Oberalteich


 

GESCHICHTE

Oberalteich, Benediktinerkloster St. Peter und Paul – Bildung und Wissenschaft auf höchstem Niveau

Um 1080 gründete der Regensburger Domvogt Friedrich II. von Bogen mit Unterstützung seines Onkels, Graf Aswin von Bogen, in der Nähe ihrer Stammburg ein Benediktinerkloster als Hauskloster und stattete es mit Gütern aus (vgl. Abb. Stifterhochgrab). Abt Egino und die ersten Mönche kamen aus Niederaltaich. Auch der Großteil der weiteren Äbte in den ersten beiden Jahrhunderten stammte von dort. Um 1090 begann man den Bau der Klosteranlage; die Kirche St. Peter und Paul wurde 1109 (anderen Quellen zufolge 1129) geweiht. Ihr Patrozinium verweist auf den Regensburger Dom. Zur Gründungsausstattung des Klosters gehörte die Kirche auf dem Bogenberg, die sich unter der Betreuung der Benediktiner zu einem der bekanntesten Marienwallfahrtsorte in Bayern entwickeln sollte. Viele adelige Familien aus der Umgebung leisteten in der Folgezeit Stiftungen und wählten die Klosterkirche als Familiengrablege. Die Schutzrechte, die anfangs bei den Regensburger Domvögten lagen, gingen 1148 auf die Grafen von Bogen über, die ihr eigenes Hauskloster so ausbeuteten, dass es kurz vor dem finanziellen Ruin stand. 1242 – nachdem das Bogener Geschlecht in der männlichen Linie ausgestorben war – fiel die Vogtei an die bayerischen Herzöge aus dem Hause Wittelsbach. Bereits um 1150 gab es in Oberalteich eine Bibliothek, ein Skriptorium und eine Schule für den Klosternachwuchs. Im Jahr 1245 fiel die gesamte Abtei einem Brand zum Opfer. Dabei wurden auch fast alle Dokumente über die Klostergründung zerstört. Abt Poppo (1260–1282), ein Schüler des Niederaltaicher Abts Hermann, sorgte für die Errichtung einer neuen Anlage und den Bau einer dreischiffigen Basilika. Unter seiner Führung entwickelte sich das wissenschaftliche Leben im Kloster. Um das Jahr 1261 trat auch der später selig gesprochene Adalbert/Albert (1239–1311), der aus einem Rittergeschlecht stammte, in das Benediktinerkloster ein. Er leitete die Klosterschule und widmete sich als Ortspfarrer den Armen und Aussätzigen. Eines der Wunder, die ihm zugeschrieben werden, hat der Künstlers Pankraz von Bogen auf einem Gemälde dargestellt (siehe Abb.).

 

Von Oberalteich aus erfolgte 1324 die Gründung der Abtei Frauenzell. Eine große Bedrohung für die Gebäude bedeutete die unmittelbare Nachbarschaft zur Donau. Nach mehreren katastrophalen Überschwemmungen hat man in den Jahren 1334 bis 1344 das Flussbett verlegt und wenig später einen Schutzwall mit Graben errichtet. Oberalteich besaß gegen Ende des 15. Jahrhunderts eine der größten Bibliotheken in Bayern. Sie entstand aus dem regen Geistesleben, das die Abtei unter den Äbten Johann Asperger (1438–1463), Raphael Neupöck (1482–1483) und Christian Tesenbacher (1483–1502) auszeichnete und zu einer wichtigen Stätte des Frühhumanismus machte. Schon Abt Johann verbesserte die Wirtschaftsführung, erneuerte den Gebäudebestand, förderte die intensive Beschäftigung mit den Handschriften, schuf neue Räume für kulturelle Aktivitäten und hinterließ einen eigenhändigen Tätigkeitsbericht. Bei der Studienreform, der Kulturpflege und der Modernisierung der Güterverwaltung mittels Registerführung nahm Oberalteich damals eine Vorreiterrolle ein. Schon sehr früh schloss sich die Abtei dem Tegernseer Reformkreis an, sie stand im fruchtbaren Austausch mit vielen Gelehrten und regte auch andere Klöster, wie Metten, Prüfening und Weltenburg, zu Erneuerungsbestrebungen an.

 

Die Krise der Reformation im 16. Jahrhundert brachte einen Tiefpunkt in der Entwicklung, doch mit Abt Veit Höser (1614–1634), einem vielfach begabten Gelehrten, Finanzgenie und aktiven Vertreter der Gegenreformation, setzte wieder eine Blütezeit ein. Dieser Abt gilt aufgrund seiner überragenden Leistungen als zweiter Gründer von Oberalteich. Von 1622 bis 1630 erfolgte der Neubau des Klosters und der Abteikirche St. Peter und Paul zu einer beeindruckenden Anlage im Stil der Spätrenaissance. Nur drei Jahre später wurde sie im Dreißigjährigen Krieg durch die Schweden verwüstet. In der darauffolgenden Pestepidemie starben zwei Drittel der Benediktiner – unter ihnen auch der Abt. Es dauerte Jahrzehnte, bis sich das Kloster wirtschaftlich wieder so erholt hatte, dass die Schäden repariert werden konnten. Um 1661 hatte man wieder genug Kapazitäten entwickelt, um das fünf Jahre zuvor aufgelöste Kloster Michelfeld neu zu besetzen.

 

Unter Abt Dominikus II. Perger (1721–1757) erhielt die Klosterkirche ihre prunkvolle neue Barockausstattung. Er erdachte auch das Bildprogramm für den umfangreichen Freskenzyklus, in dem eine Vielfalt an lokalen und historischen Bezügen verarbeitet ist (siehe Abb.). Mit Perger begann die letzte wissenschaftliche Blüte, die bis zur Säkularisation unter dem letzten Abt Beda Aschenbrenner (1756–1817), einem engagierten Vertreter der Aufklärung, andauerte. Bedeutende Theologen aus dem Kloster Oberalteich im 18. Jahrhundert waren unter anderem der Historiker Hermann Scholliner (1722–1795), Dogmatikprofessor an den Universitäten in Salzburg und Ingolstadt, der Philosoph Bernhard Stöger (1757–1815), Professor der Logik an der Universität Salzburg, und Dominicus Gollowitz (1761–1809), Professor der Moral- und Pastoraltheologie an der Universität Ingolstadt.

 

1803 wurde das Kloster im Zuge der Säkularisation aufgehoben. In den Gebäuden wurden der Pfarrhof und Wohnungen untergebracht. Die Abteikirche dient seitdem als Pfarrkirche. 1847 wurden viele der dort befindlichen Grabsteine nach Vilshofen abtransportiert, um sie beim Dammbau zu verwenden. Seit 1998 beherbergt der sanierte Bereich der Mühle und des Getreidespeichers des früheren Klosters das KulturForum Oberalteich. Es ist Sitz der Kreisbildstelle, der Kreisarchäologie und der Volkshochschule. Zusätzlich wird das ganze Jahr über ein abwechslungsreiches Kulturprogramm in historischem Ambiente geboten. Im angrenzenden „Alten Rathaus“ ist eine Dauerausstellung zur Geschichte Oberalteichs zu besichtigen.

 

 

 

Christine Riedl-Valder

 

 

 



 

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AUS DEM HDBG-BILDARCHIV
März, Joseph Anton und Andreas: Sogenannte zweite Klostergründung Oberalteichsdurch den Grafen von Bogen um 1102, Deckenfresko, 1731, Bogen, Oberalteich, ehem. Benediktinerkloster Oberaltaich.
Copyright: Haus der Bayerischen Geschichte, Augsburg (Voithenberg, G.)

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