Tölz


 

GESCHICHTE

Tölzer Franziskaner - Prediger im Isarwinkel 

Mitten im Dreißigjährigen Krieg entstand 1624 die Niederlassung der Franziskaner in Tölz. Ihr Initiator war der Pflegrichter Julius Cäsar Crivelli. Dessen Vetter Johann Baptist Crivelli diente dem Herzog und nachmaligen Kurfürsten Maximilian als Diplomat beim Vatikan. Maßgeblich hatte Crivelli für die Einführung der so genannten Reformaten der Franziskaner in Bayern gesorgt. So wurde Tölz die erste Neugründung für die Reformaten im Kurfürstentum. 
Das neue Kloster sollte auf dem so genannten Gries entstehen, einer bescheidenen Siedlung für Flößer, Fischer und Tagelöhner. Sie lag durch die Isar getrennt von dem eigentlichen Marktort der vermögenden Kaufleute und Bierbrauer. Auf dem Gries hatte bereits wenige Jahre zuvor (1618) Herzog Maximilian einen Friedhof nebst einer Kapelle zur Heiligsten Dreifaltigkeit errichten lassen. Der Markt Tölz und die Abtei Tegernsee als Grundbesitzer des Bauplatzes stimmten dem Wunsch des Landesherrn zur Ansiedlung der Franziskaner rasch zu. 
Von 1624 bis 1626 errichtete der tatkräftige Pater Joseph a Scalvo das "Klösterl". Er war, wie die meisten der ersten Reformaten in Bayern, gebürtiger Italiener. Ihm folgte 1626 als erster Guardian der Pater Bernadin Graf von Arco. 1653 verzichtete Tölz auf das Eigentum an der Friedhofskapelle am Gries. Dies ermöglichte 1660/61 einen ersten Aus- und Umbau der Klosterkirche. 
Die Franziskaner übernahmen bald den Predigtdienst in der Tölzer Pfarrkirche und versahen ihn bis zum Frühjahr 1802. Sie waren als Beichtväter beliebt und in der Krankenseelsorge tätig. Den Lebensunterhalt gewährte das regelmäßige "Termieren", also das Einsammeln von Spenden. Dazu kamen ständige Naturalienstiftungen des Münchner Hofs. Ab 1694 betrieben die Franziskaner auch eine Brauerei. 
Das Klosteranlage in der heute noch größtenteils erhaltenen Form stammt aus den Jahren 1733 bis 1735. Die barocke Innenausstattung der äußerlich schmucklosen Kirche war um 1740 abgeschlossen. In ihrem einfachen Stil handelt sich um eine typische Franziskanerkirche. Vermutlich entwarf sie der Franziskanerbruder und Mauerer Aichardus Holzleitner aus dem Konvent Dingolfing. Auch manche Innenarbeiten leisteten wohl kunsthandwerklich geschickte Fratres des Ordens. Die Gemälde des Hochaltars fertigte indes der Münchner Hofmaler Franz Josef Winter. Von dem Tölzer Bildhauer Joseph Anton Fröhlich, zugleich ein weltlicher Terziare des Franziskanerordens, stammen die charakteristischen Reliefs der Seitenaltäre. Die erst 1958 eingebaute Kanzel aus dem 18. Jahrhundert kam hingegen aus einer Kapelle in Österreich. 
Während des österreichischen Erbfolgekriegs wurde der Isarwinkel im Jahr 1742 von den Panduren des gefürchteten Oberst von der Trenck heim gesucht. Nicht zuletzt der Vermittlung seiner Franziskaner verdankte Tölz eine relativ glimpfliche Behandlung. 
Am 8. Februar 1802 wurde den Franziskanern in Tölz die Auflösung ihres Konvents verkündet. Vier aus Frankreich emigrierte Franziskaner mußten das Kloster sofort verlassen. Auch zwei gebürtige Regensburger wurden als "Ausländer" des Landes verwiesen. Zwei Brüder wurden aufgrund ihres hohen Alters zur Versorgung in die Klöster Schlehdorf bzw. Benediktbeuern geschickt. Ein weiterer Bruder begann das Studium der Theologie an der Universität in Landshut, um als Weltpriester eingesetzt werden zu können. 
Durch kurfürstliche Weisung vom 22. Mai 1802 wurde der Konvent in Tölz, mit elf Patres und vier Brüdern, bis auf weiteres als eines der verbleibenden "Zentralklöster" des Ordens vorgesehen. Durch Zuweisung von neunzehn Patres und einem Frater aus Altötting, Neuötting und Reutberg befanden sich nun insgesamt 35 Mönche im Kloster; von ihnen verließen später dreizehn den Orden. Schon am 20. Oktober 1802 wurde aber der Fortbestand des Konvents in Tölz widerrufen. In mehreren Gruppen wurden die Patres auf die Aussterbeklöster Ingolstadt und Neukirchen-Heiligblut verteilt. Die fünf Laienbrüder mussten von Prälatenklöstern versorgt werden. 
Mit der Abreise der letzten fünf Patres aus Tölz am 29. Oktober 1802 begann die Räumung der Gebäude. Von der mit 7.000 Bänden recht umfangreichen Bibliothek kamen 109 Bücher in die heutige Staatsbibliothek und 52 Bände in den Bestand der Universität München (damals: Landshut). Die große Masse der Schriften hingegen befand der zuständige Schulinspektor, übrigens ein ehemaliger Augustinerchorherr aus Polling, wegen "Unterhaltung des Aberglaubens" nur noch für die Papiermühle geeignet. Nach längeren Verhandlungen erhielt im Sommer 1804 die Pfarrei Tölz die Franziskanerkirche nebst Friedhof als Filialkirche auf Kostender Marktgemeinde. Diese erwarb auch günstig den Konventtrakt als neues Schulhaus. Einheimische Privatleute kauften verschiedene Nebengebäude und Gartenparzellen des Klosters. 
Das Wirken der Franziskaner war bei den Bewohnern des Isarwinkels in den 1820er-Jahren noch in lebhafter Erinnerung. Der Markt Tölz und das Umland begrüßten daher 1826 die Initiative einiger Privatleute zur Neubegründung des Konvents, ebenso das Erzbischöfliche Ordinariat in München. So genehmigte König Ludwig I. bereits im August 1827 den Plan, sofern die Gemeinden für den Lebensunterhalt der Mönche aufkämen. 
Zunächst musste noch die im alten Kloster bisher untergebrachte Volksschule anderweitig versorgt worden werden. Auch besaß die bayerische Franziskanerprovinz noch zuwenig Personal. Erst am 14. Juni 1829 bezogen ein Pater und ein Laienbruder das neue Hospiz. Sie erhielten in den folgenden Jahren Verstärkung. 1836 erhob Ludwig I. das Kloster Tölz in den Rang eines Konvents.

( Christian Lankes )



 

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