Solnhofen


 

GESCHICHTE

Solnhofen ? Wirkungsstätte des fränkischen Heiligen Sola

Solnhofen an der Altmühl gehört wie das nahe gelegene Heidenheim zu den ältesten Klostergründungen Bayerns. Seine Anfänge reichen bis in die Zeit des hl. Bonifaz (um 672?754) zurück, der seine gesamte Verwandtschaft aus England mobilisiert hatte, um Franken zu missionieren. Einer seiner Gehilfen war der angelsächsische Priester Sola (Sualo). Er lebte zuerst als Mönch im Benediktinerkloster Fulda. Dann wurde er von Bonifaz in die Gegend des heutigen Solnhofen geschickt. Hier erbaute Sola Mitte des 8. Jahrhunderts mit Unterstützung der beiden Brüder Willibald (von Bonifaz als erster Bischof von Eichstätt eingesetzt; gest. 787) und Wunibald (Gründer der Abtei Heidenheim; gest. 761) eine Zelle und ein Bethaus und betätigte sich als Seelsorger. Karl der Große besuchte im Jahr 793 den Eremiten Sola auf seiner Reise von Regensburg zum Königshof in Weißenburg. Von dort aus inspizierte er die Arbeiten an der Fossa Carolina, dem Verbindungskanal zwischen Rezat und Altmühl, mit dem er einen Wasserweg zwischen Main und Donau anlegen wollte. In Anerkennung der Leistungen Solas schenkte Karl der Große ihm das Land um seine Missionsstation.

Kurz vor seinem Tod im Jahr 794 überschrieb Sola seinen Besitz ?Husen? (= Solnhofen) und seine in Alemannien und Bayern gelegenen Güter dem Kloster Fulda, der Stiftung und letzten Ruhestätte des hl. Bonifatius. Erst mit der Übernahme durch dieses bedeutende Benediktinerkloster entwickelte sich in Solnhofen klösterliches Leben. Bald nach dem Tod des Eremiten errichteten die ersten Mönche der Propstei eine wesentlich größere Saalkirche und die ersten Mönchszellen. Der Fuldaer Abt Rabanus Maurus baute mit Unterstützung Kaiser Ludwigs des Frommen das Zweigkloster aus. Auf Bitten des Abtes hin schenkte der Kaiser der ?Cella? Solnhofen 19 Ländereien mit Fron- und Salhöfen (die Orte sind über die heutigen Landkreise Weißenburg-Gunzenhausen, Eichstätt und Donau-Ries verteilt). Die Klosteranlage wurde in der Folgezeit mehrfach erweitert und umgebaut. 819 weihte Bischof Agan von Eichstätt die dreischiffige, flach gedeckte Klosterbasilika zu Ehren des Erlösers ein. Sein Neffe Gundhram, der von 820 bis 834 als Hofkaplan Ludwigs des Frommen tätig war, leitete um 838 das Kloster als Propst. Der Eichstätter Bischof Altwin erlaubte ihm, das Grab des Eremiten Sola an der nördlichen Außenwand der Klosterkirche zu öffnen und dessen Gebeine würdig in einer Tumba zu bestatten. Dies entsprach der Heiligsprechung des Eremiten. Sein Festtag ist seitdem der 5. Dezember.

Erst im 12. Jahrhundert erlangten die fuldischen Propsteien eine gewisse Selbstständigkeit. An der Spitze stand der Propst (er war zumeist aus adligem Geschlecht), der den Grundbesitz zu verwalten und die Klosteruntertanen zu betreuen hatte. Über die Größe des Solnhofer Konvents haben sich keine Quellen erhalten. Den Statuten der Aachener Synode aus dem Jahr 817 zufolge musste ein Nebenkloster aber mit mindestens sechs Mönchen besetzt sein. Den wirtschaftlichen Mittelpunkt des Klosters bildete der Königshof, zu dem 20 Fronhöfe gehörten. Die Vogtei über die Propstei Solnhofen übten die Grafen von Truhendingen bis zu ihrem Aussterben 1424 aus. Spätestens ab 1440 ging diese Aufgabe an die Burggrafen von Nürnberg und ihre Nachfolger, die Markgrafen von Brandenburg-Ansbach, über. 1434 bestätigte Kaiser Sigismund dem Propst und Konvent noch einmal sämtliche Freiheiten.

In den Wirren der Reformation kam auch das klösterliche Leben in Solnhofen zum Erliegen. Die Reliquien des hl. Sola gingen damals verloren. Durch Markgraf Kasimir von Brandenburg wurde Solnhofen schon 1525 vorübergehend säkularisiert. 1533 trat Propst Willibald Zeller zum protestantischen Glauben über. Im gleichen Jahr setzte dann Markgraf Georg von Brandenburg-Ansbach den letzten Propst, Jakob Jäger, ab und führte auch in Solnhofen die neue Kirchenordnung ein. Seit 1538 verwaltete ein weltliches Klosteramt die Güter. Die Mönche wurden aufgefordert, das Kloster zu verlassen. Heute ist von den Gebäuden nichts mehr erhalten.

Im Jahr 1783 drohte die ehemalige Klosterkirche einzustürzen und wurde abgetragen. Erhalten blieb nur der Westteil mit der Tumba des hl. Sola. Daneben hat man eine evangelische Pfarrkirche im Markgrafenstil errichtet. In den Neubau wurde der aus kleinteiligen Quadern aufgemauerte Turm der einstigen karolingischen Basilika einbezogen. Die restaurierten Reste der Sola-Basilika mit ihren Säulen und bauplastischen Elementen aus karolingischer Zeit gehören heute zu den ältesten Baudenkmälern Deutschlands. Darunter befinden sich auch die frühesten Beispiele für die Verwendung von Stuckmaterial in unserem Raum. Das Sola-Grab ist eine der größten kirchen- und kunstgeschichtlichen Sehenswürdigkeiten Mittelfrankens. Von einem regen Kunstschaffen des frühmittelalterlichen Klosters zeugt auch ein hervorragend gearbeitetes antikisierendes Rundrelief aus Gipsstuck, vermutlich eine allegorische Darstellung des Stifters Ludwig des Frommen, das sich einst im Kloster befand und heute als Kopie am Pfarrhaus zu sehen ist (das Original befindet sich als Leihgabe im Bayerischen Nationalmuseum in München).

(Christine Riedl-Valder)



 

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