Regensburg, Stift zu Unserer Lieben Frau


 

GESCHICHTE

Das Kollegiatstift Unserer Lieben Frau zur Alten Kapelle - ein Stück Bamberg im Herzen von Regensburg 

Die Gründung der Alten Kapelle steht in direktem Zusammenhang mit der Erbauung der karolingischen Königspfalz am späteren Alten Kornmarkt um die Mitte des 9. Jahrhunderts. Damals machte König Ludwig der Deutsche Regensburg zur Hauptstadt des Ostfränkischen Reichs. Die Kapelle und ihre Kleriker spielten in der Hofhaltung des Königs eine wichtige Rolle. Der Sakralbau war auch Pfalzkirche mit dem dafür üblichen Marien-Patrozinium. Hier manifestierte sich das karolingische Königtum in Regensburg, der "civitas regia" - der "königlichen Stadt". 
Schon früh, wahrscheinlich schon zur Zeit Ludwigs des Deutschen, erhielt die Pfalzkapelle den allerdings erst 1002 belegten Ehrentitel einer "mater aecclesia", einer Mutterkirche. Dieser sonst nur für Bischofskirchen gebräuchliche Titel erhält seine besondere Bedeutung in Zusammenschau mit der Idee von der "Roma secunda", der Erneuerung Roms. Regensburg sollte auf einer Stufe mit Aachen stehen. Das Gebiet unmittelbar südlich der Kapelle war alter Königsbesitz. Es kam später überwiegend an auswärtige Bischöfe und trug noch im Spätmittelalter die Bezeichnung "Latron", eine Anspielung auf den römischen Lateran.
Ihre enge Bindung an das Königshaus verlor die Kapelle mit der Verlegung der Pfalz in die Nähe des Klosters St. Emmeram um 890 unter König Arnulf von Kärnten. In der Folgezeit verfiel der Komplex und erhielt den noch heute gebräuchlichen Namen "Alte" Kapelle.
Als neuer und eigentlicher Stifter des Kollegiatstifts Unserer Lieben Frau zur Alten Kapelle gilt der König und spätere Kaiser Heinrich II. Er ließ im Zuge des Ausbaus seiner Pfalz am Kornmarkt 1002 auch die Kirche von Grund auf erneuern. Ihr baulicher Kern aus dieser Zeit ist bis heute erhalten. Heinrich II. betonte den Ehrentitel der "mater aecclesia" und gab ihr einen Vorrang. Bereits im 14. Jahrhundert pries man die Alte Kapelle als "ein anvanck ... aller gotz häuser in Bayrn" und es entstand die Legende, hier habe Herzog Theodo vom hl. Rupert die Taufe empfangen. Das von Heinrich II. gegründete und von ihm reich dotierte Stift besteht seit dem Jahr 1002 ohne Unterbrechung. 
1009 wurde die Alte Kapelle dem neuen Bistum Bamberg, der von Heinrich II. bevorzugten Gründung unterstellt. Zwar gingen bedeutende Kleriker aus der Alten Kapelle hervor, so der Stiftspropst und spätere Magdeburger Erzbischof Tageno (1004), doch verlor sie schnell ihre ursprüngliche Rolle. Der besonderen kirchenpolitischen Konstellation war es zu verdanken, dass die Alte Kapelle bis zum Ende des Alten Reichs dem Bistum Bamberg unterstand. 
Eine neue Bedeutung erfuhr die Alte Kapelle im Lauf des späten Mittelalters durch die Wallfahrt zu einer angeblichen Lukas-Madonna. Es handelt sich um eine der Tradition nach byzantinische Marien-Ikone, tatsächlich jedoch in seiner heute überlieferten Form um ein Regensburger Werk der Zeit um 1225. Das Aufblühen der Altöttinger Marienwallfahrt bedeutete einen Niedergang der Wallfahrt zum Gnadenbild der Alten Kapelle, die erst nach dem Ende des Dreißigjährigen Kriegs wieder einsetzte. 
Über die zunächst überwiegend adlige Personalbesetzung errang das bürgerliche Element seit dem 15. Jahrhundert die Oberhand. Alle Kanoniker, es waren im Durchschnitt fünfzehn Stiftsherren, mussten Priester sein. Der Dreißigjährige Krieg brachte harte Bedrängnisse mit sich, so eine zeitweilige Aussiedlung in das Dominikanerkloster und eine vorübergehende Verschleppung der Stiftsherren nach Ingolstadt. 
Bamberg focht längere Zeit mit dem Regensburger Bischof einen Streit um die Wahl des Stiftspropstes aus. Seinen Sieg manifestierte das Bistum Bamberg um die Mitte des 18. Jahrhunderts mit einer prachtvollen Neuausstattung des Kirchenraums, einem bis um 1790 dauernden Unternehmen. Es machte die Alte Kapelle zu einer der prachtvollsten Rokoko-Kirchen Bayerns. Zugleich betonte man die Unabhängigkeit des Stifts durch die auch künstlerisch besonders nachdrückliche Berufung auf die Stifterpersönlichkeiten der Heiligen Heinrich und Kunigunde. 
Unter normalen Umständen wäre das Stift 1802 mit dem Übergang Regensburgs an den Fürstprimas Karl Theodor von Dalberg, spätestens nach der Einverleibung in das Königreich Bayern 1810 aufgelöst worden. Das Vermögen des Stifts war jedoch größtenteils in Österreich angelegt und man befürchtete im Falle einer Auflösung, das Vermögen würde an Österreich fallen. So blieb das Kollegiatstift zunächst unter staatlicher Aufsicht mit einem einzigen Stiftsherrn bestehen. König Ludwig I. sicherte 1830 den Fortbestand der Alten Kapelle und gewährte ihm 1838 wieder seine Selbstverwaltung. 
Das Stift befindet sich seit seiner Gründung im gleichen Baukomplex. 1964 wurde die Kirche zur päpstlichen "Basilica minor" erhoben und Ende des 20. Jahrhunderts umfassend restauriert.

( Peter Morsbach )



 

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