Passau, Franziskanerkloster


 

GESCHICHTE
Passauer Franziskaner ? eifrige Prediger

Passaus Fürstbischof Urban von Trenbach (reg. 1561?1598) zwang unmittelbar nach seinem Amtsantritt alle Anhänger der lutherischen Lehre, seine Residenzstadt zu verlassen. Im Jahr 1564 berief er dann zwölf Franziskaner in die Drei-Flüsse-Stadt. Die Bettelmönche sollten als Religionslehrer und Prediger dafür sorgen, dass der katholische Glaube in Passau und der Umgebung erhalten blieb. Der Bischof ließ in der Nähe des Burgtores im Baumgarten des Stifts Heiliggeist mehrere Häuser niederreißen. An dieser Stelle entstand das Kloster der Franziskaner. Im Osttrakt errichtete man die kleine Annakapelle, die bis 1613 als Klosterkirche diente. Von 1613 bis 1619 folgte ein größerer Kirchenneubau außerhalb des Klosterkomplexes ? die heutige Votivkirche.

Die Brüder des Ordens erwiesen sich in den folgenden 200 Jahren als überaus eifrige Seelsorger. 1787 gründeten sie eine Tuchfabrik, in der die Habite für die ganze oberdeutsche Provinz der Franziskaner, die siebzehn Klöster umfasste, gefertigt wurden. Um 1800 hatten die Patres dann fast sämtliche Seelsorgearbeiten in Passau und Umgebung zu verrichten. So betreuten sie allein in der eigenen Klosterkirche jährlich 80.000 Kommunikanten.

Obwohl die Passauer überzeugt waren, dass die Franziskaner unentbehrlich für ihre Stadt waren, kam es zur Aufhebung des Klosters. Nachdem das Hochstift Passau 1805 vollständig an das Kurfürstentum Bayern gefallen war, wurde der Franziskanerkonvent zusammen mit allen anderen Passauer Klöstern säkularisiert. Kirche und Kloster blieben im Besitz der Stadt Passau und dienten in der Folgezeit als Magazin und Quartier für Militär und Obdachlose. Alles Inventar ging durch Verkauf in Privatbesitz über. Viele der 35 Patres übersiedelten in das Zentralkloster nach Ingolstadt oder gingen in außerbayerische Provinzen des Ordens, vor allem in das nahe Oberösterreich.

Um die Passauer Tuchfabrik der Franziskaner entstand ein erbitterter Kampf zwischen dem Oberen der Salzburger Ordensprovinz, der sie als Provinzeigentum beanspruchte, und dem staatlichen Aufhebungskommissar, der sie für Bayern erhalten wollte. Schließlich ging der ganze Bestand an das Zentralkloster in Ingolstadt.

1856 kaufte Bischof Heinrich die heruntergekommene Kirche und ließ sie im neuromanischen Stil restaurieren. 1861 wurde sie als marianische Votivkirche zu Ehren des gerade feierlich verkündeten Dogmas von der unbefleckten Empfängnis Mariä neu geweiht. 1964 musste die Votivkirche aus verkehrstechnischen Gründen verkleinert werden. Das einst stattliche Franziskaner-Konventgebäude ist heute ein Privathaus. Der Kreuzgang und die St. Annakapelle werden vom Kunstverein Passau für Ausstellungen genutzt.

(Christine Riedl-Valder)



 

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