Schlehdorf


 

GESCHICHTE

Kloster und Stift Schlehdorf – Freisinger Enklave im Bistum Augsburg

Das im Gebiet des Bistums Augsburg gelegene, aber bis heute zum Erzbistum München und Freising gehörige Kloster Schlehdorfam Kochelsee reicht mit seiner Geschichte zurück bis in das 8. Jahrhundert. Angeblich wurde Schlehdorf bereits um 740 von Mönchen aus Benediktbeuern gegründet. Sicher ist der Umzug des Konvents aus dem vor 763 entstandenen Kloster St. Peter auf der unwirtlichen Passhöhe Scharnitz bei Mittenwald an den milderen Kochelsee spätestens im Jahr 772. Das neue Kloster war dem hl. Dionysius geweiht und erhielt bald auch Reliquien des römischen Märtyrers St. Tertulin. Die Wahl des Schlehdorfer Abts Atto zum Bischof von Freising (reg. 783-811) führte dazu, dass die Abtei fortan als Eigenkloster dem jeweiligen Freisinger Bischof gehörte. Während der Ungarneinfälle des 10. Jahrhunderts wurde das alte Kloster zerstört. Möglicherweise lebte in seinen Resten im 11. Jahrhundert eine geistliche Gemeinschaft von unregulierten Klerikern.

1140 gründete Bischof Otto I. von Freising in Schlehdorf ein Augustinerchorherrenstift. Von Beginn an stand das Stift unter dem geistigen Einfluss von Rottenbuch, dem bayerischen Zentrum der Augustinerchorherren. Es folgte daher einer gemäßigten Form der Ordensregel. Die Chorherren waren als Seelsorger und auch als Lehrer tätig. Die finanzielle Ausstattung des Stifts war stets bescheiden. Auch verhinderte die direkte Nachbarschaft zum mächtigen Kloster Benediktbeuern eine Ausdehnung. Inkorporiert waren dem Stift die Pfarreien Schlehdorf; Sindelsdorf und Ohlstadt.

Wie die Mehrzahl der Stifte litt auch Schlehdorf im frühen 15. Jahrhundert an einem Zerfall der Disziplin. Über Rottenbuch gelangte um 1450 die vom Stift Indersdorf ausgehende Reform nach Schlehdorf. Sie bewirkte einen vorübergehenden Aufschwung. In Gefolge der Reformationkehrte sich dieser Trend wieder um. Noch im späten 17. Jahrhundert, allgemein eine Zeit der geistlichen Blüte, zählte der Konvent nur sechs Chorherren.

Unter der Leitung von Propst Bernhard Bogner (reg. 1674-1724) erlangte das Stift an der Wende zum 18. Jahrhundert wieder Ansehen. Bogner erreichte die Aufnahme Schlehdorfs in die Lateranensische Kongregation. Der Propst trug nun den Titel eines Abts, hatte jedoch nicht die Pontifikalien. Zwischen 1718 und 1724 wurde das Stift an eine höher gelegene, weniger sumpfige Stelle verlegt und 1727 wurde mit dem Bau einer neuen Kirche begonnen. Die Finanzierung gestaltete sich jedoch wegen der geringen Einkünfte und der hohen Schulden des Stifts äußerst schwierig. Bereits um 1770 existierten deshalb Pläne zur Aufhebung des Konvents. Erst mit finanzieller Unterstützung des Münchner Handwerksmeisters Honifstingl konnte die Kirche, wenn auch nicht dem ursprünglichen Bauplan gemäß, 1780 vollendet werden.

Als das Stift 1803 aufgehoben wurde lebten neun Chorherren in Schlehdorf. Der klösterliche Grundbesitz, die spätere Pfarrkirche sowie die Bibliotheks- und Archivbestände gingen in das Eigentum das bayerischen Staats über.

1904 erwarben die Missions-Dominikanerinnen von King-Williams-Town die Klosteranlage, um von hier aus ihre Missionsarbeit vor allem in Südafrika zu organisieren. 1960 wurde das Missionskloster sogar zum Sitz für die deutsche Provinz des Ordens erhoben und erhielt den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts. Heute beherbergt die Klosteranlage unter anderem auch die St. Immaculata-Realschule für Mädchen und das Gäste- und Seminarhaus „Dominikus“.

( Stephanie Haberer)



 

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AUS DEM HDBG-BILDARCHIV
Zwink, Bildnis des Probstes Tertulin Salcher, Ölgemälde, um 1800, Schlehdorf, ehem. Augustiner-Chorherrenstift.
Copyright: Haus der Bayerischen Geschichte, Augsburg (Voithenberg, G.)

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