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Schäftlarn


 

GESCHICHTE

Schäftlarn - Im grünen Isartal 

Im Jahr 762 übergab der adlige Grundherr Waltrich sich selbst und eine Siedlung von "Speerschäftern" (sceftilari) im Isartal an die Domkirche zu Freising für ein neues Kloster zu Ehren des hl. Dionysius. Als Abt und zugleich Weihbischof der Diözese Freising leitete der Stifter Waltrich selbst die Geschicke seines Eigenklosters. Die unmittelbare Nachbarschaft zu einer damals noch intakten Römerstraße, eines Rüstungsbetriebs und des Herrschaftszentrums (wohl bereits mit einer Burg) einer der einflussreichsten Adelsfamilien im agilofingischen Baiern verhalf dem Kloster zu einer strategischen Position. Das Patrozinium des fränkischen Reichsheiligen Dionysius (St. Denis) ist ein Indiz für gute Kontakte der Familie zu den Karolingern.
Im 9. Jahrhundert verlor die Waltrichsippe den Einfluss auf ihre Stiftung zugunsten direkter Zugriffsrechte der Freisinger Bischöfe, die Schäftlarn mehr als Wirtschaftsbetrieb denn als Kloster nutzten. An die Ungarneinfälle in der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts erinnern nur wenige hundert Schritte vom Kloster entfernt die gut erhaltenen Wälle und Gräben der "Birg" von Hohenschäftlarn.
Nach dem Niedergang der benediktinischen Lebensform lebten Kanoniker in Schäftlarn. 1140 übergab der berühmte Bischof Otto von Freising das Kanonikerstift dem jungen Orden der Prämonstratenser.
Wichtige Daten in der Geschichte als Prämonstratenserkloster waren ein verheerender Brand (1527), die Erhebung zur Abtei (1598), mehrfache Plünderungen durch schwedische Truppen (1632, 1645 und 1648) und der Aufmarsch der Oberländer Gebirgsschützen zur Schlacht bei Sendling (1705). Zur Zeit der Sendlinger Mordweihnacht boten die Konventgebäude der Abtei den Anblick einer Großbaustelle: Antonio Viscardi, der Hofbaumeister des Kurfürsten Max Emanuel hatte 1702 von dem rührigen Abt Melchior Schussmann einen ehrgeizigen Großauftrag erhalten. Abt Melchior (reg. 1680-1719) war es auch, der der fast tausend Jahre währenden Bedrohung Schäftlarns durch die Fluten der wilden Isar mit der Anlage eines Hochwasserdamms ein Ende setzte. Schäftlarns verkehrsgünstige Lage bot seit jeher eine gute Einnahmequelle durch den Tafernbetrieb mit eigener Brauerei. Für den weithin berühmten Keferloher Pferdemarkt besaß das Kloster seit 1331 ein Privileg Kaiser Ludwigs des Bayern.
Ein Neubau der Klosterkirche im Stil des Rokoko erfolgte erst zwischen 1751 und 1760 (der Kirchturm hingegen entstand schon 1710). Stuck und Fresken stammen von Johann Baptist Zimmermann, die Altäre von Johann Baptist Straub.
Die Säkularisation der Abtei Schäftlarn geschah formell zum 1. April 1803. Während die Klosterkirche zur Pfarrkirche wurde, erlitt der übrige Klosterkomplex ein sehr wechselvolles Schicksal. So bestand hier beispielsweise von 1816 bis 1845 eine Fayencemanufaktur, es folgten die Englischen Fräulein mit einem Mädchenpensionat, bis König Ludwig I. das Institut im Jahr 1865 als Geschenk für die bayerischen Benediktiner kaufte. 
Das Kloster Schäftlarn bestand seit Mai 1866 als Priorat und wurde erst 1910 wieder zur Abtei erhoben. Das bekannte Klostergymnasium mit Internat gründeten die Schäftlarner Benediktiner 1884.

( Christian Lankes )



 

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AUS DEM HDBG-BILDARCHIV
Ehem. Prämonstratenserkloster Schäftlarn (Westseite), Klostergebäude: 1702-1707, Klosterkirche: 1751-1760.
Copyright: Haus der Bayerischen Geschichte, Augsburg (Heck, A.)

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