Schmerlenbach


 

GESCHICHTE
Schmerlenbach – Benediktinerinnen im Geist von Cîteaux

Gottfried von Kugelnberg (gest. 1219), Propst zu Mockstadt bei Büdingen und Domherr zu Würzburg, stiftete im Jahr 1218 das Frauenkloster Schmerlenbach aufgrund eines Gelübdes. Die Überreste des ursprünglich „St. Maria in Hagen“ genannten Klosters gehören heute zur Gemeinde Hösbach bei Aschaffenburg. Im Jahr 1240 gab die Lage am Schmerlenbach dem Kloster seinen endgültigen Namen.

1219 bestätigte der Mainzer Erzbischof Siegfried II. (reg. 1200–1230) die Gründung des Frauenkonvents und stellte ihn unter seinen Schutz. Die Besiedlung erfolgte durch Wechterswinkel in der Rhön. Es waren Benediktinerinnen, die zeitweise nach den strengeren Regeln von Cîteaux lebten. Der Konvent wurde jedoch nie in den Orden der Zisterzienser inkorporiert. Die seelsorgliche Betreuung für Schmerlenbach oblag den Benediktinerklöstern Seligenstadt und Amorbach, zeitweise auch Neustadt am Main.

In seinen Anfängen wurde das Kloster Schmerlenbach reich dotiert vom Adelsgeschlecht der Kugelnberger, benannt nach ihrer Stammburg auf dem Kugelberg nahe Goldbach. Die in der Mitte des 13. Jahrhunderts ausgestorbenen Kugelnberger sahen Schmerlenbach als Hauskloster und verschafften ihm deshalb Besitz und Herrschaftsrechte in über 90 Ortschaften der näheren Umgebung. Für einige Zeit versuchte Schmerlenbach in den Schutz des Reichs zu gelangen: 1309 stellte Kaiser Heinrich VII. den Konvent unter seinen Schutz und befreite ihn von allen Abgaben und Lasten. Bald konnte sich jedoch der Erzbischof von Mainz, Peter Aspelt (reg. 1306–1320), durchsetzen. Er verfügte im Jahr 1313, dass künftig nicht mehr als 32 Nonnen im Kloster aufgenommen werden durften.

Wiederholt schwankte im Konvent das Gefühl der Ordenszugehörigkeit. Obwohl ab dem ausklingenden 13. Jahrhundert meist als ein Kloster der Benediktinerinnen geführt, wurde Schmerlenbach 1502 letztmals unter die Zisterzienserinnen gezählt. Erst die Äbtissin Elisabeth von Wertheim (reg. 1477–1525) schloss den Konvent endgültig den Benediktinern der Bursfelder Kongregation an. In dieser Zeit wurde Schmerlenbach mit einer Mauer umschlossen und einige neue Gebäude errichtet.

Die unruhige Zeit des 16. Jahrhunderts mit Reformation und Bauernkrieg überstand das Kloster gut. Kritisch wurde die Lage dagegen im Dreißigjährigen Krieg. 1638 machten einem Visitationsbericht zufolge schwedische Soldateska und „Hanauer Räuber“ dem Konvent zu schaffen. Die Äbtissin Eva Franziska von Reigersberg (reg. 1638–1652) versuchte danach die klösterliche Zucht wieder herzustellen, wurde aber wegen ihrer strengen Maßnahmen abgesetzt.

Das Ende des Dreißigjährigen Kriegs und eine längere Phase wirtschaftlichen Aufschwungs schufen in Franken in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts ein bau- und kunstfreudiges Klima. In Schmerlenbach wurde ab 1691 das Dormitorium erneuert. Bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts folgten die übrigen Gebäude.

Unter der Äbtissin Engelberta von Roden (reg. 1755–1800) wurde die der hl. Agatha geweihte Kirche weitgehend erneuert. Ihre Architektur übersetzt Motive von Balthasar Neumann in eine handwerkliche Sprache. Dem saalartigen, schmalen Langhaus folgt ein eingezogener Chor über quadratischem Grundriss. In seinen flachkuppeligen Gewölben finden sich 1759 datierte Deckenbilder. Sie stellen im Langhaus die Verherrlichung des hl. Benedikt und dessen Missionswerk in den vier Erdteilen sowie im Chor die Hl. Dreifaltigkeit dar. Die Altäre und die Kanzel stammen aus dem ersten Drittel des 18. Jahrhunderts.

Unter seiner letzten Äbtissin Maria Antonia von Syrenburg (reg. 1800–1803) wurde der Nonnenkonvent in der Säkularisation des Jahres 1803 aufgelöst. Gebäude und Liegenschaften erhielt der letzte Kurfürst-Erzbischof von Mainz und nunmehrige Bischof von Regensburg Karl von Dalberg als Entschädigung für verlorene linksrheinische Gebiete. Dalberg errichtete 1807 in Schmerlenbach eine Stiftung für ein Priesterseminar in Aschaffenburg. 1812 wurde der Ort zur Pfarrei erhoben und ein „Korrektionshaus“ für Geistliche angegliedert.

Im Lauf der folgenden 150 Jahre verfielen die Gebäude jedoch immer mehr. Sie wurden in den siebziger-Jahren des 20. Jahrhunderts bis auf die Kirche zum großen Teil abgebrochen.

1982 ging der Komplex in das Eigentum der Diözese Würzburg über. Unter Einbeziehung zahlreicher Neubauten wurde 1985 das Bildungs- und Exerzitienhaus „Maria an der Sonne“ 1985 eröffnet. Es wird seitdem von Pallotiner-Mönchen betreut.

Zu den kunstgeschichtlichen Hauptwerken von Schmerlenbach zählt eine aus Ton geschaffene Madonna in der Art der „Schönen Madonnen“ des beginnenden 15. Jahrhunderts. Sie weist große Nähe zur „Madonna aus Venedig“ im Düsseldorfer Kunstmuseum auf. Legendären Charakter hat das nur 30 cm hohe Gnadenbild der „Muttergottes von Schmerlenbach“, das um 1380 zu datieren ist. Im Volksmund wird ein Mitleid heischendes Mienenspiel gemeinhin mit dem Blick dieser Figur verglichen. 1960 hat eine durchgreifende Restaurierung dem vielfach übermalten spätgotischen Vesperbild sein ursprüngliches Aussehen zurückgegeben. Spätestens seit 1518 ist eine Wallfahrt zu diesem Gnadenbild überliefert, die zunächst lediglich regionalen Charakter hatte. Erst seit dem frühen 20. Jahrhundert erfreut sich die Wallfahrt nach Schmerlenbach im Marienmonat Mai besonderer Beliebtheit.

(Erich Schneider)



 

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