Windberg


 

GESCHICHTE

 

Windberg, Prämonstratenserkloster – Kunstfertigkeit und Seelsorge

 

 

 

Der Ort ist nach dem Einsiedler Winith benannt, der hier der Legende zufolge im 10. Jahrhundert lebte. Auf dem Berg befand sich die Burg von Graf Albert von Windberg-Bogen. Er überließ um 1140 einer bereits hier lebenden Klerikergemeinschaft das Areal und die Gebäude, in denen diese sich ein Kloster errichtete. Albert siedelte mit seiner Familie nach Bogen und nannte sich in der Folgezeit nach diesem Ort. Das Geschlecht der Bogen starb 1242 aus.

 

Die Brüder in Windberg hatten sich noch vor 1142 dem Prämonstratenser-Orden angeschlossen, der 1121 in Prémontré (Nordfrankreich) vom hl. Norbert von Xanten begründet worden war. Um 1140 begann man in Windberg mit dem Bau einer dreischiffigen Basilika mit Flachdach, Querhaus und tonnengewölbtem Chor. Bereits zwei Jahre später wurden die drei Altäre in den Apsiden geweiht. Das Gotteshaus wurde 1167 zu Ehren Mariä Himmelfahrt konsekriert. Langhaus und Portale waren bis um 1230 fertig gestellt. Mitte des 13. Jahrhunderts kam der Turm dazu. Abt Gebhard (1146–1191), der erste und einer der bedeutendsten Äbte der Windberger Niederlassung, kam aus dem niederrheinischen Kloster Bedburg. Ihm ist es zu verdanken, dass sich in Windberg ein leistungsfähiges Skriptorium entwickelte. Die Handschriften, die heute in der Bayerischen Staatsbibliothek in München aufbewahrt werden, legen ein eindrucksvolles Zeugnis vom kulturellen Leben und der Kunstfertigkeit in der Frühzeit des Klosters ab.

 

Im Jahr 1146 erfolgte die Bestätigung durch Papst Eugen III. und die Erhebung zur Abtei. Nachdem die Chorherren 1196 die Reliquien des hl. Sabinus erwerben konnten, wurde dieser Heilige zum zweiten Patron der Klosterkirche. Unter Abt Gebhard richtete man 1147 einen Frauenkonvent für Gräfin Hedwig von Bogen, die verwitwete Gemahlin Graf Alberts I., ein. Die Adelige dotierte die Gründung mit eigenen Gütern. Das dazugehörige Gebäude und das Gotteshaus St. Blasius, das 1158 geweiht wurde, waren an die Abteikirche im Nordosten angebaut. Das Frauenkloster bestand bis Ende des 16. Jahrhunderts. Die St. Blasiuskirche diente seit dem Mittelalter bereits zusätzlich als Pfarrkirche.

 

Von Windberg aus wurden weite Gebiete im Bayerischen Wald seelsorgerisch betreut. Die Chorherren kümmerten sich um die Pfarreien St. Englmar, Viechtach, Albertskirchen bei Waltendorf und die schon zu Böhmen gehörigen Orte Albrechtsried und Schüttenhofen. Die Kirche und der Meierhof in Sossau, eine Schenkung der Grafen von Bogen, trugen wesentlich zu den wirtschaftlichen Grundlagen des Klosters bei. Bereits um 1300 entwickelte sich hier die Wallfahrt zu „Unsrer Lieben Frau von Sossau“, die damit zu den ältesten Marienwallfahrtsorten in Bayern zählt. Windberg erlebte im 15. Jahrhundert eine Blütezeit. 1414 erhielt Abt Nikolaus Lohamer die Pontifikalien verliehen. Abt Albert von Perchig (1436–1461) ließ die Klosterkirche mit gotischen Gewölben ausstatten. Die Mönche durften zum Studium nach Ingolstadt, Wien und Bologna reisen. Um 1504 zählte der Konvent 29 Mitglieder.

 

Im Landshuter Erbfolgekrieg wurde das Kloster Windberg 1504 schwer in Mitleidenschaft gezogen. Viele Klosterschätze und Güter mussten verkauft werden, um die hohen Abgaben an den bayerischen Herzog leisten zu können. Es folgten die Wirren der Reformationszeit, in denen einige Chorherren in Viechtach ihren Dienst quittierten. Nach einer Stabilisierungsphase erlitt das Kloster 1633 die Plünderung und Zerstörung durch die Schweden im Dreißigjährigen Krieg. Unter Abt Michael Fuchs (1634–1681) begann man mit den Reparaturen. Abt Augustinus Schmidbauer (1717–1732) leitete den Bau der bis heute bestehenden, barocken Klostergebäude. Aus Geldmangel musste man das Vorhaben allerdings halbfertig abbrechen. Auch ein geplanter Neubau der Klosterkirche im Stil des Barock wurde aus Geldmangel verworfen. Die letzte Blütezeit erlebte das Kloster unter dem Prälaten Bernhard Strelin (1735–1777), der aus Landau stammte. Er begann gleich bei Amtsantritt mit einer bescheidenen barocken Neugestaltung der Kirche, zu der der Laienbruder Fortunat Simon mit seinen kunstreichen Einlegearbeiten viel beitrug. Strelin ließ die Bibliothek und das Noviziat stuckieren, zahlreiche Pfarrhöfe und Kirchen erbauen und die Kirchen von Sossau, Gaishausen und St. Englmar renovieren. Unter seiner Leitung erlebte Windberg mit 43 Religiosen seine stärkste Besetzung. Der Abt förderte intensiv das Studium. Er war selbst Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in München sowie der Arkadischen Akademie in Rom. Seit 1781 unterrichteten die Windberger Chorherren am Jesuitengymnasium in Landshut und Straubing.

 

1803 musste der letzte Abt, Ignaz Breu (geb. 1840), die Aufhebung seines Klosters durch die Säkularisation erleben. Die Gemeinschaft der 31 Mönche, die damals im Kloster lebte, löste sich auf; das Klostergut wurde verkauft und mehrere Gebäude, darunter auch die Pfarrkirche St. Blasius, wurden abgerissen. Maximilian Stegmiller, der letzte Pater in Windberg, starb 1838 in Straubing. Die Stiftskirche fand in der Folgezeit als Pfarrkirche Verwendung. In das einstige Amtsgebäude des Prälaten zog der Pfarrhof ein. Der Konventbau fiel in Privatbesitz. In ihm wurde 1835 eine Brauerei eingerichtet. 1923 kaufte der Orden die Abtei zurück und ließ sie durch die holländische Abtei Berne-Heeswijk wieder besetzen. Seit dieser Zeit wirken erneut Prämonstratenser in Windberg und Umgebung als Seelsorger. 1971 eröffnete man ein Jugendhaus, das zu einer großen Jugendbildungsstätte ausgebaut wurde. Von Windberg aus wurde 1982 auch die Abtei Roggenburg wieder besiedelt. Thomas Handgrätinger stand als erster Abt nach der Säkularisation von 1994 bis 2003 an der Spitze der Gemeinschaft von Windberg. Nach seiner Wahl zum Generalabt des Ordens 2003 folgte ihm Hermann-Josef Kugler als 47. Abt von Windberg im Amt.

 

 

 

Christine Riedl-Valder

 

 

Link:

 

http://www.praemonstratenserabtei-windberg.de/

 



 

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AUS DEM HDBG-BILDARCHIV
Bildnis des Propstes Rudbert (reg. 1125-1140), Bild 1 einer Äbtereihe, Tafelbild, um 1589, Windberg, Prämonstratenserkloster, Pfarrhof/ehem. Prälatur.
Copyright: Haus der Bayerischen Geschichte, Augsburg (Voithenberg, G.)

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