Pappenheim


 

GESCHICHTE

Pappenheim ? festliche Gottesdienste für die Reichsmarschälle

Mitten im Naturpark Altmühltal liegt malerisch auf einem Hügel, der vom Fluss umschlossen ist, die ehemalige mittelalterliche Residenzstadt der Reichserbmarschälle zu Pappenheim. Hier steht die Stammburg ihres Geschlechts, das Jahrhunderte lang das kaiserliche Heer führte und Reichstage, Königswahlen und Kaiserkrönungen organisierte. Außerdem übten sie den Königsschutz über die Juden aus. Im Jahr 1193 war den Pappenheimern die erbliche Marschallwürde verliehen worden, ab dem 12. Jahrhundert erfolgte der planmäßige Ausbau der Siedlung unterhalb der Ritterburg mit Mauern und Türmen. 1288 wurde Pappenheim zur Stadt erhoben.

Papst Innozenz VI. erlaubte den Augustinern vier neue Niederlassungen in der Eichstätter Diözese. Diese Zusage nahm Bruder Conrad Tuchscherer von Breisach, der Provinzial der rheinisch-schwäbischen Provinz, zum Anlass, den Grafen von Pappenheim die Vorteile einer Klostergründung darzulegen. Daraufhin entschlossen sich Heinrich von Pappenheim und seine Gemahlin Elisabeth von Ellerbach im Jahr 1372 zu einer Stiftung. Am Oberen Tor ließen sie ein Kloster der Augustinereremiten für ursprünglich acht Priester und ebenso viele Laienbrüder einrichten. Das Gebäude wurde an der Nordseite mit der Stadtmauer verbunden. Als Dotation bestimmten die Grafen die Pfründen der Heilig-Geistkapelle und der St. Georgskapelle auf der Burg. Dafür mussten die Mönche auch den Gottesdienst in der Schlosskapelle übernehmen. Bischof Rhaban von Eichstätt teilte die Niederlassung der rheinisch-schwäbischen Provinz zu. Der erste Prior hieß Heinrich Unmüßig. Die Pappenheimer übernahmen die Schutzvogtei des neuen Klosters und ließen ihm zahlreiche Schenkungen und Stiftungen zukommen. Zum Dank für die großzügige Unterstützung der Augustiner wurde Graf Haupt von Pappenheim mit seiner Familie 1397 anlässlich des Generalkapitels in München in den geistlichen Ordensverband aufgenommen.

Die Pappenheimer Augustiner hatten schon bald nach ihrer Gründung mit dem Bau einer Kirche begonnen. Vorerst begnügten sie sich offensichtlich mit dem errichteten Chor, der um die Wende zum 15. Jahrhundert fertig gestellt war. Meister Ulrich Auer lieferte 1458 ein gotisches Chorgestühl. Herrschaftsstühle wurden 1487 eingebaut. Das Langhaus mit Flachdecke kam erst Ende des 15. Jahrhunderts zum Abschluss. Es handelte sich gemäß den Ordensregeln um einen einfachen, schlichten Bau. Die Kirche wurde zur Grabstätte des Geschlechts der Pappenheimer bestimmt. Da dem Kloster bei jedem Todesfall Wertsachen zufielen, sammelte sich im Lauf der Zeit ein Schatz von Kleinodien und prachtvollen Messgewändern an.

In der Reformationszeit erfuhren auch die Pappenheimer Augustiner von den Lehren ihres Mitbruders Martin Luther. Einige der Mönche verließen das Kloster heimlich, andere traten aus und bekannten sich offen zu Luther. 1539 stand das Kloster bereits weitgehend leer, obwohl die Stadt selbst noch nicht zur neuen Lehre übergetreten war. Sechs Jahre später starb der letzte Mönch Christoph Fretzer. Das Kloster fiel 150 Jahre nach seiner Gründung wieder an die Marschälle von Pappenheim zurück. Sie übergaben die ehemalige Klosterkirche Hl. Kreuz in die Verwaltung der Ortsgeistlichen. Bei der Aufnahme des Inventars 1563 stellte sich erst heraus, welch reiche Bestände an liturgischem Gerät und Gewändern im Augustinerkloster vorhanden waren. Ab dem Jahr 1700 war die ehemalige Klosterkirche zur ausschließlichen Grabkirche der Pappenheimer bestimmt. Im Jahr 1712 erfolgte der Einbau einer Empore, einer Herrschaftsloge und einer Orgel mit reichem Akanthusdekor. 1806 fiel die Herrschaft Pappenheim im Zuge des Reichsdeputationshauptschlusses an Bayern.

In der ehemaligen Klosterkirche haben sich Grabsteine und Epitaphen der Pappenheimer aus dem 15. bis 18. Jahrhundert erhalten. Neben dem Altar aus der Zeit um 1500 ist auch das spätgotische Kirchengestühl (Chorgestühl von Meister Ulrich Auer, 1458; Herrschaftsstühle von DieboldZeller, 1487; Kirchenstühle mit geschnitzten Wappenschildern, Ende 15. Jahrhundert) sehenswert. Die gleichzeitig mit der Kirche ab 1372 erbauten Klostergebäude wurden Mitte des 16. Jahrhunderts profaniert und durch Umbauten stark verändert. An drei Seiten des Klosterhofs befindet sich heute noch ein einfacher Kreuzgang.

Christine Riedl-Valder



 

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