Schliersee


 

GESCHICHTE

 

Schliersee, Kollegiatstift St. Sixtus – Pioniere christlicher Kultur im Schlierachtal

 

 

 

Auf dem Kirchbichl in Westenhofen am Schliersee bestand bereits um 770 ein Benediktinerkloster, das in einer Urkunde vom 21. Januar 779 als „Zelle am Slyrse“ erstmals schriftlich erwähnt ist. In jenem Schriftstück wird die Niederlassung dem Freisinger Bischof Arbeo (764–784) übereignet. Arbeo weihte auch die kleine Abteikirche zu Ehren der Heiligen Marinus und Sixtus. Man vermutet, dass schon damals Reliquien des römischen Katakombenheiligen Sixtus hier verehrt wurden. Auf der Synode von Dingolfing 772 war bereits ein Abt dieses Klosters vertreten. 779 wurde der Kleriker Perhtcoz vom Freisinger Domkloster als Oberhaupt berufen. Als weitere Äbte sind Warmunt (809, 817) und Sindihho (820) überliefert. Aus dem Besitz entwickelte sich die Herrschaft Hohenwaldeck. Anfang des 10. Jahrhunderts ging die Abtei vermutlich in den Ungarneinfällen unter.

 

Spätestens im letzten Viertel des 11. Jahrhunderts muss hier wieder ein Kollegiatstift existiert haben, da 1075 und 1089 Mitglieder des Freisinger Domkapitels gleichzeitig als hiesige Pröpste genannt werden. Diese Personalunion sollte bis zur Verlegung des Stifts nach München im Jahr 1495 Bestand haben. 1141 wurde der alte Klosterbesitz von Bischof Otto von Freising einem neuen Augustinerchorherrenstift eingegliedert, das er im nahegelegenen Dorf Schliersee am Seeufer gründete. Die Kanoniker übernahmen die Seelsorge. Sie wohnten auf kleinen Höfen, die um die Stiftskirche St. Sixtus lagen. Mit der Landwirtschaft sicherten sie ihren Lebensunterhalt.

 

Wohl unter Bischof Konrad II. von Freising (reg. 1258–1279) erfolgte eine Umwandlung in ein Kollegiatstift mit zehn Kanonikern nach der Aachener Regel. Als Vögte fungierten die Herren von Hohenwaldeck, die auch ihre Grablege in der Katharinenkapelle der Stiftskirche St. Sixtus hatten. Am Stift wurde eine Schule begründet. Es waren ihm die Pfarreien Schliersee und Pang (seit 1354) inkorporiert. 1346 vernichtete ein Brand die Gebäude. Der Wiederaufbau erfolgte mit finanzieller Unterstützung der Freiherren von Hohenwaldeck. Einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangte der Kanoniker Heinrich Teuffenbeck (gest. 1389), der in Schliersee seit 1378 nachweisbar ist. Er betätigte sich als Wohltäter und ließ die Peterskapelle erbauen, die in der Folgezeit als Grabstätte der Kanoniker diente. Teuffenbeck verfasste auch eine kurze Stiftsgeschichte, in der er vor allem die zahlreichen Schenkungen auflistete. 1466 ließ das Kapitel durch die Baumeister Alexander und Michael Gugler einen neuen Kirchturm errichten.

 

Nach dem Aussterben der Freiherren von Hohenwaldeck 1483 fiel die Vogtei an Herzog Albrecht IV. von Bayern-München. Dieser beantragte beim Papst 1492 erfolgreich die Aufhebung des Stifts und die Übertragung aller Besitzungen an das neue Kollegiatstift der Münchner Frauenkirche. Die Übersiedlung der Kanoniker nach München erfolgte 1495. Danach wurde die Pfarrei durch die vom Kapitel bei Unserer Lieben Frau in München bestellten Vikare betreut.

 

Der See und die Hofmark Schliersee gingen im Jahr 1500 im Tauschgeschäft an den bayerischen Herzog. Die einstige Kollegiatstiftskirche wurde ab 1712 unter Beibehaltung des Turms und der mittelalterlichen Katharinenkapelle, in der sich die Grablege der Waldecker erhalten hat, neu erbaut.

 

 

 

Christine Riedl-Valder

 



 

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