Straubing, Ursulinenkloster


 

GESCHICHTE
Das Ursulinenkloster in Straubing ? Bildung für die weibliche Jugend

Während die Straubinger Knaben seit 1631 bei den Jesuiten unterrichtet wurden, gab es keine entsprechende Bildungsstätte für die Mädchen. Mit der Bitte um Unterstützung in dieser Angelegenheit wandten sich daher die Straubinger Bürger und der Klerus an das Landshuter Ursulinenkloster (gegründet 1668). 1691 erwarb der Konvent ein Haus des Baron Riesenfeld hinter dem Karmeliterkloster an der Stadtmauer. Dort wurden die Klosterräumlichkeiten und eine Kapelle untergebracht. Der Schule wurde bald ein Institut für Heimschülerinnen angeschlossen. Die Oberin Maria Magdalena von Empach, Tochter eines Münchner Bürgermeisters, gewann die Künstlerfamilie Asam für ihr Kloster. Deshalb befanden sich unter den Zöglingen der Straubinger Ursulinen auch zwei Töchter des berühmten Barockmalers Cosmas Damian Asam; die jüngere trat schließlich in das Kloster ein. Man verrechnete die Künstlerhonorare für die neueKlosterkirche ? die letzte gemeinsame Schöpfung der Gebrüder Asam ? mit der Zuwendung für Mitgift und Einkleidung an das Kloster. Die 1736 begonnene und 1741 vollendete Kirche der Ursulinen in Straubing, geweiht der Unbefleckten Empfängnis Mariä, gilt als eine der schönsten und prunkvollstenRokokoschöpfungen des Landes. Ihr kreuzförmiger Zentralbau erwies sich als wegweisend für die Raumkonzeption der folgenden Jahrzehnte. Architektur und Stuck stammen von Egid Quirin Asam, die Fresken, die u.a. die Legende der Ordensgründerin St. Ursula illustrieren, und die Altarblätter schuf Cosmas Damian Asam. Nach dessen Tod 1739 vollendete der Bruder das Werk.

Nach der formellen Aufhebung ihres Klosters im Jahr 1809 lebten die Schwestern weiterhin in Gemeinschaft zusammen. Ihr Haus wurde zum Zentralkloster erklärt und erhielt Zuwachs durch die Ursulinen aus Landshut. König Ludwig I. und Bischof Johann Michael Sailer setzten sich für sie ein, 1827 wurde das Ursulinenkloster wieder eröffnet. Schule und Internat blühten rasch wieder auf. 1858 konnten die Straubinger Ursulinen sogar Schwestern zur Klostergründung nach Amerika in Louisville/Kentucky schicken. 1867 eröffneten sie die erste Lehrerinnenbildungsanstalt in Straubing und wenig später das Mädchenlyzeum (das spätere Gymnasium). 1924 kam die erste Handelsschule dazu. 1938/39 wurden die Schulen erneut aufgelöst bzw. unter weltlicher Leitung weitergeführt. Doch schon 1945 kehrten die Schwestern wieder in Schulen und Internat zurück.

Heute ist der Konvent Schulträger für drei Privatschulen: Gymnasium (neusprachlich und sozialwissenschaftlich), Mädchenrealschule und Fachakademie für Sozialpädagogik. Ein Internat und ein Tagesheim sind angeschlossen. Dazu kommt noch ein Kindergarten. Rund 1100 Mädchen besuchen derzeit das Ursulinen-Institut in Straubing.

(Christine Riedl-Valder)



 

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AUS DEM HDBG-BILDARCHIV
Gründerinnen des Straubinger Ursulinenklosters, Ölgemälde, 1691, Straubing, Ursulinenkloster.
Copyright: Haus der Bayerischen Geschichte, Augsburg (Voithenberg, G.)

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