Schamhaupten


 

GESCHICHTE

Kloster Schamhaupten – eine fruchtlose Stiftung

 

Schamhaupten (Lkr. Eichstätt) lag verkehrstechnisch günstig an der mittelalterlichen Handelsstraße von Salzburg nach Nürnberg (heute führt die Bundesstraße 299 von Altmannstein nach Beilngries direkt durch die Ortsmitte). In der Nähe der Schambachquelle steht die ehemalige Stiftskirche und heutige Pfarrkirche St. Georg. Sie ist das einzige Relikt des einstigen Augustiner-Chorherrenstifts an dieser Stelle.

In einer Schenkungsurkunde an das Kloster St. Emmeram in Regensburg wurde „Scamahopum“ im Jahr 882 erstmals erwähnt. Ab dem 11. Jahrhundert ist hier ein Adelsgeschlecht  nachweisbar; 1097 werden Maganus und Berthold de Scamhoupten erwähnt. Auf dem Kästelberg, einer südlich gelegenen, steilen Anhöhe, befand sich ihre frühmittelalterliche Burg. Außer dem hohen Wallgraben ist davon nichts mehr erhalten. 1136/37 veräußerte Gertrud, die Witwe des Edlen Berthold von Schamhaupten, zusammen mit ihrer Tochter Liutgard ihre Erbgüter zur Errichtung eines Stifts für regulierte Chorherren nach der Regel des hl. Augustinus. Zur finanziellen Unterstützung der Neugründung überließ der Regensburger Bischof dem Kloster die Pfarrei Schamhaupten mit allen Rechten und Einkommen. Die Chorherren sollten unter dem Schutz und der Aufsicht des Bischofs stehen und das Recht haben, ihren Propst und Vogt frei zu wählen. Das neue Stift wurde mit Klerikern aus dem Regensburger Reformkreis besiedelt, die entweder aus Stift Rohr oder Stift Johann in Regensburg kamen. Obwohl auch die Adelsfamilien der Umgebung in der Folgezeit Schenkungen tätigten, war die wirtschaftliche Basis der Einrichtung zu mager, als dass es sich jemals zu einer echten Blüte hätte entwickeln können.

1183 überließ das Domkapitel zu Eichstätt die auf ihrem Grund erbaute Kirche des nahen Dorfes Pondorf dem Chorstift. Die Vogteirechte besaßen seit Mitte des 13. Jahrhunderts zumeist die Herren von Abensberg und eine Seitenlinie des Geschlechts mit Sitz in Altmannstein. 1303 erwarben die Chorherren die Kapelle von Steinsdorf. Das Amt Altmannstein, zu dem Schamhaupten gehörte, fiel 1305 durch Erbschaft an die bayerischen Herzöge. 1364 schenkte der bayerische Herzog Stephan der Ältere dem Kloster ein Gut in Sandersdorf. Trotz zeitweise guter Einkünfte verarmte die Gemeinschaft zusehends. 1435 lebten neben dem Prior nur noch fünf Kanoniker im Stift. Um die Verhältnisse zu sanieren, berief der Bischof von Regensburg 1441 Georg Marschalk vom Augustinerchorherrenstift Rebdorf bei Eichstätt als Propst nach Schamhaupten. Nachdem die Vogtei 1485 an die Herzöge von Bayern-München gefallen war, setzte sich auch Herzog Albrecht IV. für eine Reform ein. Trotz mehrfacher Visitationen und einer Neubesetzung mit Chorherren aus Rebdorf im Jahr 1491 konnte das Stift aber keinen Aufschwung nehmen. Anfang des 16. Jahrhunderts lasteten hohe Schulden auf der Einrichtung. Der Versuch der Herzöge Wilhelm IV. und Ludwig X. den Komtur der Johanniterkommende von Altmühlmünster als Administrator einzusetzen, misslang. In der Folgezeit übernahmen Chorherren aus Bernried und Rohr das Propstamt in Schamhaupten. Nachdem das Stift ab 1555 unbewohnt war, kam es unter weltliche Verwaltung. Auf Antrag von Herzog Maximilian I. bewilligte Papst Paul V. 1606 seine Auflösung und die Übergabe des Besitzes an die Universität Ingolstadt.

Von den Gebäuden der geistlichen Einrichtung hat sich nichts erhalten. Die Kirche wurde ab 1623 unter Einbeziehung des alten, spätgotischen Chors neu erbaut. Aus ihren Vorgängerbauten stammen noch einige Ausstattungsstücke, zum Beispiel das romanische Taufbecken an der Westwand und ein Tonkruzifix aus der Zeit um 1400 sowie Epitaphien der Familie von Muggenthal, den Besitzern der benachbarten Schlösser Neuenhinzenhausen, Sandersdorf und Hexenagger, denen die Stiftskirche ab 1471 als Familiengrabstätte diente.

 

Christine Riedl-Valder

Links:

https://de.wikipedia.org/wiki/Schamhaupten

 



 

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