Neuburg a.d. Donau, St. Wolfgang


 

GESCHICHTE

St. Wolfgang in Neuburg an der Donau ? die ersten Barmherzigen Brüder in Deutschland

Der Regierungsantritt von Herzog Wolfgang Wilhelm von Pfalz-Neuburg (1614?1653) war nicht nur ein einfacher Herrscherwechsel, sondern beinhaltete für sein Herzogtum auch die Rückkehr zum katholischen Glauben. Nach den von Herzog Ottheinrich durchgeführten Klosterauflösungen kam es unter Wolfgang Wilhelm zur planmäßigen Neugründung von Klostern. Zur Durchsetzung der Gegenreformation holte Wolfgang Wilhelm 1614 die Jesuiten nach Neuburg. Das Engagement des Herzogs für die katholische Sache blieb nicht unbemerkt und so entsandte Gabriel Graf von Ferrara, der Kommissar des Ordens der Barmherzigen Brüder in Deutschland, 1622 zwei spanische Ordensmitglieder nach Neuburg. Die beiden Brüder sollten sich beim Herzog für ihren Orden einsetzen und eines der säkularisierten Klöster für die Barmherzigen Brüder gewinnen. Zwar waren die Klostergüter bereits vergeben, doch der Besuch der Spanier bei Wolfgang Wilhelm war nicht vergebens. Der Herzog stiftete noch 1622 die erste Niederlassung der Barmherzigen Brüder in Deutschland. Sie wurde mit 2000 Gulden ausgestattet. An Stelle des ?Langhauses?, eines herzoglichen Gebäudes zur Verwahrung von Baumaterialien, wurden 1622/23 Kloster und Kirche der Barmherzigen Brüder errichtet.

Die ersten beiden Prioren stammten aus Italien. Von 1657 bis 1803 hatte der Prior von St. Wolfgang das Präsentationsrecht auf vier Pfarreien inne. Dem Kloster waren Krankenhaus und Apotheke angeschlossen. Besonders durch die Apotheke wurde das Neuburger Kloster der Barmherzigen Brüder berühmt. Zum Kirchenpatron hatte man, zu Ehren des großzügigen Herzogs Wolfgang Wilhelm, den hl. Wolfgang erwählt. Bereits 1664 konnte die Neuburger Niederlassung auf eine finanziell solidere Basis gestellt werden. Pfalzgraf Philipp Wilhelm übertrug den Barmherzigen Brüdern das ehemalige Benediktinerinnenkloster Monheim, Einkünfte des ehemaligen Benediktinerinnenklosters Bergen, Naturalien sowie 12 000 Gulden zusätzliches Kapital. Wie gewonnenes Kapital immer danach drängt, ausgegeben zu werden und Bayern und Schwaben schon immer eine gewisse ?Bauwut? nachgesagt wird, investierte man unverzüglich (1696/97) in den Neubau von Kirche, Kloster und Spital.

Im Gegensatz zur Niederlassung des Ordens der Barmherzigen Brüder in München, wurde das Neuburger Kloster nie wirklich aufgehoben. Es kam 1806 lediglich unter weltliche Aufsicht. Auch Apotheke und Krankenhaus wurden fortan öffentlich verwaltet. Allerdings war dies alles andere als erfolgreich und der Schuldenberg wuchs allein in den ersten beiden Jahren auf 10 000 Gulden an.

1808 entzog man den Brüdern auch die Temporalienverwaltung, die das Kloster zehn Jahre später wieder zurückerhielt. Es lebten jetzt jedoch nur mehr zwei Brüder im Kloster und auch in den Folgejahren war die Entwicklung der Neuburger Niederlassung der Barmherzigen Brüder alles andere als positiv. Daran änderte auch die fast ironisch anmutende Erklärung der bayerischen Regierung nichts, der Orden sei in Bayern nie aufgelöst worden und man wünsche die Wiederbelebung. 1831 unternahm König Ludwig I. einen resoluten Schritt und bestellte sechs Brüder; Prior wurde Bruder Eberhard Hacke, der als einziger die Zeiten der ?Nichtauflösung? überlebt hatte. Verstärkung für das Kloster kam aus der österreichischen Ordensprovinz. Als 1839 die Erlaubnis erteilt wurde, die Anzahl der Brüder auf 12 zu verdoppeln, konnten auch wieder Neugründungen in Angriff genommen werden. 1844 ließen sich die Barmherzigen Brüder in Straubing nieder, zehn Jahre später kauften sie das ehemalige Franziskanerkloster in Neuburg und riefen das Priesterhospiz St. Augustin ins Leben. Nach der Aufhebung des Franziskanerklosters 1804 hatte J.B. Koller Kirche und Klostergebäude gekauft und hier eine Steingutfabrik nebst Porzellanmanufaktur errichtet. Auf Koller war 1829 der Porzellanfabrikant Johann Georg Faist aus Schramberg gefolgt. Die Barmherzigen Brüder renovierten zunächst die ehemalige Franziskanerkirche. Sie wurde 1854 als Augustinerkirche neu geweiht. Endgültig zum Abschluss kamen die Arbeiten 1857, 1888 erfolgte eine Innenrenovierung, 1891 wurden die Klostergebäude um eine Etage aufgestockt sowie ein neuer Flügel im Westen angebaut. Zu schweren Schäden kam es durch Artilleriebeschuss 1945. Nach der Gründung von St. Augustin hatten die Barmherzigen Brüder St. Wolfgang nicht aufgegeben, im Gegenteil: das Mutterhaus der bayerischen Provinz war ebenfalls erweitert und renoviert worden. Im Zuge dieses Ausbaus entstand der westliche Krankenhausflügel. Schließlich wurden 1886 Ost- und Nordflügel vollständig umgebaut und aufgestockt, 1953 die Kirche renoviert.

Laura Scherr



 

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