Weißenburg


 

GESCHICHTE
Weißenburg ? Ein mittelalterliches Zentrum der Marienverehrung

Das Karmelitenkloster in Weißenburg wurde 1325 von Heinrich Herrn zu Heydeck mit Unterstützung durch den Eichstätter Bischof Graf Gebhard von Griesbach gegründet. Der Bettelorden der Karmeliten war unter Führung des französischen Kreuzfahrers Berthold (gest. 1195) am Berge Karmel ? einem Gebirgszug im Norden Israels ? entstanden. 1226 hatte Papst Honorius III. den Orden formal bestätigt. Das Hauptanliegen der geistlichen Gemeinschaft bestand in der Pflege und Verbreitung der Marienverehrung. Auch die Klosterkirche in Weißenburg war der Muttergottes geweiht. Im alten Konventsiegel sieht man daher einen Mönch in Anbetung der thronenden Madonna mit Jesuskind und Verkündigungsengel. Um 1350 musste man die Klosterkirche und die Gebäude nach einem 1347 erfolgten Brand neu errichten. Dazu erhielt der Konvent eine finanzielle Unterstützung vom Orden.

Zu der knapp zweihundert Jahre währenden Geschichte der Karmeliten von Weißenburg haben sich nur wenige Aufzeichnungen erhalten. Offensichtlich handelte es sich um ein sehr armes Kloster, denn es hatte große Schulden bei der Provinzverwaltung des Ordens, die 1513 völlig erlassen wurden. Als sich die Reichsstadt Weißenburg der Reformation anschloss, wurde das Kloster unter weltliche Verwaltung gestellt. Viele Karmeliten wurden selbst zu Trägern der Reformation. Es ist nicht bekannt, wann der letzte Mönch den Konvent verlassen hat; für das Jahr 1544 vermerkt ist jedenfalls die Profanierung der Klosteranlage.

1670 renovierte man die Kirche und schon 1711 folgte eine zweite Instandsetzung. Dabei wurde im Langhaus anstelle des Tonnengewölbes eine Spiegeldecke eingezogen. 1729 veranlasste die Stadt eine Barockisierung des Baus durch Künstler aus der Region. Eine Zeitlang diente die Kirche dann als evangelische Kinder-Lehranstalt. Die Kircheneinrichtung wurde im 19. Jahrhundert größtenteils verkauft.

Heute erinnern im ehemaligen Kirchenraum nur noch bedeutende gotische Wandgemälde im früheren Chor aus der Zeit um 1400 an die Klosterzeit. Besonderes Interesse verdient dabei die seltene Figur einer so genannten heiligen Kümmernis. Die zum christlichen Glauben bekehrte Prinzessin habe sich ? so die Legende ? geweigert einen Heiden zu heiraten. Um ihre Standhaftigkeit zu unterstützen, verlieh ihr Gott die Gestalt eines bärtigen Mannes, bevor sie das Martyrium am Kreuz erlitt. (Die hl. Kümmernis war tatsächlich aber nur eine spätere Fehlinterpretation der Darstellung Christi als König am Kreuz.) In den Jahren 1981 bis 1983 erfolgte der Umbau des Sakralraums zu einem Kulturzentrum.

Die erhaltenen Konventgebäude aus der Mitte des 14. Jahrhunderts sind um einen Hof gruppiert. In einem Verbindungsgang hat man Freskenfragmente aus der Mitte des 15. Jahrhunderts freigelegt. Im Erdgeschoss befindet sich das einstige Refektorium mit gotischen Fenstern. Die Gartenanlage des Klosters wurde seit der Profanierung unterschiedlich genutzt, u. a. als Spiel- und Nutzgarten des ersten Weißenburger Kindergartens im 19. Jahrhundert, zuletzt als gepflasterter Lagerhof einer Brauerei. Nach dem Ankauf durch die Stadt (1991) erfolgte die Neugestaltung (1999/2000) in Anlehnung an historische Vorbilder. Heute ist der Garten allgemein zugänglich.

(Christine Riedl-Valder)



 

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