Münchsmünster


 

GESCHICHTE

 

Münchsmünster, Benediktinerkloster St. Petrus – Benediktinische Reform

 

 

 

Herzog Tassilo III. (um 741–796), der letzte Herzog aus dem Geschlecht der Agilolfinger, gilt als Begründer des Urklosters in Münchsmünster an der Ilm. Die zentrale Aufgabe der ersten Mönche in dieser Gegend war zu jener Zeit neben der Missionierung der Bevölkerung auch die Urbarmachung des Landes. Es wird berichtet, dass ein Abt aus dem Kloster bereits an einer Synode in Dingolfing im Jahr 769 teilgenommen haben soll. Die Klosterkirche war dem hl. Petrus geweiht. Sie bestand bis ins zweite Jahrzehnt des 10. Jahrhunderts, bevor sie in den Ungarneinfällen zerstört wurde.

 

Im benachbarten Schwaig etablierte sich danach ein Kanonikerstift der Augustiner-Chorherren. Der Herzog gab es den bayerischen Pfalzgrafen zum Lehen. Die dreischiffige romanische Basilika wurde 1092 zu Ehren der Muttergottes und des hl. Stixus geweiht. Um 1130 stand die Gemeinschaft jedoch bereits vor dem Ruin. Daher wandte sich Herzog Heinrich X. an Bischof Otto I. von Bamberg und übergab ihm das Stift zur Reformierung. Dieser entließ die Kanoniker und besetzte Münchsmünster mit Benediktinern der Hirsauer Reformbewegung aus seinem Kloster Prüfening bei Regensburg. 1131 wurde der Mönch Richard von Prüfening als erster Abt erwählt. Kaiser Lothar III. übereignete zwei Jahre später das ihm vom Herzog übertragene Kloster offiziell der Bamberger Kirche. 1142 stellte Papst Innozenz II. die Benediktinerniederlassung unter seinen Schutz und bestätigte ihre Rechte. In einem weiteren Schreiben beauftragte er Markgraf Diepold von Vohburg, den Schutz des Klosters zu übernehmen. Im Lauf ihres Bestehens erlangte die Abtei die Grund- und Niedergerichtsherrschaft über die Hofmark. Das auf Siegeln überlieferte Klosterwappen, das später in das Gemeindewappen von Münchsmünster aufgenommen wurde, zeigt eine Kirche auf einem Dreiberg. Unter einer Reihe tüchtiger Äbte erlebte Mönchsmünster im 14. und 15. Jahrhundert eine Blütezeit. Abt Wilhelm Mendorfer (reg. 1403–1447) errang das Recht der Pontifikalien. In der Epoche des kunstsinnigen Abts Placidus (reg. 1524–1548) ist dann bereits ein Niedergang der Klosterzucht zu verzeichnen. Unter seinem Nachfolger Abt Bernhard erlosch das Klosterleben 1556 in den Wirren der Reformation. Die bayerischen Herzöge, denen der Papst das Vermögen der Benediktiner als fromme Stiftung übertragen hatte, setzten anschließend weltliche Verwalter ein. 1599 gingen die Gebäude in den Besitz des Jesuitenkollegs Ingolstadt über. Damit verbunden war die Verpflichtung, mit den Erlösen einigen Studenten das Studium der Theologie zu ermöglichen. Von 1782 bis 1808 war die Anlage Sitz einer Malteserkommende, die 1814 an den Staat fiel. Ein Jahr später folgte der Abbruch der Abtei und der romanischen Kirche St. Peter. Ihr Taufstein und ein romanisches Tympanon kamen in die Allerseelenkapelle südlich der Pfarrkirche. Dort befindet sich auch das kunstvolle Grabmal eines Abtes von Münchsmünster aus der Zeit um 1520. Teile der romanischen Lettnerkanzel aus der ehemaligen Klosterkirche werden im Bayerischen Nationalmuseum in München aufbewahrt. Das Portal von St. Peter fand ab 1820 eine neue Verwendung als Friedhofstor in Landshut.

 

 

 

Christine Riedl-Valder

 



 

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