Schlüsselau


 

GESCHICHTE

Schlüsselau – ein Ort weiblicher Mystik

Die Edelfreien von Schlüsselberg, eines der bedeutendsten fränkischen Adelsgeschlechter, beherrschte im 13. Jahrhundert ein stattliches Gebiet in der Fränkischen Schweiz und dem Aischgrund. Für eine dauerhafte Grablege nach Vorbild des hohen Adels stifteten Eberhard II. (gest. 1283) von Schlüsselberg und sein Sohn Konrad I. um das Jahr 1260 ein Kloster auf ihrem Besitz bei Bamberg. 1290 bestätigte der Bamberger Bischof Arnold die Gründung. Zisterzienserinnen aus Mariaburghausen (Stadt Hassfurt) waren die ersten Nonnen in Schlüsselau. Eberhards Tochter Gisela (gest. 1308) wurde die erste Äbtissin.

Gottfried von Schlüsselberg, ein Neffe des Stifters, ermöglichte durch seine großzügigen Schenkungen den Bau der Klosterkirche im strengen Stil der Zisterzienser. Sie wurde der Gottesmutter Maria und der Schmerzensreichen Heiligsten Dreifaltigkeit geweiht, zu der bald eine Wallfahrt einsetzte. Erst 1295 fand die junge Gründung formell Aufnahme in den Zisterzienserorden. Vom Kloster Ebrach kamen die Seelsorger für den Frauenkonvent und vermutlich auch die Konversen, Laienbrüder, die die Wirtschaft des Klosters besorgten. Später unterstand Schlüsselau genauso wie die anderen Frauenklöster Sonnefeld, Himmelkron, Himmelthron und Maidbronn dem Abt des Zisterzienserklosters Langheim, der mit regelmäßig stattfindenden Visitationen die Einhaltung aller Ordensregeln überwachte. Vom Aufstieg der Edelfreien von Schlüsselberg profitierte auch deren Stiftung. Das Kloster übte sogar seine eigene Hochgerichtsbarkeit. Im 14. und 16. Jahrhundert erhielt es eine Befreiung von Steuern und Zöllen.

Das Nonnenkloster von Schlüsselau war ein Ort weiblicher Mystik, der inneren Sammlung und Versenkung im Streben um eine persönliche Vereinigung mit Gott. Hier suchten und fanden viele Damen der Gesellschaft ein Leben in Askese und Keuschheit. Sie hatten der Welt freiwillig den Rücken gekehrt und das klösterliche Leben als Alternative zu familiären Verpflichtungen gewählt. Durchschnittlich lebten hier etwa 20 Nonnen meist adliger Herkunft. Im 14. Jahrhundert regierte die für die Entwicklung des Klosters wohl bedeutendste Äbtissin, Anna von Schlüsselberg ( reg. 1339–1379). Sie sorgte mit großem Erfolg für die Vermehrung und Stabilisierung des Klosterbesitzes.

Nach dem Aussterben der Stifterfamilie der Schlüsselberger im Jahr 1379 stellten sich die Zisterzienserinnen unter den Schutz des Kaisers, der ihnen auch ihre Rechte bestätigte. Trotzdem geriet die Zisterze bald in Schwierigkeiten. Da Laienschwestern kaum noch zu bekommen waren, musste der Konvent die Felder immer häufiger von weltlichen Kräften gegen Bezahlung bestellen lassen. Einzelne Klosterfrauen, die gegen die strenge Klausur verstießen oder entgegen den Ordensregeln über Privatbesitz und eigene Einkünfte verfügten, schwächten den inneren Zusammenhalt.

Im frühen 16. Jahrhundert förderten die Zisterzienserinnen – wohl auch zur Erschließung neuer Einnahmequellen – nach Kräften die Wallfahrt zur Schmerzhaften Heiligsten Dreifaltigkeit, die sich bis in unsere Tage erhalten hat. 1525 wurden die Klostergebäude im Bauernkrieg zerstört. Die Nonnen flüchteten in den Schlüsselauer Hof am Kaulberg in Bamberg und kehrten erst 1528 wieder zurück. Die inneren Probleme blieben jedoch bestehen und in Schlüsselau herrschte großer Nachwuchsmangel. Nachdem die Truppen des „wilden“ Markgrafen Albrecht Alcibiades von Kulmbach 1553 das Kloster samt Kirche niedergebrannt hatten, musste man endgültig aufgeben. Mit Zustimmung der 75-jährigen, erblindeten Äbtissin Brigitte von Stiebar schloss der Bamberger Fürstbischof Weigand von Redwitz das Kloster im Jahr 1554.

1603 erlebte die Ruine der ehemaligen Klosterkirche einen Wiederaufbau und Neubeginn als Pfarrkirche. 1730 erhielt sie eine barocke Einrichtung. In die einstigen Konventgebäude zogen der Pfarrer und die Verwaltung des Klostergutes ein. Zeitweilig war in Schlüsselau ein Hospiz für alte und pflegebedürftige Priester eingerichtet. Schon im 17. Jahrhundert gab es Pläne für eine Wiederbesiedlung des Klosters. Aber erst 1949 zog ein Konvent der Beschuhten Karmeliterinnen ein, der jedoch bereits 1968 nach Erlangen-Büchenbach verlegt wurde.

In der heutigen Pfarrkirche zeigt nur noch der beeindruckend hohe lichte Chor mit seinem Kreuzrippengewölbe originale Bausubstanz aus der zisterziensischen Zeit. Dort steht auch ein Kenotaph, der an den Erbauer der Kirche, Gottfried von Schlüsselberg (gest. 1307), erinnert. Dieses ursprünglich auf vier Säulen in der Mitte des Presbyteriums aufgestellte Monument mit dem prachtvoll skulptierten Wappen der Schlüsselberger ist eine der frühesten Grabplatten Frankens. An der Langhauswand erinnert ein überlebensgroßes, künstlerisch bedeutsames Kruzifix aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts an Schlüsselau als mittelalterlichen Ort weiblicher Mystik.

(Christine Riedl-Valder)



 

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