Sulz


 

GESCHICHTE

Stift Sulz ? standesgemäße Versorgung für adlige Damen

Das Frauenstift Sulz in der Gemeinde Dombühl (Kreis Ansbach) wurde um 1200 gegründet und als Mitglied der Prämonstratenser-Zirkarie Ilgeld dem Abt von Zell bei Würzburg unterstellt. Über die ersten Jahrzehnte des Chorfrauenkonvents existieren keine Nachrichten, da das Archiv mitsamt der ganzen Anlage bei einem Brand im Jahr 1260 zerstört wurde.

Als Schutzvögte des Konvents fungierten die Burggrafen von Nürnberg, die späteren Markgrafen von Brandenburg und Ansbach. Ein Chorherr aus der Abtei Oberzell betreute die Schwestern; zumeist übte er zugleich das Amt des Propstes über die Chorfrauen aus. Das kleine, aber vermögende Stift hatte durchwegs adlige Mitglieder, die ansehnliche Vermögen mitbrachten. Die Vorsteherin führte den Titel ?magistra et abbatissa?. Später nannte man sie auch ?Frau von Sulz?. Sie verfügte über eine stattliche Wohnung, um das Frauenstift angemessen repräsentieren zu können. In ihrer Hand lagen die Stiftsverwaltung, die Kassenführung, die Kontakte zur Außenwelt sowie die Disziplinargewalt über alle Chorfrauen. In Sulz fanden die unverheirateten Töchter des umliegenden Adels ihr standesgemäßes Auskommen. Bis zu zwölf Prämonstratenserinnen verbrachten hier ihre Zeit mit Beten und der Arbeit am Spinnrad. Die Namensliste der Meisterinnen liest sich wie ein fränkischer Adelsalmanach: von Brugberg, Rotenburk, Stetten, Ödendorf, Vinsterloe, Wallenhausen, Seckendorf, Crailsheim, Aufsess, Lobenhausen u. a. Eine von ihnen ereilte ein großes Unglück: Die Vorsteherin Margarete von Vinsterloe kam 1425 auf einer Reise bei einem Brand in einer Herberge in Nürnberg ums Leben. Wichtige Dokumente, die sie mit sich geführt hatte, fielen dem Brand zum Opfer.

In den ersten Jahrzehnten des 14. Jahrhunderts erfolgte der Neubau der Kirche St. Maria. Unter der Meisterin Brigitta von Aufseß brannte die Kirche zweimal ab. Der um 1500 erfolgte Feuerschaden konnte bis 1504 vollständig repariert werden. Die wenig später erlittenen Zerstörungen im Bauernkrieg 1525 waren jedoch so nachhaltig, dass das Gebäude bis 1573 als Ruine dastand. Nachdem das Kloster durch das Landvolk völlig ausgeraubt worden war (der ganze Bestand an Vieh, Pferden, Getreide, Heu, Stroh und selbst die Federbetten gingen verloren), flüchteten die meisten Stiftsdamen zurück zu ihren Familien.

Wenig später fiel Kloster Sulz der Reformation zum Opfer. Im Jahr 1531 wurde durch den Markgrafen von Ansbach die Säkularisation der geistlichen Gemeinschaft in die Wege geleitet und mit dem Tod der letzten ?Frau von Sulz?, Barbara von Seckendorf, 1556 abgeschlossen. Der Ansbacher Landtag hatte schon 1539 den Stiftsbesitz zur Finanzierung einer zu gründenden Universität in Feuchtwangen bestimmt. Als sich dieses Projekt zerschlagen hatte, wurde das südlich an die Kirche anschließende zweistöckige Konventgebäude zuerst als markgräfliches Jagdhaus, später als Schule genutzt. Im Lauf der Zeit hat man es den wechselnden Bedürfnissen immer wieder angepasst und durch Umbauten stark verändert. Auf das frühere Stift der Prämonstratenserinnen verweisen heute lediglich zwei Spitzbogentüren aus dem 14. Jahrhundert. 1573 erfolgte die Wiederherstellung der ehemaligen Stiftskirche als evangelische Pfarrkirche. Ein der Donau-Schule nahe stehendes Holzepitaph aus der Zeit um 1520 erinnert darin noch an das Wirken der Pämonstratenserinnen in Sulz.

(Christine Riedl-Valder)



 

SUCHE

LAGE IN BAYERN
Kartenausschnitt in Google Maps anzeigen