Oberschönenfeld


 

GESCHICHTE

Oberschönenfeld ? Zisterzienserinnen und schwäbische Volkskunde

Im frühen 13. Jahrhundert liegen die Anfänge der geistlichen Frauengemeinschaft in Gessertshausen bei Augsburg. Gründer waren vermutlich die Grafen von Dillingen. Zu dieser Zeit machte sich in Oberhofen (heute: Weiherhof) eine Gemeinschaft von Beginen ansässig. Nach Schenkungen von Grund und Boden, vor allem durch das Ministerialengeschlecht Kemnat, zogen die Frauen auf das nahe gelegene ?schöne Feld? und erbauten dort das heutige Kloster. Mit dem überlieferten Datum 1211 wäre Oberschönenfeld die älteste bestehende Zisterzienserinnenabtei in Deutschland.

Im Jahr 1248 fand das neue Kloster erstmals urkundliche Erwähnung, als es die Privilegien des Ordens der Zisterzienser erhielt. Unterstellt wurde der Konvent dem Abt von Kaisheim. Die Eingliederung in den Zisterzienserorden festigte das Kloster wirtschaftlich und politisch. Sie beschränkte aber mit der Klausur und dem Zentralismus auch jene Freiheiten, die den Beginen eigen gewesen waren.

Die Bezeichnung ?Ober-Schönenfeld? ist erstmals in einer Privilegienbestätigung des Jahres 1255 erwähnt. 1262 konnte die erste Klosterkirche Maria Himmelfahrt eingeweiht werden.

Durch Ankauf und Schenkungen erweiterte sich der Besitz der neuen Abtei in den nächsten Jahren erheblich. Unter der Äbtissin Elisabeth (reg. 1304-1316) wurden die Pfarrkirchen von Mödishofen und Altenmünster dem Kloster inkorporiert. Die Pfarrei Dietkirch gehörte bereits seit 1254 zur Abtei. Das Dorf Neumünster mit der Wallfahrtskirche Violau verdankt der Rodungstätigkeit des Klosters sein Entstehen.

Kämpfe zwischen der Reichsstadt Augsburg und den bayerischen Herzögen bis 1388 brachten das Kloster in Bedrängnis und verhinderten auch weiteren Grunderwerb. Dennoch gelang es der Äbtissin Gertrud von Freyberg (reg. 1398?1449 !) den Konvent zusammenzuhalten, das Wohlwollen der politischen Mächte zu sichern und das Kloster zu konsolidieren.

Eine Blüte erlebte Oberschönenfeld im ausgehenden 15. Jahrhundert. Die wirtschaftlichen Verhältnisse waren gesichert. Kloster und Kirche waren mit Kunstschätzen ausgestattet, bevor sie im Bauernkrieg von 1525 der Verwüstung anheim fielen. Die Schwestern flüchteten in der sichere Reichsstadt Augsburg, wo die Abtei den ?Schönenfelder Hof? besaß.

Im Schmalkaldischen Krieg des Jahres 1546 waren die Klosterfrauen erneut gezwungen ihr Oberschönenfeld zu verlassen. Diesmal suchten sie Zuflucht in Landsberg am Lech, also im Herzogtum Bayern, da die Reichsstadt Augsburg evangelisch geworden war. Das Kloster nahm derLandsknechtsführer Sebastian Schertlin von Burtenbach für den protestantischen Bund in Besitz und die Stadt Augsburg beanspruchte die Einnahmen des Klosters. Die Zisterzienserinnen verarmten in ihrem Landsberger Exil. 1547, als nach dem Sieg Kaiser Karls V. über den Schmalkaldischen Bund die Rückkehr nach Oberschönenfeld möglich war, lebten nur noch drei Schwestern.

Hatte bis 1546 der Konvent hauptsächlich aus Adligen bestanden, so wurden nun vermehrt Bürgerliche aufgenommen. Die Äbtissin Agnes von Burtenbach (reg. 1553?1571) und ihre Nachfolgerin Barbara Elchinger (reg. 1571?1601) führten Reformen durch. Im Kloster samt der Kirche gab es zahlreiche Um- und Neubauten.

Das Kloster befand sich wieder einmal in den besten wirtschaftlichen Verhältnissen, als der Dreißigjährige Krieg hereinbrach. Als Grundherrschaft hatte die Abtei Oberschönenfeld Soldaten für die katholische Liga zu stellen. Dennoch scheint sich das Kloster nicht weiter mit dem Krieg beschäftigt zu haben, sodass die Nachricht vom Einzug Gustav Adolfs von Schweden in Donauwörth den Konvent unvorbereitet traf. Der einzige Ausweg schien erneut das Exil zu sein. Der Konvent flüchtete nach Tirol, zunächst nach Reutte, dann nach Stams und weiter nach Thurnfeld bei Hall. Erst 1635 war eine Rückkehr in die zerstörten Gebäude in Oberschönenfeld möglich. Die Beseitigung der Kriegsschäden und die wirtschaftliche Erholung des Klosters dauerten bis in das Jahr 1685.

In die Zeit der Äbtissin Hildegard Meixner (reg. 1685?1722) fielen die Flucht des Konvents im Spanischen Erbfolgekrieg ? am 6. Dezember 1703 wurde das Kloster von den Franzosen überfallen, aber auch der anschließende Neubau von Kloster und Kirche, deren Fertigstellung sie allerdings nicht mehr erlebte.

1721 erhielt Franz II. Beer aus Konstanz den Auftrag zu einem Kirchenneubau. Mitarbeiter waren wohl der Maurermeister Joseph Dossenberger d.Ä. und der Zimmerermeister Johann Georg Fertel. Der Rohbau war bereits 1722 erstellt. Am 25. Juli 1723 erfolgte die Konsekration durch den Weihbischof Johann Jakob v. Mayr. Zum Abschluss brachte die Baulichkeiten die Äbtissin Victoria Farget (reg. 1722-1742). Auch in den zur Abtei gehörenden Gemeinden wurden Kirchen- und Pfarrhausneubauten errichtet.

Die Statue eines ?Prager Jesulein? machte die Klosterkirche ab 1754 für lange Zeit zu einem viel besuchten Wallfahrtsort. 1768 begann unter der Äbtissin Charitas Karner (1767?1774) die Neuausstattung der Kirche mit Fresken, Stuck und Altären. Beteiligt waren Joseph Mages, Johann Joseph Anton Huber, Joseph Hartmann, Joseph Christ und Jakob Rauch. Die durch die Bautätigkeit entstandene Schuldenlast war erst kurz vor der Säkularisation abgetragen.

Im März des Jahres 1803 wurde die Auflösung des Klosters angeordnet, jedoch den Angehörigen des Konvents gestattet auf Lebenszeit in Oberschönenfeld weiterhin zu wohnen. Schon ab 1819 gab es Bestrebungen zur formellen Wiederherstellung des Klosters. Sie wurde schließlich am 5. Juli 1836 von König Ludwig I. genehmigt. Erst 1899 gingen die Gebäude, Kirche und der Klausurgarten wieder in den Besitz des Klosters über. 1898 erfolgte die Wiederaufnahme des Klosters in den Zisterzienserorden und 1918 die Erhebung zur Abtei. Heute betreiben die Zisterzienserinnen eine Paramentenstickerei, eine Buchhandlung und eine Bäckerei.

In den von der Abtei gepachteten ehemaligen Wirtschaftsgebäuden aus der Barockzeit unterhält der Bezirk Schwaben seit 1984 das Schwäbische Volkskundemuseum Oberschönenfeld. 2003 wurde hier auch die ?Schwäbische Galerie? für zeitgenössische Kunst in Schwaben eröffnet.

(Alexandra Kohlberger)



 

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AUS DEM HDBG-BILDARCHIV
Gessertshausen/Oberschönenfeld, Zisterzienserklosterk. St. Maria/Blick zum Chor, um 1725, Architekt: Franz II Beer von Bleichten
Copyright: Haus der Bayerischen Geschichte, Augsburg (Voithenberg, G.)

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