahren, als er ein Haus, den „Methof“,teuer vom Kloster kaufte, um das Rathaus erweitern zu können. Für das schwierige Miteinander im 15. Jahrhundert ist eine Beschwerde der Karmeliter von 1485 kennzeichnend. Sie warf dem Bürgermeister vor, man habe ein „heymlichs Gemache“, also einen Abtritt, dergestalt bauen lassen, dass der Luftabzug in der Trennwand zwischen Rathaus und Kloster den Mönchen absichtlich zum Verdruss diene.

Mit dem Abbruch der Nikolauskapelle 1674 begannen die Karmeliten das Stadtquartier neu zu ordnen und barock zu gestalten. Die in dieser Zeit neu errichtete Barbarakirche der Würzburger Karmeliten, wohl ein Werk des Baumeisters von Stift Haug – Antonio Petrini (gest. 1701) gilt als einer ersten barocken Sakralbauten in Franken. Ihm folgte ab 1719 ein kompletter Neubau des gesamten Klosters.

Im Jahr 1805 setzte die Säkularisation durch das Großherzogtum Toskana den Karmeliten von St. Barbara trotz ihrer Volksverbundenheit ein Ende. Das Kloster diente fortan als Quartier des Militärs, zuletzt als "Husarenkaserne". Die Kirche wurde als Salzmagazin genutzt. Die barocke Kanzel (um 1720) steht heute in der ehemaligen Kartause in Tückelshausen. 1822 erwarb die Stadt Würzburg den gesamten Klosterkomplex auf Abbruch für eineErweiterung des Rathauses.

(Markus Schütz)



 

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