Speinshart


 

GESCHICHTE

Speinshart - Dreimal Prämonstratenserstift

Im Hochmittelalter trennte das ausgedehnte Waldgebiet des Speinshart den bayerischen Nordgau von Franken. Hier gründete auf bayerischer Seite gemäß der Überlieferung im Jahr 1145 die Adelsfamilie der Reifenberger ein Kloster.
Hauptstifter waren Adelvolk und seine Frau Richenza. Das kinderlose Paar wurde unterstützt durch Adelvolks Brüder - Eberhard, später Bischof von Bamberg, und Reinhold. 1163 nennt eine Urkunde Speinshart als Niederlassung von Chorherren. In dem gleichen Privileg erklärte Kaiser Friedrich I. Barbarossa das Stift zum Reichskloster unter kaiserlicher Vogtei.
Die Präsenz der Prämonstratenser in Speinshart ist spätestens ab 1181 durch die Nennung in einem päpstlichen Schutzbrief gesichert. Die Tradition berichtet von einer Besetzung aus Stift Wilten bei Innsbruck. Die ursprüngliche Lage des Klosters in einem Moor entsprach auch einer Spezialität des Ordens aus Prémontré. Die Bevölkerung rund um die Propstei könnte in dieser Zeit teilweise noch aus Slawen bestanden haben. Denn zahlreiche Fundstücke des 10. Jahrhunderts beim Vorgängerbau der heutigen Wallfahrtskirche Barbaraberg dokumentieren ihre Präsenz.
Speinshart, seit 1459 im Rang einer Abtei mit Pontifikalien, wahrte noch im 16. Jahrhundert adlige Exklusivität. Die relative Armut des Konvents machte ihn aber für Edelleute immer weniger attraktiv. So lebten 1552 nur noch drei Chorherren im Stift. 1554 führte Abt Johann Georg von Gleißenthal die Lehre Luthers ein und berief einen in Wittenberg ausgebildeten Prediger. 1556 erhielt der Prälat die Erlaubnis seines Landesherrn, Kurfürst Ottheinrich von der Pfalz, zur Ehe. 1557 bezog Herr von Gleißenthal mit seiner Familie das aufgehobene Franziskanerkloster Amberg als Wohnsitz. Er blieb nominell "Abt" auf Lebenszeit. Das "Kloster" wurde aber durch kurfürstliche Beamte verwaltet und war de facto säkularisiert.
Nach der Rekatholisierung der Oberpfalz ließ sich die Münchner Landesregierung mit einer Wiederbelebung der Klöster viel Zeit. Im Gegensatz zu Ober- und Niederbayern sollten hier die Prälaten keine ständischen Mitspracherechte mehr erhalten. Sie wurden aus fürstlicher "Gnade" restituiert und damit Eigenklöster des Landesherrn.
1661 zogen einige Prämonstratenser aus Steingaden in das fast verfallene Kloster. Erst 1669 erlangte Speinshart den Status eines Priorats von Steingaden. 1691 wurde Speinshart wieder zur Abtei erhoben.
Ab 1674 entstanden neue Gebäude für den Konvent. Die moderne barocke Vierflügelanlage fand erst 1713 ihren Abschluss. Von 1692 bis 1698 arbeitete Wolfgang Dientzenhofer am Umbau der noch spätgotischen Abteikirche im Stil des Barock. Von 1695 bis 1699 übernahmen die Brüder Carlo und Bartholomeo Lucchese die Ausgestaltung des Sakralraums.

Besonderes Engagement widmete die Abtei im Barock der Volksfrömmigkeit. Dazu belebten die Prämonstratenser nach 1684 die mittelalterliche Wallfahrt auf den Barbaraberg. Der Speinsharter Pater Hugo Strauß schuf hier als ausgebildeter Architekt von 1741 bis 1756 im Stil des Rokoko eine neue Kirche und eine Sommerfrische für den Konvent. Nach dem Vorbild der "Wieskirche" des Mutterklosters Steingaden propagierte Speinshart die Andacht zum gegeißelten Heiland.
Die Seelsorgetätigkeit bestimmte im wesentlichen das Dasein der Prämonstratenser. Sie betrieben zudem ihre Landwirtschaft so erfolgreich, dass die Abtei im 18. Jahrhundert, ganz im Gegensatz zu Steingaden, schuldenfrei war.
Die zweite Säkularisation traf in Speinshart ganz im Gegensatz zum 16. Jahrhundert eine unauffällige, aber intakte klösterliche Gemeinschaft. Bereits am 21. Februar 1802 beschlagnahmte eine kurfürstliche Kommission die Kassen der Abtei und vereidigte den Klosterrichter als staatlichen "Administrator". Die Liegenschaften des Klosters wurden topografisch exakt erfasst.
Am 25. April 1803 verkündete der Administrator dem Konvent die Aufhebung. Im Kloster lebten einschließlich des Abts 23 Patres und zwei Laienbrüder. Ein großer Teil der Patres übernahm in der Folge Seelsorgerstellen, insbesondere auf dem Kreuzberg bei Schwandorf.
Die Abteikirche diente fortan als Pfarrkirche. Zahlreiche kleinere Klostergebäude und -gründe erwarben Ortsansässige.
Die Sichtung der ehemaligen Klosterbibliothek erfolgte erst 1806/07. Knapp 1900 Bände bildeten einen geschlossenen Gründungsbestand für die "königliche Provinzialbibliothek" bzw. heutige Staatsbibliothek Amberg.

1921 begründete das Prämonstratenserstift Tepl im Egerland das Kloster neu. Hierbei erwarb sich der Münchner Domherr und Kunsthistoriker Michael Hartig besondere Verdienste. Im Kriegsjahr 1944 wurde Speinshart wieder zur Abtei erhoben.

( Christian Lankes )



 

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