Münnerstadt


 

GESCHICHTE

Im Spiel der Mächte ? die Augustinereremiten in Münnerstadt

Das am Rand des Grabfeldgaus in einer Talniederung der zur Fränkischen Saale fließenden Lauer gelegene Münnerstadt wird im Jahr 770 erstmals urkundlich erwähnt. Nicht zuletzt begünstigt durch die Handelstraße zwischen Nürnberg und Erfurt, entwickelte sich Münnerstadt im Mittelalter zu einem regionalen Zentrum. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts bekam der angesehene Deutsche Orden die Pfarrei übertragen. Zwischen 1251 und 1336 erhielt Münnerstadt seinen noch großteils erhaltenen Mauerring. Im Jahr 1335 verlieh Kaiser Ludwig der Bayer dem Ort das bessere Stadtrecht von Gelnhausen und 1558 erwarb das Hochstift Würzburg von den vormals mächtigen Grafen von Henneberg die Stadt vollständig.

In den Zusammenhang mit der sich ab der Mitte des 13. Jahrhunderts entwickelnden städtischen Selbstverwaltung gehört die Ansiedlung eines Klosters der Augustiner-Eremiten in Münnerstadt. Wahrscheinlich waren es Rat und Bürgerschaft selbst, die 1279 ?zur Ehre Gottes und zum nicht geringen Nutzen der Seelen?, wie es in der Gründungsurkunde heißt, Augustiner aus Würzburg herbeiriefen. Als Baugrund für das neue Kloster erhielten die Mönche ein Gelände im Nordwesten des Mauerrings mit dem Namen ?Vogelweide? überwiesen. Der Würzburger Bischof Berthold von Sternberg (reg. 1267?1287) bestätigte das neue Kloster noch im Gründungsjahr 1279 und stattete es mit reichen Privilegien aus.

Trotz einer Reihe von bischöflichen Ablassbriefen ? auf dem Provinzialkonzil von 1282 in Aschaffenburg stellten sogar fünf der dort versammelten Bischöfe einen solchen aus ? zog sich die Errichtung von Konvent und Kirche über Jahrzehnte hin. Im Jahr 1304 stiftete Gertrud Prelin ein Almosen zur Vollendung von Dormitorium, Refektorium und anderer Gebäude des Klosters. Auf dem Kreuzaltar der Kirche mussten ihr dafür regelmäßig Messen gelesen werden, woraus geschlossen werden kann, dass es bereits eine benutzbare Klosterkirche gab. 1316 wurden zu Ehren des hl. Johannes Evangelist und des hl. Leonhard zwei Altäre geweiht. Weihbischof Hartung gewährte 1320 den Wohltätern des Konvents einen Ablass, Zeichen dafür, dass der Ausbau des Klosters noch nicht abgeschlossen war. Immerhin konnte im Jahr 1323 in Münnerstadt das Provinzialkapitel des Ordens abgehalten werden.

Im Spannungsfeld der im Ort vertretenen Mächte hatten es die ?schwarzen Mönche? nicht leicht. Bis 1401 stritt man sich beispielsweise mit dem Deutschen Orden um die Ausübung der Seelsorge. Der berüchtigte Münnerstädter Haufen drang während des Bauernkriegs 1525 in das Kloster ein und raubte es aus. Auch das Verhältnis zu den Bürgern war damals angespannt, die die Abschaffung der ?pfafferey und muncherey? in ihrem Städtchen und freie Wahl evangelischer Prediger und Lehrer forderten. Als auch die Grafen von Henneberg lutherisch geworden waren, flüchtete im Jahr 1560 Prior Kilian Schüll mit dem Konvent nach Würzburg.

Erst nach dem Ende des Dreißigjährigen Kriegs gelangten die Augustinereremiten 1650 wieder in den vollen Genuss ihres Klosters. Die mittelalterliche Kirche wurde im Jahr 1670 nur notdürftig wieder instand gesetzt. Trotzdem zeichnete sich in diesen Jahren eine Blütezeit des Klosters ab. Im Jahr 1685 erhielt es die Leitung des 1650 gegründeten Gymnasiums übertragen, das zu einer Ausbildungsstätte für Eliteschüler ausgebaut wurde. Abgesehen von einer kurzen Phase der Aufhebung zwischen 1804 und 1806 haben die Augustinereremiten die Säkularisation von 1803 unbeschadet überstanden. Münnerstadt wurde sogar der Ausgangspunkt für die 1895 neu errichtete Provinz der deutschen Augustiner.

Erst spät konnte von 1752 bis 1754 nach Plänen von Johann Michael Schmidt aus Königshofen ein architektonisch unauffälliger Neubau der Kirche errichtet werden. Seine künstlerische Ausstattung des Inneren gilt jedoch als ein echtes Juwel unter den fränkischen Klosterkirchen des Rokoko. Die verschiedensten Ausstattungskünste erzeugen eine besondere Ausstrahlung, die am ehesten mit ?festlich? umschrieben werden kann. Die Stuckdekorationen an den Wänden formten Leonhard und Michael Ebner, die sich dabei von den Schöpfungen des Antonio Bossi in der Würzburger Residenz anleiten ließen. Die Deckenbilder schuf 1754 Johann Anwander aus Lauingen. Er stellte in den Hauptfresken im Langhaus die ?Verherrlichung des hl. Augustinus? dar und im Chor die ?Huldigung der Engel nach dem Sturz des Satans?. Weitere Hauptwerke der Ausstattung sind die Altäre und die Kanzel, die Johann Josef Keßler aus Königshofen geschnitzt hat. Der Hochaltar hat zugunsten einer aufwändigen und rauschend inszenierten Altarkulisse mit reichem Personal jede Bindung an die Architektur und jede eigene innere, tektonisch schlüssige Struktur aufgegeben.

Die Ausstattung der Münnerstadter Augustinerkirche bildet ein charakteristisches Beispiel für die Höhe der Dekorationskünste in Mainfranken im zweiten Drittel des 18. Jahrhundert. Vor allem die von den Fürstbischöfen aus dem Hause Schönborn errichteten Bauwerke, wie Schloss Pommersfelden, die Würzburger Residenz oder auch Schloss Werneck, haben weit ins Land hinaus Vorbildwirkung gehabt und zahlreiche kleinere Meister zu Höchstleistungen angespornt, wie dies in Münnerstadt besonders anschaulich nachvollzogen werden kann.

Erich Schneider



 

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